Nahezu alle Menschen in Deutschland wünschen sich mehr digitale Unabhängigkeit von außereuropäischen Anbietern – doch der Weg dorthin erscheint vielen im Alltag noch zu beschwerlich. Das ist das zentrale Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 1.004 Personen ab 16 Jahren, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zwischen Kalenderwoche neun und zwölf 2026 telefonisch durchgeführt hat.
Die Zahlen sind eindeutig: 99 Prozent der Befragten halten es für wichtig, dass Deutschland bei digitalen Technologien unabhängiger wird. 93 Prozent sehen das Land bereits jetzt in einer Abhängigkeit von anderen Staaten, wenn es um den Import solcher Technologien geht. Und 79 Prozent fordern deutlich stärkere Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien. Ob Künstliche Intelligenz, Messenger-Dienste, Suchmaschinen oder Smartphones – der digitale Alltag wird nach wie vor von Unternehmen dominiert, die ihren Sitz außerhalb Europas haben.
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst ordnet die Ergebnisse klar ein: „Die Menschen in Deutschland wünschen sich, dass Europa bei digitalen Technologien unabhängiger wird. Dafür braucht es mehr Investitionen und weniger Regulierung. Mehr Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien durch die Unternehmen und einen Abbau der überbordenden Regulierung durch die Politik in Berlin und Brüssel.“ Zugleich betonte er, dass kritische Technologien aus dem Ausland zwingend den hiesigen Anforderungen an Sicherheit und Souveränität genügen müssten. Alleingänge seien dabei keine Option: „Wir brauchen Kooperationen mit internationalen Tech-Unternehmen auf Augenhöhe, im Alleingang lässt sich digitale Souveränität nicht erreichen. Aus Investitionen, maßvoller Regulierung und strategischen Partnerschaften entsteht mehr digitale Souveränität.“
Immerhin ein Drittel der Befragten – 34 Prozent – hat sich nach eigenen Angaben bereits bewusst für ein digitales Produkt oder einen Dienst aus Europa entschieden. Weitere 27 Prozent haben zumindest schon darüber nachgedacht, während ebenfalls 34 Prozent das Thema bislang nicht auf dem Schirm hatten. Gleichzeitig sehen die Menschen durchaus auch sich selbst in der Pflicht: 87 Prozent sind der Meinung, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher anpassen müssen, wenn Deutschland digital souveräner werden soll. 62 Prozent würden dafür sogar kurzfristige Nachteile akzeptieren.
Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine spürbare Lücke. Für 55 Prozent der Befragten erscheint ein Wechsel zu europäischen Anbietern schlicht zu aufwändig. Die tatsächliche Nutzung europäischer Alternativen bleibt entsprechend überschaubar: 14 Prozent geben an, europäische soziale Netzwerke zu nutzen, 13 Prozent greifen auf eine europäische Suchmaschine oder einen europäischen Browser zurück, und elf Prozent verwenden einen Messenger aus Europa. Noch geringer fällt der Anteil bei KI-Anwendungen und Chatbots europäischer Herkunft aus – lediglich sechs Prozent setzen darauf. Smartphones europäischer Hersteller kommen bei fünf Prozent zum Einsatz.
Wintergerst sieht in den Ergebnissen dennoch ein ermutigendes Signal: „Das Interesse an europäischen Angeboten ist da. Europa muss digitale Technologien nicht nur entwickeln, sondern auch schneller skalieren und in die breite Anwendung bringen. Dafür braucht es eine innovationsfreundliche Regulierung, mehr Wachstumskapital und eine öffentliche Beschaffung, die auch jungen Unternehmen eine echte Chance gibt.“ Die Umfrage zeigt damit ein differenziertes Bild: Der Wille zur digitalen Eigenständigkeit ist in der Bevölkerung breit verankert, doch die praktischen Hürden – von fehlenden Alternativen bis zum Aufwand eines Anbieterwechsels – bremsen die Umsetzung im Alltag noch erheblich aus.



















