Wer mit Fernwärme heizt, muss sich derzeit über plötzliche Preissprünge deutlich weniger Sorgen machen als Haushalte, die auf Heizöl oder Erdgas setzen. Das geht aus dem neuen Halbjahresbericht der Preistransparenzplattform Fernwärme hervor, den die Verbände AGFW, BDEW und VKU zum Stichtag 1. April 2026 vorgelegt haben. Die Botschaft ist klar: Die Preise bleiben stabil, und die Datenbasis wird immer solider.
Inzwischen erfasst die Plattform mehr als 710 Wärmenetze und damit über die Hälfte des gesamten deutschen Fernwärmeabsatzes. Rund 27.000 Kilometer Leitungsnetz sind damit abgebildet. Allein seit dem Start kamen 158 weitere Teilnetze hinzu. Das Angebot hat sich damit zu einer zentralen Anlaufstelle entwickelt, wenn es um Preise, deren Entwicklung und den Fortschritt bei der Dekarbonisierung geht.
Ein entscheidender Faktor für die Preisruhe liegt im System selbst begründet. Fernwärme wird über planbare Anpassungszyklen abgerechnet, wodurch Kostenveränderungen nur schrittweise bei den Kundinnen und Kunden ankommen. Kurzfristige Ausschläge nach oben werden auf diese Weise geglättet. Der überwiegende Teil der Verbraucher zahlt einen Bruttopreis von rund 16 Cent pro Kilowattstunde, deutliche Abweichungen in beide Richtungen bleiben die Ausnahme.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, wie weit die Branche beim Umstieg auf klimafreundliche Erzeugung bereits gekommen ist. 29 Prozent der gesamten Wärmeerzeugung erfolgen mittlerweile klimafreundlich. Besonders bemerkenswert: 314 der 710 gemeldeten Teilnetze erreichen schon heute einen Anteil von mindestens 30 Prozent grüner Wärme und erfüllen damit die gesetzlichen Vorgaben, die für bestehende Netze eigentlich erst für das Jahr 2030 gelten.
Für die BDEW-Hauptgeschäftsführung ist das ein Beleg dafür, dass die Wärmewirtschaft ihren Teil beiträgt. „Der aktuelle Bericht der Preistransparenzplattform zeigt: Die Fernwärmebranche liefert. Sie investiert in den Ausbau und die Dekarbonisierung der Wärmenetze und sorgt gleichzeitig für Preisstabilität. Jetzt ist die Politik am Zug“, sagt deren Vorsitzende Kerstin Andreae. Mit dem Wärmenetzpaket müssten zügig die rechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Transformation an Tempo gewinne.
Andreae mahnt zugleich eine engere Verzahnung der politischen Instrumente an. Das beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz müsse mit der kommunalen Wärmeplanung und der Gasnetztransformation zusammengedacht werden. Wärmenetze könnten künftig Millionen Haushalte, Gewerbebetriebe und öffentliche Einrichtungen klimaneutral versorgen, dafür brauche es jedoch verlässliche Investitionsbedingungen. Die Wahlfreiheit des Einzelnen bei der Heizungslösung solle mit den zentralen Infrastrukturentscheidungen vor Ort in Einklang stehen, damit ineffiziente und teure Doppelstrukturen vermieden würden.
Die Preistransparenzplattform selbst versteht sich als gemeinsame Initiative der drei Verbände und richtet sich an Verbraucher ebenso wie an die Wohnungswirtschaft. Sie soll einen nachvollziehbaren Überblick über Preise, deren Entwicklung und die Struktur der Wärmeerzeugung in Deutschland bieten. Mit jeder neuen Meldung wächst dabei die Aussagekraft der Zahlen, auf die sich Verbraucher, Unternehmen und Politik gleichermaßen stützen können.


















