Körperliche Übergriffe, Drohungen, Mobbing und extremistische Vorfälle an saarländischen Schulen nehmen nach Einschätzung vieler Betroffener zu – doch belastbare Zahlen, die das tatsächliche Ausmaß abbilden, fehlen bislang. Genau das will die CDU-Landtagsfraktion ändern und bringt am Mittwoch einen Antrag ins Plenum des saarländischen Landtags ein, der eine systematische Erfassung von Gewalt und Extremismus an Schulen sowie eine sogenannte Dunkelfeldanalyse fordert.
Die bisherigen Statistiken bilden nach Darstellung der Fraktion lediglich das Hellfeld ab – also jene Fälle, die tatsächlich gemeldet oder zur Anzeige gebracht werden. Was unter der Oberfläche bleibt, entziehe sich jeder politischen Steuerung. „Gewalt an Schulen darf nicht länger kleingeredet, verwaltet oder in Zuständigkeiten versteckt werden“, sagte Jutta Schmitt-Lang, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der CDU. Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulsozialarbeiter sowie Schülerinnen und Schüler berichteten seit Langem von einer Zunahme der Probleme. „Was nicht gemeldet wird, bleibt unsichtbar. Genau dort liegt das Problem“, so Schmitt-Lang.
Der Antrag, der unter der Drucksache 17/2217 geführt wird, zielt auf mehrere Ebenen gleichzeitig. Neben der statistischen Gesamterfassung und der Dunkelfeldanalyse verlangt die Fraktion verbindliche Melde-, Beratungs- und Unterstützungsverfahren. Schulpsychologie und Schulsozialarbeit sollen gestärkt, klare Anlaufstellen geschaffen und die Zusammenarbeit mit Polizei, Jugendhilfe und Schulaufsicht enger verzahnt werden. Wer einen Vorfall melde, dürfe danach nicht allein gelassen werden, betonte Schmitt-Lang.
Die CDU-Politikerin richtete dabei deutliche Kritik an die regierende SPD. Deren Weigerung, eine Dunkelfeldanalyse auf den Weg zu bringen, nannte sie „unverständlich und fahrlässig“. Ohne belastbare Daten ließen sich keine wirksamen Gegenmaßnahmen entwickeln. „Schulen brauchen keine Beschwichtigung, sondern verlässliche Daten, klare Meldewege, Rückendeckung und funktionierende Unterstützung“, formulierte sie den Anspruch ihrer Fraktion.
Im Kern geht es der CDU darum, Schule als sicheren Lern- und Arbeitsort zu verteidigen. Antisemitismus, Rassismus, Bedrohungen und extremistische Parolen hätten dort keinen Platz. Einzelne Projekte und Absichtserklärungen reichten dafür nicht aus. „Es braucht eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine klare Strategie“, fasste Schmitt-Lang zusammen. Ob der Antrag im Plenum eine Mehrheit findet, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die SPD-Fraktion positioniert, die das Thema bislang anders bewertet als die Opposition.


















