Symbolbild

„Die Reihenfolge der Impfliste wurde unter notarieller Aufsicht durchmischt und in eine neue Reihenfolge gebracht. Ich freue mich, dass wir anschließend die ersten 2.520 Impftermine im Zeitraum vom 04.02.2021 bis 13.02.2021 vergeben konnten. Die Bürgerinnen und Bürger erhalten ihre Terminbestätigung per E-Mail oder SMS. 566 Bürgerinnen und Bürger werden postalisch benachrichtigt“, betont Gesundheitsministerin Monika Bachmann. 

Stolz verkündet Gesundheitsministerin Monika Bachmann die über die Impfliste eingeführte Vergabe von Terminen in den drei saarländischen Impfzentren. Doch ändert sich nichts an der grundsätzlichen Situation: Deutschland, und damit auch das Saarland, impft zu langsam! Denn die genannten 2.520 Impftermine würden eben auch lediglich für durchschnittlich 252 Impfungen pro Tag stehen! Zusätzlich werden noch Impfungen durch mobile Teams durchgeführt. Immerhin sind dann auch in den Impfzentren 2.769 Termine für die zweite Impfung geplant, wie das Gesundheitsministerium auf Nachfrage von HOMBURG1 mitteilt. In den darauffolgenden Wochen werden jeweils 1.680 weitere Impftermine vergeben, sodass bis zum 01. März rund 11.000 Personen einen Termin für den ersten „Pieks“ erhalten.

„Wir bitten um Geduld derjenigen, die heute noch keinen Termin erhalten haben. Auch, wenn Sie nicht zu den Ersten gehören, möchten wir noch einmal betonen, dass selbstverständlich alle, die eine Bestätigung über die Aufnahme auf unserer Impfliste erhalten haben, einen Termin erhalten werden. Wir werden niemanden vergessen“, so Bachmann abschließend. Geduld scheint hier das Schlüsselwort zu sein: etwa 120.000 Personen sind in der Priorisierungsgruppe 1 impfberechtigt. Ende Januar sind bisher rund 22.000 Menschen mit einer ersten Impfung versorgt worden. Insgesamt käme man dann – inklusive der 11.000 Personen die bis 1.März einen Termin erhalten sollen – gerade mal auf rund 33.000 Menschen, die ihre erste Impfung erhalten haben. Das wäre lediglich ein Viertel aller Impfberechtigten in der ersten Gruppe! Würde das Saarland in dem Tempo weitermachen, käme die Priorisierungsgruppe 2 frühestens Juli oder August zum Zuge.

Die geringe Zahl der Erstimpfungen hängt aber auch mit den Lieferquoten der Hersteller zusammen, die außerhalb des Einfluss der Landesregierung oder Gesundheitsministerium stehen: „Zwischen dem 04. Februar und dem 13. Februar erwarten wir eine Lieferung von Biontech in Höhe von 5.850 Impfdosen. Von Moderna ist für diesen Zeitraum keine Lieferung angekündigt“, so die Auskunft gegenüber HOMBURG1. Bedeutet: Das Saarland kann im Moment auch nicht mehr Menschen impfen. Ob der Impfgipfel am heutigen Montag zwischen Bund, Länder und den Impfherstellern Besserung bringt? Die Rufe mehr Termine für die Erstimpfung zu vergeben und mehr Reserven in die erste Welle zu geben werden indessen lauter. Denn bisher wird rund die Hälfte der verfügbaren Dosen zurückgehalten, um allen Impflingen auch garantiert die zweite Impfung verabreichen zu können. An dieser durchaus nachvollziehbaren Strategie gibt es nun Kritik.

So fordert die SPD-Landtagsfraktion vom CDU-geführten Sozialministerium eine Veränderung in der Impfstrategie des Saarlandes, damit schneller mehr Menschen geimpft werden können. Dazu erklärt der gesundheitspolitische Sprecher Dr. Magnus Jung: „Von den eintreffenden Impfdosen sollten mehr direkt verimpft werden und weniger für die strategische Reserve für die zweite Impfung zurückgehalten werden. So können in den nächsten Wochen möglicherweise tausende Menschen früher geimpft werden.“ Nach Medienberichten sind im Saarland nur 54 Prozent der im Land vorhandenen Impfdosen verimpft, in anderen Bundesländern ist die Quote wesentlich höher. Zuletzt war das Saarland in der Impfquote zurückgefallen. „Wir müssen mit Blick auf die Verfügbarkeit des Impfstoffes für den zweiten Impftermin kein maximales Risiko eingehen, aber wir können deutlich mehr in die erste Impfung geben als bisher. Am Ende geht es um eine vernünftige Abwägung zwischen einem schnellstmöglichen Schutz der Risikogruppen und der Gefahr, schlimmstenfalls Termine verschieben zu müssen. Hier scheint ein stärkerer Rückgriff auf die bestehenden Reserven ethisch verantwortbar.“

Die CDU-Landtagsfraktion schlägt zurück und zeigt sich verwundert über den Vorschlag aus der Koalitionsfraktion. „Die Wirksamkeit der Impfung ist bei den bisher zugelassenen Impfstoffen nachweislich erst dann erreicht, wenn beide Impfungen durchgeführt wurden. Unter diesem Aspekt, dem Schutz der Bürgerinnen und Bürger, ist die Strategie aus dem Gesundheitsministerium der aktuell beste Weg“, so Hermann Scharf, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU-Landtagsfraktion: „Wenn die SPD-Fraktion der Auffassung ist, dass es hier eine bessere Lösung gibt, erwarten wir konkretere Vorschläge als die plakative Forderung, die notwendigerweise zurückgehaltenen Zweitimpfungen als Erstimpfungen aufzubrauchen. Mit diesem Vorgehen schürt man unnötige Hoffnungen. Es wäre aber niemandem geholfen, solange wir mit den bestehenden Liefermengen zu tun haben.“

Eintrag für gemeinsame Impfung ab sofort möglich

Ab sofort gibt es auch eine Änderung bei den Impfungen in den Zentren. So ist es künftig möglich, sich auch Gruppenweise impfen zu lassen. Bisher wurden lediglich individuelle Termine vergeben, so dass beispielsweise Ehepaare an unterschiedlichen Tage den Weg in ihr Impfzentrum machen mussten. Gesundheitsministerin Monika Bachmann erklärt: „Jeder, der sich ab sofort auf die Impfliste einträgt, erhält automatisch einen Gruppencode. Unter Angabe dieses Codes kann anschließend eine definierte Anzahl von Personen – maximal neun weitere Personen – eingetragen werden oder der Code zur Eintragung an Dritte weitergegeben werden. Die gesamte Buchungsgruppe erhält dann, sobald sie an der Reihe ist, einen gemeinsamen Impftermin in dem gewünschten Impfzentrum.“ Die neue Funktion ist sowohl online als auch über die Hotline nutzbar.

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