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Die Bedrohung für die deutsche Wirtschaft trägt zunehmend die Handschrift staatlicher Akteure. Mehr als jedes dritte Unternehmen, das im vergangenen Jahr Opfer von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage wurde, konnte mindestens einen dieser Angriffe einem ausländischen Geheimdienst zuordnen. Der Anteil liegt inzwischen bei 37 Prozent – vor einem Jahr waren es noch 28 Prozent, im Jahr 2023 lediglich sieben Prozent. Das zeigt eine repräsentative Befragung von 1.003 Unternehmen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Insgesamt sehen sich 96 Prozent aller Betriebe von solchen Angriffen betroffen oder vermuten es zumindest. Auffällig ist dabei eine wachsende Unsicherheit: Nur noch 67 Prozent konnten einen erfolgreichen Angriff zweifelsfrei nachweisen, ein Jahr zuvor waren es 87 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil jener Unternehmen, die einen Vorfall vermuten, ihn aber nicht belegen können, von zehn auf 29 Prozent. Das Dunkelfeld wächst also spürbar.

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Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Bitkom beziffert die Schäden durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage erstmals in einem Korridor zwischen 211 und 270,8 Milliarden Euro. Darin enthalten sind direkte Kosten für Betriebsausfälle, Ermittlungen und Rechtsstreitigkeiten ebenso wie Umsatzverluste durch Plagiate und den Verlust von Wettbewerbsvorteilen. Bei der Herkunft der Angriffe stehen zwei Länder an der Spitze: 52 Prozent der sicher betroffenen Unternehmen konnten mindestens einen Vorfall nach China zurückverfolgen, dicht gefolgt von Russland mit 49 Prozent. Neu unter den relevanten Akteuren ist der Iran, dem rund jedes zehnte Unternehmen einen Angriff zuschreibt.

„Das Dunkelfeld bei Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage wird größer“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Nachrichtendienste arbeiteten professioneller und verdeckter, zugleich eröffne die Künstliche Intelligenz auch weniger versierten Angreifern neue Möglichkeiten. Entscheidend sei es, Attacken frühzeitig zu erkennen, Beweise zu sichern und Erkenntnisse rasch mit den Sicherheitsbehörden zu teilen. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Sinan Selen, ordnet die Ergebnisse in ein Bild anhaltend hoher Bedrohung ein: Ausländische Dienste hätten ihre hybriden Aktivitäten intensiviert, wobei besonders die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft ins Visier gerate.

Den Löwenanteil der Schäden verursachen mittlerweile Cyberattacken, auf sie entfallen 76 Prozent. Fast zwei Drittel der Unternehmen registrierten in den vergangenen zwölf Monaten eine Zunahme solcher Angriffe, und kein einziges rechnet künftig mit einem Rückgang. Bemerkenswert ist ein trügerisches Sicherheitsgefühl: Während sich nur noch 43 Prozent gut auf Cyberangriffe vorbereitet sehen, sank der Anteil jener, die ihre Existenz bedroht sehen, von 59 auf 45 Prozent. „Ein erfolgreicher Cyberangriff kann für Unternehmen nach wie vor das wirtschaftliche Aus bedeuten“, warnt Wintergerst.

Die größte Tätergruppe bleibt mit 62 Prozent die Organisierte Kriminalität, doch die Grenzen verschwimmen. „Nachrichtendienste bedienen sich krimineller Strukturen, umgekehrt wird Kriminellen freie Hand gelassen, solange sie ihre Ziele den politischen Vorgaben entsprechend wählen“, so Wintergerst. Verändert hat sich auch das technische Angriffsmuster: Während Ransomware seltener Schaden anrichtet, legen KI-gestützte Methoden zu. Schäden durch automatisierte Anrufe stiegen von drei auf 14 Prozent, jene durch Deepfakes von vier auf acht Prozent. 82 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass Angreifer verstärkt auf Künstliche Intelligenz setzen.

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Bei der Aufklärung hilft zunehmend der Staat: Jedes zweite Unternehmen, das Täter oder Herkunft ermitteln konnte, erhielt dafür Hinweise von Behörden, vor zwei Jahren war es erst jedes vierte. Der Anteil des IT-Budgets für Sicherheit stagniert derweil bei 18 Prozent, obwohl BSI und Bitkom 20 Prozent empfehlen. Häufigste Schadensursache sind laut Befragung nicht exotische Attacken, sondern blinde Flecken im eigenen System. „Wer in Angriffserkennung, saubere Konfigurationen und ein striktes Identitätsmanagement investiert, schließt die wichtigsten Lücken, die Angreifer heute nutzen“, bilanziert Wintergerst.

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