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Symbolbild Foto: Jonas Augustin

Die Zahl vorsätzlicher Körperverletzungen an saarländischen Schulen hat sich innerhalb eines Jahrzehnts nahezu verdoppelt – von 717 erfassten Fällen im Jahr 2015 auf 1283 im Jahr 2024. Das geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik hervor. Für die CDU-Landtagsfraktion ist dieser Anstieg Anlass zu scharfer Kritik an der SPD-geführten Landesregierung, die trotz klarer Handlungsempfehlungen aus einer großen Anhörung des Landtags bislang keine der geforderten Maßnahmen umgesetzt habe.

Jutta Schmitt-Lang, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der CDU, findet deutliche Worte: „Diese Zahlen schockieren nicht mehr, sie beschämen.“ Bereits vor einem Jahr hätten Lehrerverbände, Schulpsychologen und weitere Fachleute in besagter Anhörung einstimmig konkrete Schritte gefordert. Die CDU-Fraktion habe daraufhin einen eigenen Antrag vorgelegt. Passiert sei seitdem nichts. „Die SPD-Landesregierung steckt weiterhin den Kopf in den Sand“, so Schmitt-Lang.

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Im Kern dreht sich die Debatte um drei zentrale Forderungen, die aus der Anhörung hervorgegangen sind. Erstens verlangt die CDU eine systematische Erfassung sämtlicher Gewaltfälle an Schulen, ergänzt durch eine Dunkelfeldanalyse. Nur so ließen sich Ressourcen gezielt dort einsetzen, wo der Bedarf am größten sei. Zweitens mahnt die Fraktion den Aufbau einer funktionierenden Vernetzungsstruktur in der Gewaltprävention an. Nach der Auflösung des Landesinstituts für Präventives Handeln sei eine Lücke entstanden, die bis heute nicht geschlossen worden sei. Was einmal eine gewachsene Struktur gewesen sei, habe die SPD-Alleinregierung abgebaut, ohne Gleichwertiges an dessen Stelle zu setzen.

Der dritte Punkt betrifft die Schulpsychologie. Sie müsse als fester Bestandteil einer multiprofessionellen Schulentwicklung begriffen werden, fordert Schmitt-Lang. Lehrkräfte könnten und sollten nicht allein auffangen, was gesellschaftliche Probleme an die Schulen trügen. Auch der Lehrerverband weise seit Langem darauf hin, dass Pädagoginnen und Pädagogen dringend strukturelle Entlastung bräuchten. Doch genau diese Strukturen fehlten.

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Der kontinuierliche Anstieg der Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer ist kein neues Phänomen. Lehrerverbände und Fachexperten benennen die Entwicklung seit Jahren. Die große Anhörung im Landtag hatte im vergangenen Jahr den Konsens aller beteiligten Sachverständigen hervorgebracht, dass Handlungsbedarf besteht – und zwar dringend. Dass seither keine der empfohlenen Maßnahmen umgesetzt wurde, bezeichnet die CDU-Fraktion als „unverständlich und unverantwortlich“.

Ob die Landesregierung auf den wachsenden Druck reagiert, bleibt abzuwarten. Die Zahlen der Kriminalstatistik jedenfalls sprechen eine unmissverständliche Sprache: An saarländischen Schulen hat sich das Klima verändert, und wer dort täglich unterrichtet, steht zunehmend unter Druck. Die politische Auseinandersetzung darüber, wie Lehrkräfte besser geschützt werden können, dürfte in den kommenden Wochen an Schärfe gewinnen.

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