Nachdem die Universität des Saarlandes belasteten Personen ihre Ehrenwürden entzogen hat, weiten sich die Bemühungen um eine kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit im Land aus. Die saarländischen Grünen fordern nun einen konsequenten und systematischen Umgang mit staatlichen Auszeichnungen – und stellen dabei die Frage, wer eine kritische historische Prüfung wirklich übersteht.
Auslöser ist die Ankündigung der Landesregierung, Träger des Saarländischen Verdienstordens mit NS-Vergangenheit neu zu bewerten. Volker Morbe, Landesvorsitzender der Partei, begrüßt diesen Schritt deutlich. Die Universität habe mit ihrer Entscheidung, die eigene Ehrungspraxis wissenschaftlich untersuchen zu lassen, gezeigt, wie eine ernsthafte Aufarbeitung funktioniere. Für Morbe war dieser Weg „folgerichtig“.
Dass sich weitere Institutionen dieser Verantwortung stellen, wertet er als wichtiges Signal. So habe auch die IHK Saar angekündigt, die NS-Vergangenheit früherer Funktionsträger transparent und unabhängig aufzuarbeiten. Genau das zeige, dass die Debatte breiter geführt werden müsse. „Es ist richtig, dass Institutionen Verantwortung übernehmen, wenn neue Erkenntnisse über frühere Ehrungen und Funktionsträger bekannt werden“, so der Landesvorsitzende.
Lea Kaschek, Vorsitzende des grünen Kreisverbands Saarbrücken, drängt darauf, dass es nicht bei Einzelfällen bleiben dürfe. Das Land solle sich die Universität zum Vorbild nehmen und sämtliche staatlichen Ehrungen der betreffenden Generation systematisch und wissenschaftlich überprüfen lassen. Ihr Maßstab ist klar: „Wer vom Saarland besonders ausgezeichnet wurde, muss auch einer kritischen historischen Betrachtung standhalten.“
Dabei gehe es nicht darum, Geschichte nachträglich umzuschreiben, betont Kaschek, sondern verantwortungsvoll mit ihr umzugehen. Gerade eine demokratische Gesellschaft müsse bereit sein, die eigenen Traditionslinien und Ehrungen zu hinterfragen. Wie aktuell dieses Thema bleibt, macht sie an einem konkreten Vorfall fest: Nationalsozialistische Schmierereien an der Montessori-Schule in Friedrichsthal zeigten, dass eine lebendige Erinnerungskultur alles andere als abgeschlossen sei.
Für die Grünen bilden historische Verantwortung und konsequente Aufklärung die Grundlage, um rechtsextremen Ideologien entschieden entgegenzutreten. Die Aufarbeitung, so der Tenor beider Verantwortlicher, dürfe nicht auf halbem Weg stehen bleiben – sondern müsse zum dauerhaften Prinzip im Umgang mit der eigenen Vergangenheit werden.





















