Symbolbild

Die Vorschläge der Rentenkommission stoßen beim Bundesverband der Freien Berufe (BFB) auf grundsätzliche Zustimmung – verbunden allerdings mit deutlichen Mahnungen. Der Spitzenverband, der nach eigenen Angaben für 6,3 Millionen Erwerbstätige und rund 1,5 Millionen Betriebe steht, sieht in den Empfehlungen einen tragfähigen Ausgangspunkt für die überfällige Modernisierung der Alterssicherung. Zugleich warnt er davor, das Reformwerk durch politische Kompromisse zu verwässern oder mit untauglichen Lösungen für Selbstständige zu belasten.

Für BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister setzen die Kommissionsmitglieder an den entscheidenden Stellschrauben an. „Die Kommission gibt wichtige Impulse. Die Abschaffung der Rente mit 63, die Stärkung des Nachhaltigkeitsfaktors und die weitere Öffnung für kapitalgedeckte Elemente in der gesetzlichen Rentenversicherung gehen grundsätzlich in die richtige Richtung“, erklärte er in Berlin. Nun komme es darauf an, die zentralen Vorschläge konsequent umzusetzen, „und die Reform nicht in politischen Detaildebatten zu zerreden“.

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Dass die Demografie das System unter wachsenden Druck setzt, ist für den Verband längst kein abstrakter Befund mehr, sondern Alltag in den Betrieben. Die Ankündigungen von Bundeskanzler und Bundesarbeitsministerin bewertet der BFB daher positiv – warnt aber zugleich vor überzogenen Hoffnungen. Selbst die ambitionierteste Reform werde die strukturellen Lasten nicht im Alleingang schultern können. Hofmeister findet dafür ein drastisches Bild: „Mit Blick auf die demografischen Entwicklungen versuchen wir derzeit, ein Feuer mit Wasserflaschen zu löschen.“

Besonders sensibel reagiert der Verband auf die Debatte um die Altersvorsorge der Selbstständigen. Rund 40 Prozent dieser Gruppe sind Freiberuflerinnen und Freiberufler, viele von ihnen längst über die berufsständischen Versorgungswerke abgesichert. Eine pauschale Überführung aller bislang nicht obligatorisch versicherten Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung lehnt der BFB deshalb klar ab. Dass die Kommission den Vertrauensschutz für bestehende Vorsorgelösungen ausdrücklich anerkenne und die Bedeutung einer mehrsäuligen Altersvorsorge betone, sei ein erfreuliches Signal.

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Deutlich kritischer fällt das Urteil zu den Plänen für Minijobs aus. Sollen diese ihren Sonderstatus verlieren, käme das aus Sicht des Verbandes einer faktischen Abschaffung gleich – mit unmittelbaren Folgen für kleine und mittelständische Betriebe. „Auch wenn der Vorschlag ordnungspolitisch gut begründet ist, müssen die Auswirkungen auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen im Vorfeld abgewogen werden“, betont Hofmeister. Gerade in den Praxen, Kanzleien und Werkstätten der Freien Berufe seien geringfügige Beschäftigungsverhältnisse oft unverzichtbar.

Die Verantwortung für die nächsten Schritte sieht der BFB nun klar bei der Politik. Eine tragfähige Reform müsse stärker auf Kapitaldeckung setzen, längere Erwerbsbiografien ermöglichen, verlässliche Rahmenbedingungen für Selbstständige schaffen und funktionierende Vorsorgesysteme schützen. „Die Koalition muss jetzt den Mut haben, tragfähige Entscheidungen zu treffen. Dabei dürfen weder die junge Generation noch die Selbstständigen aus dem Blick geraten“, fordert Hofmeister. Die Freien Berufe, die nach Verbandsangaben rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen und knapp 4,8 Millionen Beschäftigte zählen, verdienten eine Rentenpolitik, die auf Vernunft, Generationengerechtigkeit und Vertrauen baue.

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