HOMBURG1: Erst einmal vorab um es richtig einordnen zu können: Wie viele Kinder und Jugendliche nehmen in „normalen“ Zeiten das Angebot der Ballettabteilung wahr? Und wie oft bietet ihr euer Training in der Woche an?

Rebecca Heib: Die Ballettabteilung der Homburger Narrenzunft zählt aktuell fast 180 Mitglieder bis ins Erwachsenenalter und macht damit fast ein Drittel des gesamten Vereins aus. Ich unterrichte als freiberufliche Tanzpädagogin von montags bis freitags. Unterstützt werde ich von Eva Lajko, ebenfalls Tanzpädagogin aus Saarbrücken. Sie trainiert die kleinsten Nachwuchstänzerinnen im Verein donnerstags in der tänzerischen Früherziehung. Die Ballettabteilung bietet Ballettunterricht ab ca. 3 ½ Jahren an. Nach oben hin ist keine Altersgrenze gesetzt. Neben dem Unterricht, der den Lehrplänen der Royal Academy of Dance® folgt, biete ich freies Erwachsenentraining für Anfänger/ Wiedereinsteiger und Fortgeschrittene an. Tänzerinnen, die sehr motiviert sind, gehören der Ensemble-Gruppe der Ballettabteilung an. Hier werden gemeinsame Tänze und Solos einstudiert, die dann an öffentlichen Veranstaltungen präsentiert werden können. Eine weitere Besonderheit in meinem Unterrichtsplan ist der Kurs „Ballett Workout“. Hierfür sind keine Vorkenntnisse im klassischen Ballett notwendig. Wer Lust hat mit zu trainieren, ist herzlich eingeladen.

HOMBURG1: Ihr seid die Ballettabteilung der Narrenzunft. Ballett und Fasching? Wie ist es dazu gekommen und wo liegen die Unterschiede? Habt ihr Tänzerinnen, die bei dir im Unterricht sind und gleichzeitig auch bei der Narrenzunft tanzen?

Rebecca Heib: Vor nun fast 10 Jahren war die Ballettabteilung auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Nach Gesprächen mit Rüdiger Schneidewind, dem 1. Zunftmeister der Homburger Narrenzunft, entstand die Idee, eine Ballettabteilung mit einem eigenen Ballettsaal bei der Homburger Narrenzunft entstehen zu lassen. Bis heute sind ich und die gesamte Abteilung mit dieser Entscheidung sehr glücklich und wir freuen uns über die gute Zusammenarbeit im Verein.

Beide Sparten, sowohl Garde als auch Ballett haben eigene Veranstaltungen, für die das Jahr über viel trainiert wird. Neben den jährlichen Auftritten an Prunksitzungen trainieren Garden, Schautanzgruppen und Mariechen für einige Turniere. Dieses Jahr hat sich ein Mariechen aus den Reihen der Homburger Narrenzunft sogar für die Süddeutsche Meisterschaft im karnevalistischen Tanzsport qualifiziert. Das ist eine riesige Leistung!!!
Ich plane als künstlerische Leitung für die Ballettabteilung alle zwei Jahre eine große Aufführung im Saalbau, bei der alle Tänzerinnen ihr Können präsentieren. Die Veranstaltung findet jeweils an beiden Tagen eines Wochenendes statt und war bisher immer ausverkauft. Ebenso im zweijährigen Wechsel bereiten sich die Schülerinnen auf Ballettprüfungen vor. Sie erfolgen nach den Vorgaben der Royal Academy of Dance®, nach deren Lehrplänen der gesamte Unterricht für Kinder und Jugendliche konzipiert ist. Die Prüfungen sind natürlich freiwillig, da im Vorfeld ein intensiveres Training mehrmals pro Woche notwendig ist.
Die Ballettabteilung ist mittlerweile auch zu einem festen Bestandteil des kulturellen Angebots der Stadt Homburg geworden und tritt z.B., genau wie ein Teil der Garden, am Kinder- und Familienfest im Stadtpark auf und unterstützt das Homburger Sinfonieorchester bei der künstlerischen Gestaltung seiner Familienkonzerte.

Sie merken schon, jede Sparte ist für sich schon sehr eingespannt in das wöchentliche Training und die Vorbereitungen auf die vielfältigen Veranstaltungen. Nichts desto trotz planen wir für nächstes Jahr, in dem sowohl die Ballettabteilung als auch der gesamte Verein ein großes Jubiläum feiern, auch ein gemeinsames Projekt… Sie dürfen gespannt sein.

HOMBURG1: Ihr geht mit der Situation pragmatisch um: Ihr bringt euren Unterricht zu den Kids! Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Rebecca Heib: Nachdem die Schließung bekannt gemacht wurde, erreichten mich einige traurige Nachrichten von meinen Tänzerinnen. Zuerst dachten wir daran, ihnen brauchbare Unterrichtsvideos bei Youtube zu empfehlen aber eine sehr gute Freundin, die auch als Tanzlehrerin arbeitet und somit vor dem gleichen Problem stand, hat mir von der Idee erzählt, die Tanzvideos selbst zu drehen. Die Idee fand ich super und auch mein Verein fand die Idee gut. Viele Tanzlehrer nutzen nun diesen Weg, um mit den Schülern wenigstens ein bisschen trainieren zu können. Jeder, der Sport macht, weiß, dass eine lange Pause schwierig ist. Und gerade, weil Ende des Jahres einige meiner Schülerinnen Prüfung machen möchten, ist es umso wichtiger, dass der Unterricht weitergeführt wird.
Gleichzeitig darf man auch nicht vergessen, dass ich als selbstständige Ballettlehrerin mein Honorar nur erhalte, wenn ich meine Übungsstunden abhalte. Die wöchentlichen Videos sollen daher auch als Ersatz für die ausgefallenen Unterrichtszeiten dienen.

Weiterlesen auf Seite 2 (+Video Aufwärmtraining)

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