Bis zu zwei Milliarden Euro will das Bundesministerium für Verkehr in die Förderung von strombasiertem erneuerbarem Kerosin investieren – und hat dafür am 19. Mai 2026 eine öffentliche Marktkonsultation auf den Weg gebracht. Unternehmen und Branchenakteure sind aufgerufen, bis zum 30. Juni 2026 ihre Einschätzungen zum geplanten Förderdesign einzureichen. Im Kern geht es darum, den Hochlauf sogenannter eSAF-Kraftstoffe zu beschleunigen, also jenes synthetischen Kerosins, das aus grünem Wasserstoff und nachhaltigem Kohlenstoff gewonnen wird und den Luftverkehr langfristig klimaneutral machen soll.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ordnete den Schritt als strategisches Signal ein: „Mit dem Start der Marktkonsultation nehmen wir einen wichtigen Schritt auf den Weg zur Förderung des Markthochlaufs von strombasiertem Kerosin. Wir setzen ein klares Signal: Deutschland übernimmt Verantwortung für den klimaneutralen Luftverkehr.“ Die Förderung in einer frühen Marktphase schaffe Planungssicherheit und Preistransparenz, so Schnieder weiter. Gleichzeitig stärke sie die europäische Unabhängigkeit von knapper werdenden Rohstoffen.
Das Förderprogramm ist das erste Projekt innerhalb der europäischen „eSAF Early Movers Coalition“, die im Rahmen des Sustainable Transport Investment Plan ins Leben gerufen wurde. Deutschland will damit eine Blaupause liefern, an der sich andere Mitgliedsstaaten orientieren können. Ob sich weitere Länder direkt an der Förderung beteiligen, wird derzeit noch geprüft. Die Ambition dahinter ist klar: Eine europäische Produktion von erneuerbarem Kerosin soll nicht nur dem Klimaschutz dienen, sondern auch die Abhängigkeit des Kontinents bei der Versorgung mit Flugkraftstoffen verringern.
Herzstück des geplanten Förderdesigns ist ein Doppelauktionsmechanismus, der auf dem bereits etablierten H2Global-Instrument aufbaut. Das Prinzip funktioniert über zwei Seiten: Auf der einen werden langfristige Abnahmeverträge mit eSAF-Produzenten geschlossen, auf der anderen kurzfristige Verkaufsverträge mit Unternehmen, die den Kraftstoff in den Markt bringen. Ein Intermediär gleicht die Differenz zwischen den wettbewerblich ermittelten Angebots- und Nachfragepreisen aus. Damit adressiert das Ministerium gezielt eines der größten Hemmnisse für Investitionen in die industrielle eSAF-Produktion: die fehlende Absatzsicherheit durch mangelnde langfristige Verträge auf der Nachfrageseite.
Die Rückmeldungen aus der Marktkonsultation sollen unmittelbar in die weitere Ausgestaltung des Programms einfließen. Ebenso bilden sie eine Grundlage für das beihilferechtliche Notifizierungsverfahren bei der Europäischen Kommission, das vor dem eigentlichen Förderstart durchlaufen werden muss. Der Fragebogen sowie eine detaillierte Beschreibung des Förderansatzes stehen in englischer Sprache online bereit – ein bewusster Schritt, um auch internationale Produzenten und Investoren einzubinden.
Warum der Fokus auf synthetisches Kerosin so drängend ist, zeigt ein Blick auf die technischen Realitäten der Luftfahrt. Gerade auf Langstrecken bleibt der Bedarf an flüssigen Energieträgern auf absehbare Zeit bestehen, weil elektrische Antriebe oder Wasserstoff-Direktnutzung dort an physikalische Grenzen stoßen. Strombasiertes Kerosin, auch als Power-to-Liquid-Kerosin bezeichnet, wird mittels Elektrolyse aus Wasser gewonnenem Wasserstoff und Kohlenstoff aus nachhaltigen Quellen hergestellt. Kommt dabei erneuerbarer Strom zum Einsatz, fällt die Klimabilanz über den gesamten Lebenszyklus weitgehend neutral aus. Ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Alternativen: Die bestehende Infrastruktur für Transport, Lagerung und Betankung lässt sich ohne größere Umbauten weiternutzen.




















