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Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) warnt davor, dass der geplante Industriestrompreis der Bundesregierung wirkungslos bleiben könnte. Grund ist der Budgetvorbehalt, unter den das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) die Maßnahme gestellt hat. Stattdessen fordert der Verband einen anderen Weg, um Unternehmen bei den Stromkosten spürbar zu entlasten: die Stärkung der sogenannten Direktbelieferung mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

BEE-Hauptgeschäftsführerin Dr. Christine Falken-Großer findet deutliche Worte für die aktuelle Lage: „Der Budgetvorbehalt beim Industriestrompreis kann diesen zu einem Papiertiger machen. Der gute Wille ist erkennbar, reicht allein aber nicht aus, um Unternehmen wirklich zu entlasten.“ Aus ihrer Sicht liegt eine praktikable und rasch umsetzbare Alternative längst auf dem Tisch – nämlich der Ausbau von Direktbelieferungsverträgen zwischen Erzeugern erneuerbarer Energie und industriellen Abnehmern.

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Das Prinzip dahinter ist vergleichsweise simpel: Über solche Verträge können Industriebetriebe große Mengen günstigen Stroms direkt von Wind- oder Solarparks beziehen, ohne den Umweg über den regulären Strommarkt nehmen zu müssen. Das senkt nicht nur die Kosten für die Unternehmen und macht sie besser kalkulierbar. Es entlastet nach Darstellung des BEE gleichzeitig die Stromnetze, weil weniger Energie über weite Strecken transportiert werden muss. Auch das sogenannte Redispatch-Aufkommen – also die kostspielige Umverteilung von Stromflüssen zur Vermeidung von Netzengpässen – würde dadurch sinken. Obendrein leiste die Direktbelieferung einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie.

Um dieses Potenzial zu heben, braucht es nach Einschätzung des Verbands allerdings eine Gesetzesänderung. Konkret fordert der BEE, das Kriterium der „unmittelbaren räumlichen Nähe“ im Paragraf 21 Absatz 2 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu streichen. Bislang schränkt diese Vorgabe die Möglichkeiten zur Direktbelieferung erheblich ein, weil Erzeuger und Abnehmer praktisch Nachbarn sein müssen. Fällt diese Hürde, könnten deutlich mehr Unternehmen von günstigen Lieferverträgen profitieren – unabhängig davon, wo genau die Erzeugungsanlage steht.

Falken-Großer betont, dass es sich dabei nur um eine von vielen Stellschrauben handele: „Dies ist eine von sehr vielen einfachen und schnellen Möglichkeiten wie die Bundesregierung unser Stromsystem günstiger, sicherer und nachhaltiger machen kann.“ Der BEE hat nach eigenen Angaben ein ganzes Maßnahmenpaket vorgelegt, das weitere Vorschläge zur Reform des Energiesystems enthält.

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Die Debatte um bezahlbare Strompreise für die Industrie ist seit Monaten eines der zentralen wirtschaftspolitischen Themen in Deutschland. Viele energieintensive Betriebe klagen über Wettbewerbsnachteile gegenüber Standorten mit niedrigeren Energiekosten. Dass der Industriestrompreis nun unter Finanzierungsvorbehalt steht, dürfte die Unsicherheit in den betroffenen Branchen weiter verstärken. Der Vorstoß des BEE zielt darauf ab, eine pragmatische Lösung anzubieten, die ohne milliardenschwere Subventionen auskommt und stattdessen auf marktwirtschaftliche Mechanismen setzt.

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