Wer in einem Krankenhaus eine Blutprobe abgibt, ein MRT durchläuft oder eine Gewebeanalyse erhält, begegnet den Menschen dahinter meist nicht persönlich – und doch hängt die gesamte ärztliche Diagnose von ihrer Arbeit ab. Damit diese Fachkräfte der medizinischen Technologie künftig auf höchstem Niveau ausgebildet werden, entsteht an der Hochschule Kaiserslautern ein neuer Bachelorstudiengang: „Gesundheitspädagogik für die MT-Berufe“. Das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit in Rheinland-Pfalz und die Hochschule haben sich auf die Entwicklung des Programms verständigt, das zum Wintersemester 2027/2028 am Standort Zweibrücken starten soll.
Der Studiengang richtet sich gezielt an Lehrkräfte, die an Schulen für medizinische Technologie unterrichten. Das „Gesetz über die Berufe in der medizinischen Technologie“ schreibt vor, dass diese Lehrerinnen und Lehrer eine Qualifikation auf Hochschulniveau vorweisen müssen. Genau diese Lücke soll das neue Angebot schließen – und zwar für alle vier reformierten MT-Berufe: Laboratoriumsanalytik, Radiologie, Funktionsdiagnostik und Veterinärmedizin. Wissenschaftsminister Clemens Hoch ordnete den Studiengang als „weitere wichtige Maßnahme der Landesregierung“ ein, „um die gesundheitliche Versorgung in Rheinland-Pfalz zu stärken und insbesondere die dazu notwendigen Fachkräfte auszubilden“. Das Land habe bereits in den vergangenen Jahren deutliche Haushaltsschwerpunkte auf den Ausbau der Gesundheitsstudiengänge gelegt.
Hoch betonte zudem die oft unterschätzte Rolle der Medizintechnologinnen und Medizintechnologen im Klinikalltag: „Sie liefern die entscheidenden Befunde – beispielsweise Blutwerte, Gewebeanalysen, Röntgen-, CT- oder MRT-Bilder –, auf denen Ärztinnen und Ärzte ihre Diagnosen und Therapien aufbauen.“ Gerade deshalb sei es zukunftsweisend, die Lehrenden an MT-Schulen fachwissenschaftlich und didaktisch auf Hochschulniveau zu qualifizieren, damit neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Entwicklungen in den Unterricht einfließen könnten. In multiprofessionellen Teams seien diese Fachkräfte unverzichtbar und entlasteten durch ihre spezialisierte Arbeit die Ärzteschaft.
Konzipiert ist der Bachelor als berufsbegleitendes Teilzeitstudium in einem Online-Format, das ihn bundesweit zugänglich machen soll. Inhaltlich verbindet er eine praxisorientierte naturwissenschaftliche Grundlagenausbildung mit fachspezifischen Vertiefungen. Der pädagogische Anteil nimmt dabei einen zentralen Platz ein: 40 ECTS entfallen auf die didaktische Qualifizierung, ergänzt durch insgesamt zwölf Wochen Praktika an einer Schule für medizinische Technologie inklusive einer Lehrprobe. Wer bereits eine Ausbildung in einem Beruf der technischen Assistenz in der Medizin mitbringt, kann sich diese anrechnen lassen und so die Studienzeit verkürzen.
Hochschulpräsident Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Schmidt verwies auf die gewachsene Expertise seines Hauses in den Gesundheitswissenschaften: „Wir freuen uns darauf, unsere umfangreichen Expertisen, Kompetenzen und Erfahrungen in den neuen Studiengang einzubringen und unser Portfolio um den Bereich Pädagogik zu erweitern.“ Die ausgeprägte Praxisnähe, die das Studium kennzeichnen werde, sei eine besondere Stärke der Hochschule Kaiserslautern. Tatsächlich hat sich der Standort Zweibrücken in den vergangenen Jahren mit mehreren teils bundes- oder landesweit einmaligen biomedizinischen Studiengängen einen Namen gemacht. Seit dem Wintersemester 2024/2025 läuft dort etwa der berufsintegrierte Bachelorstudiengang Physician Assistant, dessen Absolventinnen und Absolventen im Delegationsprinzip medizinische Tätigkeiten übernehmen und so ebenfalls zur Entlastung der ärztlichen Versorgung beitragen.
Mit dem neuen Programm setzt Rheinland-Pfalz ein klares Signal: Die Qualität der Ausbildung in den medizinisch-technischen Berufen soll nicht nur gesichert, sondern systematisch auf ein höheres Niveau gehoben werden. Ob das gelingt, wird sich ab dem Herbst 2027 zeigen, wenn die ersten Studierenden in Zweibrücken – oder vielmehr an ihren Bildschirmen – ihr Studium aufnehmen.




















