Die Ruine Merburg in Kirrberg. - Foto: Rosemarie Kappler

Man sieht sie wieder auf den alten Mauern hocken und die Natur genießend. Die Beine baumeln und tun es – zumeist in den Abendstunden – der Seele gleich. Die Ruine Merburg in Kirrberg ist wieder zugänglich und wird von den Menschen wieder so genutzt, als ob sie nie gesperrt gewesen war.

Es war im Frühjahr 2018, als sich aus dem „Malafelsen“ Brocken heraus gelöst hatten. Weil keiner wusste, von welchen Folgen man dabei ausgehen müsse und weil die Stadt Homburg in der Verkehrssicherungspflicht war, wurde erst einmal das Tererrain rund um den Sandsteinfelsen mit den Überresten der Merburg abgesperrt. Später wurde ein Bauzaun drumherum gezogen. Die Stadt vermeldete lapidar, dass eine Sanierung aus technischen und finanziellen Gründen kaum realisierbar sei. Nach einer Ortsbegehung stand bald fest, dass nicht die Ruine selbst das Problem war, sondern die Geologie des Felsens. So blieb der Zaun und vorbeikommende Spaziergänger und Radler konnten das Kirrberger Mittelalter nur noch aus der Distanz heraus erspüren.

Im Ortsrat Kirrberg kochte es daraufhin gewaltig. Dort war man nicht bereit, auf dieses Juwel zu verzichten. Ortsvorsteher Manuel Diehl brachte das damals so auf den Punkt: „Die Anlage verwildern zu lassen ist schlecht für Kirrberg und schlecht für Homburg. Denn die Merburg ist die Mutterburg der Stadt.“ Neuere Forschungen haben ergeben, dass sich die Entstehungszeit der Burg zwar nicht eindeutig zuordnen lässt, dass aber ihre Besonderheit – der achteckige Turm – sich an anderen Orten sogar bis ins 10. Jahrhundert rückverfolgen lässt. Klar ist jedenfalls: Vor der Hohenburg hatte es bereits die Merburg auf dem Malafels am Lambsbach gegeben, und damit behält der Ortsvorsteher erst einmal recht.

Das fragliche Gutachten zur Stabilität des Felsens war an die TU Karlsruhe in Auftrag vergeben worden und stammt vom August 2018. In Beantwortung einer Anfrage unsererer Redaktion teilte die Pressestelle der Stadt Homburg mit, dass davon auszugehen sei, dass in etwa seit dieser Zeit das Gutachten auch vorgelegen haben musste. Getan hat sich dann aber nichts. Erst Ende 2020 bis Anfangs 2021 wurde eine Holzabgrenzung aus Rundbalken gesetzt, die vom Lambsbachtal aus hin zum schmalen Felsendurchgang führen, der den Weg hoch zur Burgruine vorgibt. Die Holzbalken dienen dabei bis zum Fels gewissermaßen auch als Handlauf. Hinter der Balkenkonstruktion wurde ein kleiner Erdwall aufgeschüttet, der begrünt wird und der die natürliche Außengrenze der Burganlage andeutet. „Diese Arbeiten erfolgten durch eine Firma, die per Jahresvertrag für uns tätig ist“, heißt es dazu von der Pressestelle.

Im Februar dann seien die 2018 aufgestellten Bauzäune dann von den Mitarbeitern des Baubetriebshofes entfernt worden. Bedeutet das nun, dass die Anlage wieder vollumfänglich und ohne Einschränkungen begehbar ist? „Noch nicht ganz, da noch mehrere Warnschilder angebracht werden sollen, die davor warnen, den Zaun beziehungsweise die Mauer zu überklettern und auf die Gefahr hinweisen, die besteht, wenn sich jemand an den Rand der Abbruchkante begeben sollte“, teilt Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff nach interner Klärung in der Verwaltung mit. Gesunder Menschenverstand – das sei hier angemerkt – kommt in der Regel zwar ohne Hinweisebeschilderung auf Absturzgefahren an hohen Mauern und Zaunübersteigungsverbote aus, doch aus haftungsrechtlichen Gründen müssen an touristischen Anlagen wie der Merburg Schilderwälder gepflanzt werden. Bedeutet nun auch in der Konsequenz für die Stadt: Erst wenn alle Schilder hängen, kann die Ruine Merburg auch als touristisches Highlight vollumfänglich beworben werden.

 

 

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