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Ein ausverkaufter Saalbau, über 140 Akteure auf der Bühne und eine Stimmung, die von der ersten Sekunde an den Siedepunkt erreichte: Die Homburger Narrenzunft (HNZ) hat am Samstagabend mit ihrer Prunksitzung bewiesen, dass sie die Klaviatur der Fastnacht meisterhaft beherrscht. Wer noch behauptet, Homburg sei keine karnevalistische Hochburg, bekam an diesem Abend zumindest überzeugende Argumente dagegen geliefert.

Unter dem Sessionsmotto „Bunt wie Europa, närrisch wie wir“ wurde das Homburger „Wohnzimmer“ zur Bühne für Humor, Tanz und musikalische Akzente. Pünktlich um 19:11 Uhr fiel der Startschuss mit dem großen Einmarsch der Gesellschaft, der nahtlos in einen energiegeladenen Flashmob mündete. Dieser Auftakt setzte sofort den passenden Rahmen für die gesamte Nacht: Eine Symbiose aus stolzer Tradition und modernen, frischen Elementen, die keinen Gast auf den Stühlen hielt.

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Verantwortlich für dieses närrische Gesamtkunstwerk zeichnete Diana Fizzani, die bei der Zusammenstellung des Programms ein talentiertes Händchen bewies. Die Mischung aus Nachwuchsgruppen und erfahrenen Kräften sorgte für Tempo und Abwechslung. Von den kleinsten „Glühwürmchen“ über die Juniorengarde bis hin zum mitreißenden Schautanz der „Tanzmäuse“, die den Saal mit ihrer „Party im Zoo“ verzauberten, saß jeder Schritt. Auch die Jugend-Schautanzgruppe bewies mit ihrer Geisterjagd („Gespenster gibt es… oder nicht?“), dass disziplinierte Vorbereitung und pure Freude am Auftritt kein Widerspruch sind. Ein besonderes Ausrufezeichen setzten die HNZ-Eigengewächse: Die Mariechen beeindruckten mit einer derart ausgefeilten Choreographie und artistischen Moves, dass man vor Respekt symbolisch die Narrenkappe ziehen musste.

In der Bütt erreichten die Wortbeiträge eine Qualität, die sowohl zum Brüllen komisch als auch nachdenklich stimmte. Ansgar Hoffmann brillierte in seiner Paraderolle als „Till“ und lieferte eine politische Analyse ab, die es in sich hatte. Er spannte den Bogen von der Bundespolitik bis hin zur lokalen Verwaltung und sparte dabei nicht mit Spitzen gegen das Rathaus, in dem manch einer laut Till mittlerweile „KI-basiert“ arbeite – was er süffisant als „krank oder inkompetent“ übersetzte. Ein absolutes Highlight für die Lachmuskeln war zudem der Auftritt von „Wellnessa Schwitz-Stink“, die den Saal mit ihrer Performance regelrecht zerlegte. Nicht weniger dynamisch präsentierte sich „Fidelius“ (Christoph Lesch), der als „Frustberater“ das politische Saarland sezierte und mit seinen musikalischen Parodien das Publikum zu Lachsalven hinriss.

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In der Bütt verlagerte sich der Schwerpunkt auf Wortwitz und politische Einordnung. Ansgar Hoffmann trat als „Till“ auf und spannte den Bogen von der Bundespolitik bis in die lokale Verwaltung. Spitzen gegen das Rathaus blieben nicht aus – etwa die Bemerkung, man arbeite dort inzwischen „KI-basiert“, was er süffisant mit „krank oder inkompetent“ übersetzte. Auch „Wellnessa Schwitz-Stink“ sorgte für viel Resonanz im Saal. „Fidelius“ (Christoph Lesch) analysierte als „Frustberater“ das politische Saarland und kombinierte seine Parodien mit musikalischen Elementen.

Einen ruhigeren, zugleich emotionalen Akzent setzten die „Cremöscher“ mit ihrem Tanz „Suche nach Europa“. Aus einer zunächst rein visuellen Inszenierung entwickelte sich ein deutliches Statement zum Sessionsmotto. Das Finale zu den Klängen von „Ich wollte dir nur mal sagen, dass du das Größte für mich bist“ wurde vom Publikum geschlossen begleitet und setzte einen bewusst gesetzten Schlusspunkt.

Einen hochemotionalen Akzent setzten die „Cremöscher“ mit ihrem Tanz „Suche nach Europa“. Was als optisches Highlight begann, entwickelte sich zu einer regelrechten tänzerischen Liebeserklärung an den Kontinent. Das Finale zu den Klängen von Sportfreunde Stillers „Ich wollte dir nur mal sagen, dass du das Größte für mich bist“ sorgte für Gänsehautmomente im gesamten Saalbau und unterstrich die Aktualität des gewählten Sessionsmottos. Dass die Fasenacht weit mehr als reine Unterhaltung ist, zeigte sich auch im Umgang mit den anwesenden Gästen aus Politik und Gesellschaft: Souverän und sportlich nahmen diese die ein oder andere Zote auf ihre Kosten hin – ganz im Sinne einer Tradition, die der Obrigkeit stets den Spiegel vorhält.

Eine solche Mammut-Sitzung mit über 140 Akteuren funktioniert nur durch die unzähligen helfenden Hände hinter den Kulissen, die einen eng getakteten Ablauf überhaupt ermöglichten. Nicht zu vergessen sind dabei die Trainerinnen, Trainer und Betreuer, die außerhalb der Sitzungen ihre Schützlinge monatelang auf solche Abende vorbereiten. Die Dichte der Programmpunkte war dabei so hoch, dass jeder Gang zur Theke zur strategischen Überlegung wurde – man drohte schlichtweg bei jedem Verlassen des Saals, das nächste Highlight zu verpassen. Zwischen den Acts hielten Butler Martin und Schunkelrunden mit Markus die Energie konstant hoch. Dass die HNZ-Aktiven trotz ihres eigenen Programms – nur einen Tag später stand bereits der Umzug in Bexbach an – eine solche Leistung ablieferten, unterstreicht den besonderen Spirit dieses Vereins.

Musikalisch wurde der Abend von Daniel Bosslett begleitet, die Guggemusik sorgte zusätzlich für Druck im Saal. Kurz vor Mitternacht gipfelte der Abend in einem emotionalen Finale, bei dem alle Aktiven noch einmal die Bühne stürmten. Das zum Abschluss gemeinsam gesungene Homburger Lied zeigte eindrucksvoll: Die Homburger Fasenacht, sie lebe hoch. Ein Narr sei schließlich der, „wer den Spiegel zeigt und wer die Wahrheit sagt“, resümierte Till treffend den Geist des Abends. Während im Saalbau danach DJ Passeri das Kommando übernahm, blieb die Erkenntnis, dass die Homburger Fastnacht bei der HNZ in den besten Händen ist.

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Alle Bilder: Friedel Simon

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