Der Streit um den Pingusson-Bau in Saarbrücken bekommt eine neue Wendung. Die CDU-Landtagsfraktion fordert eine radikale Lösung: Das Bürohochhaus soll abgerissen werden, während der historisch bedeutsame Botschaftertrakt und die Eingangshalle erhalten bleiben. Fraktionschef Stephan Toscani begründet den Vorstoß mit ausufernden Kosten und jahrelanger politischer Untätigkeit.
Dass ausgerechnet Toscani diesen Schritt vorschlägt, hat Gewicht. Über viele Jahre habe er sich für den Erhalt des gesamten Ensembles starkgemacht, betont der CDU-Politiker. Doch politische Verantwortung heiße eben auch, Positionen zu überdenken, wenn sich die Grundlagen ändern. „Genau an diesem Punkt stehen wir heute“, so Toscani.

Den Ausschlag geben die Zahlen. Die Landesregierung rechnet derzeit mit 66 bis 80 Millionen Euro für eine komplette Sanierung. Toscani hält das für geschönt. Nach den Erfahrungen mit großen öffentlichen Bauvorhaben, so seine Warnung, könnten am Ende deutlich mehr als 100 Millionen Euro zusammenkommen – und das für ein einziges Verwaltungsgebäude. Gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sei ein solcher Betrag nicht mehr zu rechtfertigen.
Sein Argument reicht über die reine Kostenfrage hinaus. Selbst nach einer aufwändigen Sanierung, ist Toscani überzeugt, werde aus dem Hochhaus kein zeitgemäßes Bürogebäude mehr. Statt Millionen in ein marodes Objekt zu stecken, plädiert die CDU dafür, den Ort neu zu denken. Der erhaltene Botschaftertrakt könnte zu einem Deutsch-Französischen Haus oder einem Europahaus werden – ein lebendiger Ort für die deutsch-französische Freundschaft und die europäische Idee.
Scharfe Kritik richtet Toscani an die Landesregierung. Vier Jahre lang habe die Regierung Rehlinger Zeit gehabt, die angekündigte Sanierung anzustoßen. „Niemand hat sie daran gehindert, auch kein Koalitionspartner“, so der Fraktionsvorsitzende. Statt einer Entscheidung solle nun ein weiteres Gutachten folgen – für Toscani nur die nächste Ankündigung in einer langen Reihe. Dass vor der Landtagswahl noch Konkretes geschehe, bezweifle er stark.
Der CDU-Vorschlag verbinde historische Verantwortung mit finanzpolitischer Vernunft, fasst Toscani zusammen. Man bewahre den für die deutsch-französische Geschichte besonders bedeutsamen Teil des Ensembles, gebe ihm eine überzeugende neue Nutzung und verzichte zugleich auf einen hohen Millionenbetrag für ein sanierungsbedürftiges Hochhaus. „Das ist aus meiner Sicht der verantwortungsvollere Umgang mit diesem Ort – und mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger.“






















