Erstmals saßen sie an einem Tisch: Musikerinnen und Musiker, die Chefs der großen Streamingdienste, Labelvertreter und Branchenverbände. Im Bundeskanzleramt lud Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die gesamte Musikbranche zu einem Gipfel – und einigte sich mit den Beteiligten auf eine gemeinsame Zukunftsagenda für das Musikstreaming. Auch der Sänger Herbert Grönemeyer gehörte zu den Teilnehmenden.
Im Zentrum der Verabredung steht eine neu gegründete „Taskforce Musikstreaming“. Unter Moderation des Kulturstaatsministers sollen dort passgenaue Antworten auf die drängenden Fragen der Branche erarbeitet werden. Ein zentrales Instrument dabei: ein sogenannter „Vergütungskompass“, der erstmals belastbare Daten speziell für den deutschen Markt liefern soll. Bislang fehlte eine solche verlässliche Grundlage.
Weimer machte deutlich, worum es ihm geht. „Kreatives Schaffen muss sich auch im digitalen Zeitalter lohnen“, sagte der Staatsminister vorab. Die vereinbarte Agenda eröffne einen strukturierten Dialog über die Zukunft des Musikstreamings, „insbesondere im Hinblick auf Fragen der Vergütung und Transparenz“. Man werde den Prozess aktiv moderieren und darauf hinwirken, dass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und tragfähige Lösungen entwickelt würden.
Der Hintergrund ist eine tiefgreifende Verschiebung im Musikkonsum. Streaming ist längst zur wichtigsten Form geworden, wie Menschen Musik hören – und zugleich zum entscheidenden Wachstumstreiber der gesamten Branche. Mit dieser wirtschaftlichen Bedeutung wachsen jedoch auch die offenen Fragen: Wer verdient wie viel, und wie transparent laufen die Abrechnungen tatsächlich ab?
Der Gipfel war kein spontaner Termin, sondern das Ergebnis eines längeren Vorlaufs. Zwischen Dezember 2025 und März 2026 hatte Weimer die Branche zu insgesamt drei Gesprächsrunden eingeladen. Nun kamen die verschiedenen Interessengruppen zum ersten Mal geschlossen zusammen, um aus den Vorgesprächen konkrete Schritte abzuleiten.
Die Gästeliste spiegelte diese Bandbreite wider. Neben Grönemeyer nahmen Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg von Glasperlenspiel sowie der Rapper und Produzent Maeckes teil. Auf Verbandsseite waren unter anderem PRO MUSIK, die Akademie für populäre Musik, die Fair Share Initiative, die GEMA und der Bundesverband Musikindustrie vertreten. Von den Labels kamen Universal Music, Sony Music und BMG hinzu, während Amazon Music, Apple Music, Spotify und YouTube Music die Streamingdienste repräsentierten. Auch der Digitalverband Bitkom und das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz saßen mit am Tisch.

















