Der Sonntag soll ein Ruhetag bleiben – daran lässt der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) keinen Zweifel. Der Verband stellt sich klar gegen Bestrebungen, den Sonntagsschutz zugunsten des Einzelhandels zu lockern. Zugleich fordert er die Politik auf, die tatsächlichen Probleme der Branche nicht länger zu ignorieren.
„Als christlicher Unternehmerverband lehnen wir eine Aufhebung des Sonntagsschutzes zugunsten des Einzelhandels ab“, stellt der BKU-Bundesvorsitzende Dr. Martin Nebeling fest. Für ihn ist der Sonntag weit mehr als ein arbeitsfreier Tag. Als „Ruhetag Gottes und des Menschen“ trage er den Rang eines schützenswerten Kulturguts.
Nebeling verweist zudem auf die Wurzeln des deutschen Wirtschaftsmodells. Die Soziale Marktwirtschaft sei entscheidend christlich geprägt, argumentiert er. Diese Prägung gelte es zu stärken statt zu schwächen. Eine Aufweichung des Ruhetags wäre aus Sicht des Verbands ein Schritt in die falsche Richtung.
Doch der BKU verschließt die Augen nicht vor den veränderten Bedingungen, unter denen der stationäre Handel heute arbeitet. Der Online-Handel sei nicht nur weniger an den Sonntagsschutz gebunden, sondern genieße vielerorts ungerechte Wettbewerbsvorteile. Nebeling nennt konkret die Mehrwertsteuer, die zahlreiche nicht in Deutschland ansässige Online-Händler schlicht nicht abführten, sowie unterschiedliche tarifrechtliche Regelungen.
„Hier gilt es erst einmal, für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen“, betont der Verbandschef. Die Schwierigkeiten der Branche seien aber auch verkehrspolitischer Natur. Teurer und knapper Parkraum sowie ein unzuverlässiger öffentlicher Nahverkehr machten den Einzelhandel für viele Kunden unattraktiv – Faktoren, die eine längere Ladenöffnung allein nicht ausgleichen könne.
Darüber hinaus brauche der Handel dasselbe wie alle deutschen Unternehmen: echte Wirtschaftsreformen. Nebeling fordert einen massiven Abbau der Bürokratie und spürbare Kostensenkungen bei Steuern, Löhnen und Energie. Erst wenn diese Rahmenbedingungen stimmten, ließen sich auch vorhandene technische Möglichkeiten sinnvoll nutzen.
Denn viele Bundesländer erlaubten Sonntagsöffnungen bereits dort, wo Geschäfte vollautomatisiert arbeiteten. Verbesserten sich die Bedingungen für den Einzelhandel, so Nebelings Schlussfolgerung, könnten viele Unternehmen diese Spielräume eigenverantwortlich und im Einklang mit dem Sonntagsschutz weit besser ausschöpfen als bisher.
Der BKU vereint seit mehr als 75 Jahren Unternehmer und Führungskräfte, die sich auf Grundlage der Katholischen Soziallehre für eine bestimmte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung engagieren. Als Gesprächspartner von Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kirche wirbt der Verband für Verantwortung, Leistungsbereitschaft und Gemeinwohlorientierung innerhalb der Sozialen Marktwirtschaft.


















