Symbolbild

Ein Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit um 37,6 Prozent innerhalb von rund drei Jahren – diese Zahl der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit nimmt die FDP Saar zum Anlass für scharfe Kritik an der Landesregierung. Seit August 2022 ist die Zahl der arbeitslosen Menschen unter 25 Jahren im Saarland deutlich gestiegen. Besonders alarmierend: 78,3 Prozent von ihnen verfügen über keinen Berufsabschluss.

Für die Landesvorsitzende Angelika Hießerich-Peter liegt die Verantwortung klar auf der Hand. „Diese Zahlen sind das Ergebnis einer völlig verfehlten Bildungspolitik der letzten zehn Jahre“, erklärt sie. Das saarländische Bildungsministerium verspiele die Zukunft der jungen Generation. Ein Naturphänomen sei die Entwicklung nicht, sondern politisch gemacht.

Die Ursachen sieht die FDP jedoch nicht allein bei den Schulen. Auch die wirtschaftliche Unsicherheit trägt aus ihrer Sicht dazu bei, dass saarländische Unternehmen bei Neueinstellungen zurückhaltend bleiben. Gerade der Mittelstand, der traditionell konsequent ausbildet, brauche jetzt Entlastung. Hießerich-Peter fordert weniger Bürokratie und mehr Vertrauen in unternehmerische Entscheidungen, damit kleine und mittlere Betriebe wieder mit Freude ausbilden und einstellen.

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Ausbildungsreife der Schulabgänger. Zu viele Jugendliche verließen die Schule ohne die notwendigen Grundlagen. „Wenn Betriebe die Grundlagenbildung nachholen müssen, die eigentlich Aufgabe der Schule gewesen wäre, läuft etwas grundsätzlich falsch“, so die Landesvorsitzende. Das sei nicht Sache der Unternehmen, sondern des Ministeriums. Die Partei fordert deshalb, berufliche Orientierung fest und verbindlich im Schulcurriculum zu verankern – spätestens ab der Mittelstufe.

Eng damit verknüpft ist für die Liberalen das Thema Sprache. Nach wie vor beenden viele junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ihre Schulzeit ohne ausreichende Deutschkenntnisse. „Ohne Sprache keine Ausbildung, ohne Ausbildung keine Perspektive“, betont Hießerich-Peter. Deutschförderung dürfe keine Randerscheinung bleiben, sondern müsse von Beginn an Priorität genießen.

Darüber hinaus regt die FDP an, den Zusammenhang zwischen Ausbildung und Sozialleistungen grundsätzlich zu überprüfen. Denkbar sei etwa, Ansprüche auf Mindestlohn oder Grundsicherung stärker an einen abgeschlossenen Berufsabschluss zu koppeln. „Wer die Chance auf eine Ausbildung hat, sollte sie auch nutzen“, argumentiert die Landesvorsitzende. Leistung müsse sich lohnen – und wer sich verweigere, könne nicht dieselben Ansprüche stellen wie jemand, der sich qualifiziere.

Anzeige

Neue Förderprogramme lehnt die Partei als bloße Symptombekämpfung ab. Ihr Fazit fällt entsprechend deutlich aus. „Wir brauchen ein Bildungsministerium, das seine Hausaufgaben macht“, so Hießerich-Peter abschließend.

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein