Foto: FC 08 Homburg
Anzeige

93. Minute gegen die Stuttgarter Kickers: Birkan Çelik vergibt per Elfmeter die große Chance auf den Ausgleich. 93. Minute in Mannheim: Nicolas Andermatt erzielt den vermeintlichen Siegtreffer, der wegen einer falschen Abseitsentscheidung nicht zählt. Und nun wieder die Nachspielzeit: Gegen Hessen Kassel führt der FC 08 Homburg mit 2:1, hat defensiv über weite Strecken kaum etwas zugelassen – und kassiert mit der letzten Aktion doch noch das 2:2. Drei Spiele, fünf mögliche Punkte, die ganz spät verloren gingen. Entsprechend tief saß am Samstag der Frust im Waldstadion.

Mit diesen fünf Zählern mehr würde der FCH aktuell bei 19 Punkten stehen – punktgleich mit Tabellenführer Kickers Offenbach. Tatsächlich sind es nach acht Spieltagen 14 Punkte und Rang vier. Das ist weiterhin eine ordentliche Bilanz. Aber Fußball kennt eben keinen Konjunktiv. Und deshalb überwog nach dem Schlusspfiff bei Spielern und Trainer vor allem das Gefühl, einen fast sicheren Sieg aus der Hand gegeben zu haben. „Das war jetzt 5 Punkte Verlust bei 90 plus, das tut schon sehr, sehr weh“, fasste Roland Seitz die jüngsten späten Rückschläge zusammen. 

Anzeige

Dabei war die Partie vor 1.212 Zuschauern lange kein Fußballfest. Beide Mannschaften verteidigten konzentriert, Torraumszenen blieben im ersten Durchgang rar. Homburg war etwas aktiver, fand gegen die gut organisierte Kasseler Defensive aber nur selten klare Lösungen. Emir Kuhinja zielte von der Strafraumkante knapp vorbei, Aaron Manu setzte einen Kopfball nach einem Freistoß neben das Tor. 

Umso überraschender fiel nach 39 Minuten die Führung der Gäste. Ein erster Abschluss von Sercan Sararer geriet eher harmlos, Manu wollte klären, der Ball landete aber unglücklich wieder beim Kasseler Angreifer. Im zweiten Versuch traf Sararer zum 0:1. Es war eine jener Szenen, die dem FCH derzeit immer wieder weh tun: Eigentlich steht die Defensive ordentlich – und trotzdem reicht ein unsauber verteidigter Moment für ein Gegentor.

Die Antwort kam immerhin schnell. Nur drei Minuten später kombinierte sich Homburg über die Außen nach vorne, Birkan Çelik bereitete vor und Julian Günther-Schmidt drückte den Ball aus kurzer Distanz zum 1:1 über die Linie. Mit dem Remis ging es in die Pause – ein Zwischenstand, der zu einer ausgeglichenen und insgesamt zähen ersten Hälfte passte. Seitz hatte dort vor allem unnötige Ballverluste und zu viel Hektik gesehen. Nach seiner Ansprache sei es im zweiten Durchgang „viel, viel besser“ geworden. 

Tatsächlich kam der FCH deutlich zielstrebiger zurück. Hilal El-Helwe setzte zunächst einen Seitfallzieher knapp vorbei, ehe er in der 57. Minute die Partie komplett drehte. Wieder war Çelik beteiligt, El-Helwe verwertete dessen Vorlage aus kurzer Distanz zum 2:1. Zu diesem Zeitpunkt war die Führung verdient: Homburg investierte mehr, spielte nun klarer nach vorne und hatte das Spiel zunehmend unter Kontrolle. 

Anzeige

Danach wechselte der FCH in einen kontrollierteren Modus – und das war zunächst keineswegs problematisch. Die Grün-Weißen standen kompakt, verteidigten leidenschaftlich und ließen Kassel trotz zunehmenden Ballbesitzes kaum in gefährliche Abschlusspositionen kommen. Seitz konnte sich nach dem Spiel an „keine einzige Situation“ erinnern, bei der der Ausgleich hätte fallen müssen. 

Was allerdings fehlte, war der dritte Treffer. Homburg bekam seine Umschaltmöglichkeiten, spielte sie aber zu oft unsauber aus. Einmal lief der FCH in einer Drei-gegen-zwei-Situation auf die Kasseler Defensive zu, brachte den entscheidenden Pass aber zu spät. Auch Marc Ehrhart hatte die Möglichkeit zum 3:1. Seitz sah genau darin den nächsten Entwicklungsschritt: „Das sind dann die Momente, wo wir momentan noch nicht so weit sind, um den Deckel draufzumachen.“ 

Mit der Herausnahme des starken Simon Joachims verlor Homburg zudem etwas Präsenz im Zentrum. Kassel bekam mehr Ballbesitz, ohne daraus zunächst ernsthafte Gefahr zu entwickeln. Genau deshalb sah bis tief in die Nachspielzeit alles nach einem knappen, aber verdienten Homburger Sieg aus.

Dann kam die letzte Aktion. Kassel brachte noch einmal einen hohen Ball in den Strafraum. Was zuvor fast durchgehend konsequent verteidigt worden war, funktionierte ausgerechnet jetzt nicht: Die Flanke durfte kommen, im Zentrum fehlte die klare Zuordnung und Michael Gelt blieb auf seiner Linie. Cemal Sezer konnte den Ball im Fünfmeterraum mit der Brust zum 2:2 über die Linie drücken. Direkt danach war Schluss. 

Die Homburger Spieler waren bedient. El-Helwe fand unmittelbar danach kaum Worte: „Es ist unglaublich. Der kann niemals in der 90. Minute alleine so frei sein. Da war ja keiner um den herum.“ Sein Fazit zur Schlussphase war ebenso klar: „Wir müssen noch den Switch hinbekommen, dass wir trotzdem noch auf das dritte gehen und das Ganze zumachen.“ 

Auch Julian Günther-Schmidt sprach von einem „richtigen Schlag“, weil der Ausgleich „sowas von unnötig“ gewesen sei. Gleichzeitig verwies er darauf, dass solche Spiele inzwischen nicht zum ersten Mal knapp aus der Hand gegeben wurden: „Jetzt müssen wir nur aufpassen, dass es nicht zu viele Spiele von denen werden, wo du sagst, das musst du eigentlich klar gewinnen.“ 

Und genau darin liegt nach acht Spieltagen die vielleicht wichtigste Erkenntnis. Die Mentalität stimmt: Homburg hat erneut einen Rückstand gedreht, kämpferisch überzeugt und defensiv bis auf wenige Momente sehr ordentlich gearbeitet. Was noch fehlt, ist die letzte Konsequenz. Hinten muss auch in der 93. Minute jeder Ball mit maximaler Konzentration verteidigt werden, vorne müssen sich gute Umschaltsituationen häufiger im Ergebnis niederschlagen. Seitz will deshalb weder alles schlechtreden noch den späten Ausgleich einfach abhaken: „Wir sind nach Stuttgart und Mannheim aufgestanden und werden auch diesmal wieder aufstehen.“ 

Der Punkt bringt den FCH immerhin auf Tabellenplatz vier. Freude darüber dürfte am Samstag trotzdem kaum aufgekommen sein. Zu nah waren die drei Punkte – und zu bekannt inzwischen das Gefühl, in den allerletzten Minuten noch entscheidenden Boden zu verlieren.

Am kommenden Samstag geht es für den FC 08 Homburg auswärts beim TSV Steinbach Haiger weiter. Anstoß im SIBRE Sportzentrum Haarwasen ist um 14 Uhr. 

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein