Mit einer ausgelassenen Session aller Musiker endete das Irih Folk Festival in Homburg. - Foto: Rosemarie Kappler
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Die Antwort auf die Frage „Darf’s ein bißchen mehr sein?“ müsste spontan eigentlich mit „Ja doch, auf jeden Fall“ beantwortet werden. Denn obwohl sich landauf landab Kreativleute tüchtig abrackern, um das Kulturleben am Laufen zu halten, sind viele Veranstaltungen leider nur mäßig besucht. Corona macht die Leute einerseits vorsichtig, andererseits grübeln Veranstalter mehr und mehr verzweifelt darüber, was sie denn überhaupt noch an Events anbieten sollen, um Menschen vor allem das Gemeinschaftserlebnis Konzert zu ermöglichen. Die Säle werden leerer.

Da konnte man sich am letzten Donnerstag dann immerhin noch ein wenig darüber freuen, dass das „Irish Folk Festival 2022“ die Homburger Kultur GmbH mit geringem Abstand an der Hundert-Besucher-Marke kratzen ließ. Im übrigen war das Festival Ausdruck der Musikvielfalt, um die sich die stadteigene Kultur-Gesellschaft redlich müht. Das Angebot deckt alle Sparten ab von der Klassik, über Jazz, Rock in allen Spielarten und eben Folk und Weltmusik. Die Musiker kommen zwar gerne nach Homburg, aber vielfach bleiben die Zuhörer aus. Insofern nochmal: Man konnte sich am Donnerstag wirklich schon über eine fast dreistellige Zahl freuen. Und diese überschaubare Schar freute sich ebenfalls, und das gleich riesig.

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Denn der Funke der Ausgelassenheit, der der irischen Traditionsmusik eingeimpft ist, sprang direkt über. Das war gut so für die Künstler, denn die starteten ihre Tour durch Deutschland, die Schweiz und die Beneluxländer diesmal in Homburg. Ganz nebenbei bemerkt: Es war auch das erste mal in der 49jährigen Geschichte des dienstältesten Musikfestivals, dass es überhaupt in Homburg Station machte.

Am 1. Mai 1974 begann der deutsche Teil der Geschichte des Festivals irischer Virtuosen im vollbesetzten Elzerhof in Mainz. Mit nur wenigen Unterbrechungen führt die Reihe seither talentierte Musiker durch die Konzertsäle, darunter solch bekannte wie die Alte Oper Frankfurt, Circus Krone München, die Kölner Philharmonie, die Hamburger Fabrik und nun eben auch das Kulturzentrum Saalbau. Top Acts und begnadete Nachwuchsgruppen und Solisten fiedeln, zupfen, schlagen, trommeln, blasen, singen und springen um die Wette. Seit über 20 Jahren trifft Petr Pandula die Auswahl und stellt das Programm zusammen. In Homburg freute er sich, dass es nach zwei Pandemiejahren wieder weitergehen kann. Und dass die Besucher mit ihrer Anwesenheit zeigten, dass sich die Menschen dann doch nicht allzu stark von Putins Angstmacherei paralysieren lassen, stimmte ihn zuversichtlich.

Die danach zu hörende Musik stärkte eindrucksvoll diese Haltung, die Spielfreude der Musiker übertrug sich und die Zuhörschaft entspannte in Null-Komma-Nix. Vom Auftritt des Solisten Yann Honoré als „One man celtic orchestra“ bis hin zur abschließenden Session aller Musiker baute das Konzert stetig auf und die gute Laune schlug förmlich in Begeisterung um. Honoré nahm als Multi-Instrumentalist einzelne Tonfolgen auf, die er übereinanderlegte, mit Mund-Musik kombinierte und die Konzertbesucher mit auf eine emotionale Reise in die Bretagne nahm. Das Duo Diane Cannon & Jack Warnock konzentrierte sich auf die Wurzeln seiner gälischen Heimat, und verzauberte mit komplexen und zarten Gitarrenklängen und hypnotisierender Stimme das Publikum.

Den Kontrast des bunten und schrillen, des treibenden und lustvollen Musizierens boten gleich darauf „The Armagh Rhymers“ mit ihrem an Klamauk grenzenden Auftritt in lustiger Kostümierung. Nach der Pause übernahm das Quintett „Billow Wood“. Die jungen Musiker führten die traditionelle irische Folkmusik mit modernen und eigenen Stücken zusammen, die sich der folkigen Wurzeln bedienten. Ein gelungener Mix, zum Teil atemberaubend.

Wie seit Beginn des Irish Folk Festivals vor einem halben Jahrhundert endete auch dieses Konzert mit einer großen Session aller auftretenden Musiker. Das Finale des ersten von insgesamt 39 Konzerten in diesem Jahr begeisterte im Saalbau voll. Pandula bastelt nun bereits am Jubiläumsfestival 2023. Zu den Künstlern verriet er noch nichts. Es soll aber mit einer Media-Präsentation an Ted Furey erinnert werden. Der 1979 verstorbene lengendäre Fiddler ziert noch heute die Plakate des Irish Folk Festivals, und war gewissermaßen einer der Auslöser für die Folk-Welle, die in den 70er Jahren die Kulturlandschaft in Deutschland deutlich bunter machte. Der Ur-Vater des Musikerclans „The Fureys“ hat Generationen geprägt und ein Stück seines Lebenswerkes war nun auch in Homburg erfühlbar und erlebbar.

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