Dr. Michael Bilharz von der "Klimawette" und Bürgermeister Michael Forster boxten symbolisch schonmal eine Tonne CO2 um. - Bild: Bill Titze

Bis zum Klimagipfel im November eine Million Tonnen CO2 in Deutschland einsparen – das ist das Ziel der sogenannten „Klimawette“. Um für die Aktion fleißig Werbung zu machen und so das ambitionierte Ansinnen zu erreichen, fährt Dr. Michael Bilharz drei Monate lang per Rad durch die ganze Republik. Nun war der 49-Jährige in Homburg zu Gast.

Das hätte sich Homburgs Bürgermeister Michael Forster wohl auch nicht träumen lassen. Einmal vor dem Rathaus die Boxhandschuhe überzuziehen und zum Schlag auszuholen. Und das auch noch äußerst erfolgreich, denn seinen „Gegner“ knockte er letztlich mit Leichtigkeit aus. Aber natürlich ging es bei der Aktion nicht um einen politischen Machtkampf oder ähnliches.

Sondern um den Klimaschutz. Denn Forster brachte gemeinsam mit Dr. Michael Bilharz eine Tonne zu Fall, die symbolisch für eine CO2-Tonne stehen sollte. Bilharz war nämlich im Rahmen einer Aktion nach Homburg gekommen, die sich zum Ziel gesetzt hat, in Deutschland bis zum Weltklimagipfel in Glasgow im November eine Million Tonnen CO2 einzusparen. „Klimawette“ nennt sich das Ganze.

Bilharz übergab Forster eine Art Spielschein und dann hieß es: „Wette abgemacht!“ – Bild: Bill Titze

„Die Idee besteht darin, dass jeder Einzelne etwas zu diesem Ziel beiträgt“, erklärte der 49-Jährige, der im Umweltbundesamt in Dessau unter anderem am CO2-Rechner arbeitet. „Einer ist vielleicht nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, doch wenn eine Million mitmachen, wird dieser Tropfen deutlich größer.“

Konkret können die Menschen online 25 Euro in ein Klimaschutzprojekt investieren und so eine Tonne CO2 ausgleichen, die sie im täglichen Leben verbraucht haben. „Außerdem kann man dadurch auch Menschen in anderen Ländern eine bessere Lebensqualität mit auf den Weg geben.“ Denn fünf der insgesamt sechs Projekte sind außerhalb Deutschlands angesiedelt. Da geht es beispielsweise um den Bau energieeffizienter Kochstellen in Ruanda oder eine Aufforstung des Regenwaldes in Uganda.

Aber auch in Homburg werde schon einiges gemacht, um das Klima zu schützen, schilderte Bürgermeister Forster dem Besucher. „Wir haben uns hier ein Klimaschutzkonzept auferlegt, für das wir nun für zwei Jahre einen Klimamanager einstellen.“ Forster verwies außerdem auf Elektroautos im städtischen Fuhrpark sowie Dienstfahrräder, die man seitens der Stadt für die Verwaltungsmitarbeiter angeschafft hat. „Aber es ist natürlich immer noch Luft nach oben und so wollen wir beispielsweise auch die Moore vor den Stadttoren mit zusätzlicher Bepflanzung aufwerten.“

Doch nicht nur in Homburg nimmt man einiges auf sich, um zum Klimaschutz beizutragen. Auch Bilharz scheut keine Mühen für die „Klimawette“. So hat er sich drei Monate unbezahlten Urlaub genommen und radelt nun bis Anfang Oktober quer durch Deutschland. 200 Städte möchte er besuchen, Homburg ist seine 86. Station. Bedeutet im Schnitt 70 Kilometer pro Tag und lediglich vier Ruhetage. Ein Mammutprogramm, das den Sozial – und Wirtschaftswissenschaftler durchaus an seine Grenzen bringt. „Die Motivation ist gerade bei Regen nicht immer einfach, aber wenn dann im richtigen Moment die Sonne wieder herauskommt, ist alles wieder gut.“ Behilflich sei auch der enge Zeitplan, der einen gar nicht groß nachdenken lasse.

Bilharz ist mit dem Lastenfahrrad in ganz Deutschland unterwegs, um Werbung für die „Klimawette“ zu machen. – Bild: Bill Titze

Zeit ist beim Thema Klima ohnehin ein gutes Stichwort, denn auf deren Knappheit wird von vielen Wissenschaftlern und Politikern immer wieder verwiesen. Auch Bilharz unterstreicht diesen Punkt. „Wir machen zwar schon viel, aber uns rennt einfach die Zeit davon. Um die wichtige Begrenzung des Weltklimas auf 1,5 Grad bis 2050 zu erreichen, müssen die Staats- und Regierungschefs auf dem Klimagipfel in Glasgow nachbessern.“ Der 49-Jährige möchte mit der „Klimawette“ vorangehen. Wetten wir schaffen die 1,5 Grad?, soll es nach seinem Willen am Ende dort heißen.

Auch Homburg soll da einen kleinen Teil beitragen. Damit Deutschland 1 Million Tonnen CO2-Einsparung schafft, müsste die saarpfälzische Kreisstadt runtergerechnet 628 Tonnen beisteuern. Forster nahm die Wette natürlich an. Und machte zumindest symbolisch mit einem ansehnlichen Aufwärtshaken den Anfang.

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