Symbolbild - Auf der Baustelle - Bild: wal_172619
Anzeige

Trotz Konjunkturflaute genießt die Bauwirtschaft in der deutschen Bevölkerung weiterhin hohes Ansehen. Zwei von drei Menschen zählen die Branche zu den fünf wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes. Das geht aus einer aktuellen Allensbach-Studie hervor, die der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in Auftrag gegeben hat und die unter dem Titel „Zukunftsbranche Bau: Wahrnehmung und Perspektiven“ erschienen ist.

Die schwächelnde wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre hat allerdings Spuren hinterlassen. Im direkten Vergleich büßte der Bau etwas an Zustimmung ein: Lag die Branche 2024 noch bei 74 Prozent und damit auf Platz drei des Rankings, kommt sie nun auf 65 Prozent und rutscht auf Rang fünf. An die Spitze setzen sich weiterhin die Autohersteller, gefolgt vom Handwerk. Maschinenbau und Energieversorger konnten hingegen zulegen. Gemessen an früheren Jahren bleibt der Zuspruch für die Bauwirtschaft dennoch deutlich erhöht.

Anzeige

Für Olaf Demuth, Präsident des Hauptverbandes, ist die Botschaft eindeutig. „Der Bau ist aus Sicht der Bevölkerung eine der relevantesten Branchen und ein sicherer Arbeitgeber in schwierigen Zeiten“, sagt er. Zugleich warnt er vor einem Vertrauensverlust: Dass das Vertrauen in klassische Industrien schwinde, nennt er „alarmierend“. Von der Bundesregierung fordert er mehr Entschlossenheit bei der Umsetzung ihrer Reformprogramme und des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität, damit die Bauwirtschaft ihre Rolle als Motor der Binnenkonjunktur besser ausfüllen könne.

Die persönliche Betroffenheit vieler Menschen unterstreicht die Dringlichkeit. 35 Prozent der Befragten fühlen sich vom schlechten Zustand der Verkehrsinfrastruktur stark oder sehr stark belastet, nur 17 Prozent lässt das Thema kalt. Beim Wohnraummangel fällt die persönliche Betroffenheit auf den ersten Blick geringer aus: Elf Prozent sehen sich stark beeinträchtigt. Doch dieser Anteil steht hochgerechnet für mehr als neun Millionen Menschen, die fast ausschließlich in Ballungsräumen leben.

Anzeige

Bemerkenswert ist die tiefe Skepsis gegenüber Verbesserungen. Nur 16 Prozent rechnen mit spürbaren Fortschritten bei der Infrastruktur, beim Wohnungsangebot sind es sogar lediglich acht Prozent. Umgekehrt zweifeln knapp zwei Drittel daran, dass der Ausbau der Verkehrswege vorankommt, drei Viertel erwarten keine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt. Angesichts des beschlossenen Sondervermögens wiegt diese Ernüchterung besonders schwer.

Demuth sieht die Branche jedoch nicht allein in der Rolle des Mahners, sondern auch in der Pflicht. Im Gespräch mit der Zeitschrift Der Bauunternehmer plädiert er für mehr Ehrlichkeit und für ein modernes Bild des Berufsfeldes. „Wir stehen für flexible Arbeitszeitmodelle, industrielle Vorproduktion oder Drohnen, KI-Anwendungen, digitale Planungsmodelle – am Ende stehen aber immer Menschen auf der Baustelle und bauen“, sagt er. Genau diese Menschen gelte es zu gewinnen. Junge Nachwuchskräfte müssten immer wieder von der Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit des Bauens überzeugt werden. „Bauen ist ein Naturinstinkt, das müssen wir stärker vermitteln“, so der Verbandspräsident. Gefragt sei dabei jedes einzelne Unternehmen.

Anzeige
💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein