Hündin Ruby ließ sich widerspruchslos einen Verband anlegen - auch wenn sie glücklicherweise nicht verletzt war. Bild: Bill Titze

Wie legt man eigentlich einen Verband beim Hund an? Und bei welchen Ereignisse sollte man am besten sofort den Tierarzt aufsuchen? Diese und weitere Fragen standen bei einem Erste-Hilfe-Kurs für Hund und Katze auf dem Programm, der auf dem Gelände der Hundeschule „Chaoten auf vier Pfoten“ in Reiskirchen stattfand. HOMBURG1 war dabei.

Ruby scheint das alles gar nichts auszumachen. Seelenruhig liegt die Hundedame auf einem Tisch – und lässt sich von Frauchen die Pfote verbinden. Ob nun Kompresse oder Zehenpolster, Ruby lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und gibt keinen Mucks von sich. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Hündin glücklicherweise nicht verletzt ist, sondern lediglich an einem Erste-Hilfe-Kurs teilnimmt, der sich speziell an Hunde- und Katzenhalter richtet.

Rund 10 Hunde- und Katzenbesitzer sind gekommen, um sich optimal auf den Ernstfall vorzubereiten. Wie verhält man sich beispielsweise bei einem Unfall? „Das wichtigste ist erst einmal, sich vorsichtig anzunähern, schließlich weiß man nicht, wie das Tier reagiert“, erklärt Tierärztin Dr. Astrid von Rauchhaupt, die den Kurs leitet. „Der Menschenschutz muss immer mit im Hinterkopf sein.“ Wenn möglich, solle der Hund dann im Backenbereich festgehalten werden. Hilfreich sei es auch, eine Decke über dem Kopf auszubreiten, das beruhige die Tiere, so von Rauchhaupt.

Wenn irgend möglich, sollte man in einer solchen Situation im Anschluss natürlich den Tierarzt aufsuchen. Wenn aber bei einem Hund ein Atem- und Herzstillstand vorliegt, ist das zeitlich nicht mehr möglich. Dann heißt es, selbst aktiv zu werden. Aber nicht mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung wie beim Menschen. Sondern mit der Beatmung über die Nase, denn über diese läuft beim Tier die Luftaufnahme hauptsächlich.

„Dabei versuche ich, Luft in die Nasenlöcher einzuatmen und halte dabei den Mund des Tieres zu“, schildert die Tierärztin den Vorgang. Ähnlich wie beim Menschen solle auch mit einer Herzdruckmassage gearbeitet werden, wobei bei einem Tier natürlich weniger Druck ausgeübt werden sollte. 10 Mal Herzdruck und einmal Beatmen sei dabei das richtige Verhältnis. „Wenn es eine reelle Chance gibt, das Tier zu retten, kommt der Herzschlag relativ schnell wieder.“

Schnelligkeit ist auch bei verschiedenen anderen Situationen wichtig. Zum Beispiel bei Gift. Denn innerhalb einer halben Stunde beginnt bei Hund und Katze die Magenentleerung, wie die Kursteilnehmer erfahren. „Innerhalb dieser 30 Minuten habe ich als Tierärztin die Möglichkeit, das Tier erbrechen zu lassen, sodass möglichst wenig Gift im Körper verbleibt“, mahnt von Rauchhaupt zur schnellen Reaktion. Ähnliches gilt auch bei verschluckten Socken oder anderen Gegenständen – bei langem Warten besteht kaum noch eine Möglichkeit, den Mageninhalt durch Erbrechen wieder ins Freie zu befördern.

Dr. Astrid von Rauchhaupt führt in Homburg eine Tierarztpraxis und hatte einige Tipps für die Teilnehmer am Erste-Hilfe-Kurs für Hunde und Katzen parat. Bild: Bill Titze

Grundsätzlich warnt von Rauchhaupt vor dem Spielen mit verschiedenen Gegenständen. So solle man auf keinen Fall mit Stöckchen spielen, da diese sich in das Tier hineinbohren können. Auch Tennisbälle seien gefährlich, da man diese im Zweifel nicht mehr aus dem Rachen herausbekomme. Mit einer Ausnahme. „Bei einem Ball mit Seil hat man zumindest die Chance, ihn aus dem Maul zu ziehen.“ Ähnlich tabu bei Hunden sind verschiedene Lebensmittel, die sich beim Menschen großer Beliebtheit erfreuen. So zum Beispiel Trauben oder Rosinen, die beim Tier Nierenversagen auslösen können. Auch Schokolade sollten Hunde nicht fressen. „Je konzentrierter der Kakaogehalt ist, desto größer ist die Gefahr, dass es Vergiftungserscheinungen gibt, wie Zittern oder gar Krämpfe“ warnt von Rauchhaupt.

Eine allseits bekannte Gefahr sind natürlich Zecken. Doch hier erwartet die Tierärztin ein Stück weit Eigenverantwortung von Herrchen und Frauchen. Wegen einer Zecke brauche man nicht unmittelbar zum Tierarzt zu gehen. „Wenn ich eine Zecke sehe, mache ich sie sofort weg, egal wie. Wenn der Kopf drin bleibt, ist das erst einmal nicht schlimm.“ Dieser könne auch später noch vom Arzt herausgeholt werden, der dann auch eine weitere Behandlung in die Wege leitet.

Selbst Hand anlegen kann man schließlich auch beim Verband. Hier sei es wichtig, beim Wickeln von unten anzufangen. „Ansonsten rutscht er“, sagt die Tierärztin. Dann gilt es, alle Bestandteile in die selbe Richtung zu wickeln und die eine Hälfte des Verbandes nur relativ lose zu wickeln, weil dadurch zu starker Druck vermieden werde. Wichtig sind auch Zwischenzehenpolster, da diese Druckstellen vermieden. Viel zu beachten also bei einem Hundeverband. So dauert es auch ein wenig, um einen solchen anzulegen. So wie bei Hündin Ruby. Die meistert die Prozedur jedoch in geradezu stoischer Ruhe. Zur Belohnung gab es viel Bewunderung von den Kursteilnehmern, die sich bei ihrem eigenen Hund direkt selbst ausprobieren konnten.

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