Flugblatt Flüchtlinge & die aktuelle Planungslage in Homburg

Es war ein kleiner Paukenschlag, der da vergangenen Woche durch die Stadtverwaltung ging. Durch die Bekanntgabe der bis zum Jahresende zu erwartenden Flüchtlingszahlen, sahen sich die Stadtoberen gezwungen, mittels einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit zu gehen. Denn bisher konnten die seit 2014 in der Kreisstadt gelandeten Flüchtlinge durch die Verwaltung und das Engagement der Mitarbeiter in einem übersichtlichen Rahmen untergebracht werden.

Mit der Zuweisung von 320 Asylsuchenden bis Ende des Jahres aus der Landesaufnahmestelle Lebach an die Stadt Homburg, kommt die Stadtverwaltung an Kapazitätsgrenzen.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, soll auf dem Gelände des ehemaligen Freibades zur kurzfristigen Unterbringung ein Zelt entstehen. Ursprünglich wurde dabei von einer Zelthalle für bis zu 1000 Personen gesprochen. Diese Zahl hat sich als Missverständnis erwiesen, werden die Flüchtenden doch nach und nach in Homburg eintreffen, so daß bei einer Zeltgröße von 20 Metern x 50 Metern eher mit einer Kapazitätsobergrenze von maximal 500 Personen am ehemaligen Freibaugelände zu rechnen ist.

So weit, so gut?

Mitnichten: die Aufnahme der Menschen aus den Kriegsgebieten endet nicht mit der Errichtung einer Notunterbringung für den nahenden Winter. Die aktuellen Zahlen und die Prognose für 2016 stellen die Kreisstadt Homburg vor eine logistische und emotionale Herausforderung: Versorgung der Asylsuchenden, pädagogische Betreuung, Verpflegung oder medizinische Versorgung sind nur einige der Aufgaben, die kurzfristig gemeistert werden müssen. Aber auch die Arbeitsbelastung der Beamten und Mitarbeiter von Ämtern und Einrichtungen wird in den kommenden Wochen und Monaten eine Herausforderung sein.

Durch die Schaffung der Abteilung für Demographie und Integration unter der Leitung von Christoph Neumann, hat Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind ein erstes wichtiges politisches Zeichen gesetzt, mit der Homburg eine gelebte Willkommenskultur in der Kreisstadt etablieren will. Hinzu kommen aber auch erst mal die durchaus berechtigten Ängste und Sorgen der Einwohner von Homburg.

In der medialen Berichterstattung und in den sozialen Brennpunkten herrscht dabei deutschlandweit Uneinigkeit über den richtigen Umgang mit diesem Thema, aber auch über die Integration der Flüchtenden in die Gesellschaft. Klar ist aber: auf Homburg bezogen setzt die Stadt Vorgaben des Landes um und wird sich dieser Aufgabe stellen müssen. Dabei wirbt die Stadt um eine sachliche Diskussion und setzt dabei auch auf ein Miteinander und das ehrenamtliche Engagement mit allen Bürgern, um diese Herausforderung zu bewältigen.

 

Die Reaktionen und Stimmung der Homburger Einwohner ist dabei noch unklar, lief die bisherige Unterbringung der Asylsuchenden doch ohne große öffentliche Teilnahme ab. Als eine erste Reaktion wurde am gestrigen Montag an einen Teil der Haushalte in der Homburger Innenstadt ein Flugblatt der bisher noch unbekannten „Bürgerinitiative für ein respektvolles Miteinander“ verteilt. Darin wird unter den plakativen Schlagzeilen „Wir haben ANGST!“ und „Asylwahnsinn in Homburg“ auf das Konfliktpotential der Unterbringung von Flüchtlingen in einem Zelt verwiesen.

Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind reagierte mit einer Stellungnahme auf die allgemeinen Sorgen der Bürger in dieser Thematik und verweist auf den lösungsorientierten Ansatz der Stadtverwaltung. Zu mal es ein Ziel der Stadt sei, die Asylsuchenden so schnell wie möglich in dezentrale Wohneinheiten unterzubringen. Hierzu laufen gerade die Planungen und Verhandlungen, im Bereich der Hasenäckerstraße und dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Stadtwerke an der alten Feuerwehr entsprechende Zimmer herzurichten. Nach wie vor sucht die Stadtverwaltung nach geeigneten Wohnungen zur Anmietung, um die zu erwartenden Flüchtlingen in festen Räumlichkeiten unterzubringen. Als Anlaufstelle wird die Stadt Homburg hierzu eine Homepage in der kommenden Woche starten, die sowohl als Informationsportal für die Asylsuchenden und Einwohner der Stadt dienen soll, als auch um das Engagement und die Hilfsbereitschaft der Homburger zu koordinieren.

Stellungnahme von Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind:

„Angesichts der Sorgen und Bedenken, die es in Bezug auf das Zelt, das wir für die Unterbringung von Flüchtlingen in Homburg aufstellen werden, gibt, möchte ich noch einmal deutlich erklären, dass es bei uns in Homburg nicht darum geht, die Flüchtlingsdebatte zu führen. Darum muss sich die Politik auf Bundesebene kümmern.

Wir müssen hier vor Ort in Homburg eine Auftragsangelegenheit des Landes wahrnehmen. Wir haben dafür zu sorgen, dass die uns zugewiesenen Menschen ordentlich untergebracht und versorgt werden. Das sind derzeit die Probleme, um deren Lösung wir uns kümmern müssen.

Angesichts der Flüchtlingszahlen bleibt uns derzeit keine andere Möglichkeit, als eine große, winterfeste Zelthalle aufzustellen. Diese Unterbringung in einer Zelthalle wird alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen stellen.

Selbstverständlich nehmen wir die Sorgen, Bedenken und Ängste in der Bevölkerung ernst. Personen aber, die Stimmung gegen die Flüchtlinge und diejenigen machen, die sich um deren Unterbringung und Betreuung kümmern, helfen keineswegs weiter. Vielmehr gilt meine Bitte an alle, in dieser Notsituation, vor der wir stehen, zusammenzustehen und gemeinsam an einer Bewältigung der vor uns stehenden Aufgaben zu arbeiten.“

Meinung/Kommentar Redaktion:

„Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie weltoffen und tolerant sich Homburg und seine Bürger dieser Aufgabe stellen werden. Ein polemisches Schüren von Ängsten, bevor überhaupt der erste Flüchtling in dem geplanten Zelt untergebracht wird, ist dabei keineswegs zielführend. Die momentane Arbeit der Stadtverwaltung muss und wird lösungsorientiert und handelnd nach der Sachlage aussehen müssen. Denn die Flüchtlingskrise wird nicht in Homburg entschieden. In Homburg können wir als Einwohner nur zeigen, wie wir mit der Situation umgehen und welches Bild und Eindruck die Asylsuchenden von Deutschland und dem Saarland erhalten.“

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