Sinkende Pegelstände auf Rhein und Saar bringen die saarländische Wirtschaft zunehmend in Bedrängnis. Für die Grünen im Saarland ist das mehr als eine vorübergehende Wetterlaune. Die Partei fordert, die Lieferketten kurzfristig abzusichern und den Güterverkehr auf der Schiene dauerhaft zu stärken, um die Abhängigkeit von den Wasserstraßen zu verringern.
Wie stark das Saarland auf funktionierende Transportwege angewiesen ist, macht Landeschefin und Bundestagsabgeordnete Jeanne Dillschneider deutlich. Als Industrieland brauche die Region verlässliche Verbindungen über Rhein, Mosel und Saar. Fällt einer dieser Kanäle aus, gerät die Versorgung mit Rohstoffen, Energieträgern und Stahlprodukten ins Wanken.
Eine schnelle Antwort auf akute Engpässe sieht Dillschneider im Ausweichen auf die Straße – allerdings nur als Notlösung. „Die vorübergehende Verlagerung von Transporten auf die Straße kann in der akuten Situation helfen, Lieferketten aufrechtzuerhalten. Eine Dauerlösung ist sie aber nicht“, betont sie. Stattdessen müssten zusätzliche Kapazitäten auf der Schiene entstehen und bestehende Engpässe verschwinden.
Doch genau hier stößt das System an seine Grenzen. Tagsüber seien die Strecken entlang der Saar bereits stark ausgelastet, in den Nachtstunden gebe es zwar noch Spielraum für weitere Güterzüge. Nur fehlt es an den Mitteln: Lokomotiven, Waggons und Personal seien nicht in ausreichender Zahl vorhanden. „Genau hier rächt sich, dass der Schienengüterverkehr über Jahre vernachlässigt wurde“, so Dillschneider. Diese Strukturen müssten wieder aufgebaut werden, etwa durch die durchgehende Elektrifizierung der Nahestrecke.
Die Grünen verbinden die aktuelle Lage mit einer grundsätzlichen Debatte über die Widerstandsfähigkeit der Verkehrswege. Hitze- und Trockenperioden würden künftig häufiger auftreten, darauf müsse sich die Infrastruktur einstellen. „Wer erst reagiert, wenn Schiffe nicht mehr fahren können und Lieferketten ins Stocken geraten, handelt zu spät“, warnt die Landesvorsitzende und mahnt konsequenten Klimaschutz an.
Die Folgen des Niedrigwassers sind für die Industrie längst spürbar. Schon jetzt fallen Mehrkosten durch Niedrigwasserzuschläge und den Einsatz zusätzlicher Schiffe an. Hält die Trockenheit länger an, könnten sogar Anpassungen in den Produktionsprozessen nötig werden.
Für Dillschneider zeigt sich damit ein grundsätzlicher Zusammenhang. „Das Niedrigwasser zeigt sehr konkret, dass die Klimakrise längst auch eine wirtschaftspolitische Herausforderung ist“, sagt sie. Wenn Schiffe weniger laden könnten oder wichtige Wasserstraßen zeitweise nicht mehr zuverlässig befahrbar seien, stiegen die Transportkosten und die Lieferketten gerieten unter Druck. Ein Industriestandort wie das Saarland treffe das besonders hart.



















