In der energiepolitischen Debatte um die Zukunft der Stromnetze sorgt ein neues Gesetzesvorhaben aus dem Bundeswirtschaftsministerium für Unruhe. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) warnt, das sogenannte Netzpaket könne den Ausbau von Wind-, Solar- und anderen Ökostromanlagen eher bremsen als beschleunigen – und damit den Fortschritt der Energiewende gefährden.
Der Verband hat den Referentenentwurf aus dem Ministerium in Berlin geprüft und kommt zu einem klar kritischen Urteil. Netzanschlüsse seien eines der zentralen Themen des Stromsystems, betont BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser. „Dass sich das BMWE diesem Thema jetzt annimmt, ist sinnvoll. Allerdings muss Politik Lösungen organisieren, statt bestehende Probleme zu zementieren“, erklärte sie am 10. Februar 2026. Erzeuger erneuerbarer Energien und Netzbetreiber bräuchten einen verlässlichen Handlungsrahmen, um den Umbau des Energiesystems zügig fortzusetzen.
Aus Sicht des BEE fehlen im Entwurf genau diese Grundlagen. Heinen-Esser verweist darauf, dass es klare Regeln brauche, um das bestehende Netz besser auszulasten, Engpässe zu verringern und die Digitalisierung sowie die technische Ertüchtigung der Netze zu beschleunigen. „Darauf gibt der Gesetzentwurf keine Antworten. Er schafft stattdessen neue Blockaden“, so die BEE-Präsidentin. Besonders kritisch sieht der Verband Eingriffe in den Einspeise- und Anschlussvorrang für erneuerbare Energien, der bislang ein Kernprinzip des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist.
Wer diesen Vorrang einschränke, greife die Grundsystematik des EEG an und gefährde Planungs- und Investitionssicherheit, warnt der Verband. Problematisch sei zudem, dass Verteilnetzbetreiber nach dem Entwurf eigene Verfahren zur Priorisierung von Netzanschlüssen entwickeln sollen. Ohne bundeseinheitliche Vorgaben könnten so bis zu 866 unterschiedliche Prozesse entstehen. Aus Sicht des BEE würde das eine neue Bürokratiewelle auslösen und Transparenz, Planbarkeit und Investitionssicherheit erheblich beeinträchtigen.
Ein weiterer Streitpunkt ist der geplante sogenannte Redispatch-Vorbehalt. In Regionen, in denen jährlich mehr als 3 Prozent des Stroms abgeregelt werden müssen, soll der Netzanschlussvorrang für erneuerbare Energien eingeschränkt werden können. Im Gegenzug sollen Betreiber neuer Anlagen ihre Entschädigungsansprüche bei Abregelungen für einen Zeitraum von 10 Jahren aufgeben. Nach Einschätzung des BEE macht diese Regelung Finanzierungen für neue Projekte zunichte. Hinzu komme, dass der 3-Prozent-Wert als Kennzahl zweifelhaft sei, weil die Bundesregierung selbst nicht klar benennen könne, in welchen Gebieten er überhaupt greife.
Heinen-Esser verweist auf Alternativen, um Strom aus erneuerbaren Quellen netzdienlicher zu nutzen. „Eine bessere und netzdienliche Nutzung von Strom aus Erneuerbaren lässt sich erreichen, indem Co-Locationspeicher angereizt und das Netz ausgebaut werden“, sagte sie. Der Entwurf setze hier zwar teilweise richtige Signale, lasse aber Anreize für eine echte Beschleunigung des Netzausbaus vollständig vermissen. „Diese Leerstellen müssen gefüllt werden“, fordert die BEE-Präsidentin.
Kritisch bewertet der Verband auch die vorgesehenen digitalen Instrumente. Ansätze wie gemeinsame Internetplattformen für Netzanschlussbegehren, transparentere Verfahren, die Offenlegung von Netzanschlusskapazitäten sowie neue Mitteilungs- und Informationspflichten seien grundsätzlich sinnvoll. Ohne klare Sanktionen bei Verstößen blieben diese Regelungen jedoch „ein stumpfes Schwert“. Schon heute liefen ähnliche Vorgaben häufig ins Leere, so die Einschätzung des BEE.
Am Ende zieht Heinen-Esser ein deutliches Fazit. Das Netzpaket in seiner aktuellen Form sei eher ein „Blockadewerk“ als ein Hilfsmittel für die Energiewende. „Es braucht sicher einen neuen Anlauf, um aus dem Blockadewerk ein Instrument werden zu lassen, dass die Netze als Ermöglicher der Energiewende ausgestaltet“, erklärte sie abschließend. Der Verband fordert damit Nachbesserungen, damit die Stromnetze tatsächlich zu einem Treiber und nicht zu einem Hindernis der Energiewende werden.




















