Wenn im Saarland in den kommenden Tagen wieder geschunkelt und gefeiert wird, steht für viele der Höhepunkt der närrischen Session an. Zwischen Umzügen, Partys und Musik rückt jedoch ein Thema in den Fokus, das auf den ersten Blick unsichtbar bleibt: die Gefahr durch K.O.-Tropfen. Das saarländische Sozialministerium und die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) „Kommunale Frauenbeauftragte“ nutzen die Faschingstage, um mit der Kampagne „Mich kriegst du nicht KO! – Gemeinsam stark gegen K.O.-Tropfen“ auf Risiken und Hilfsangebote aufmerksam zu machen.
„Wir wünschen den Saarländerinnen und Saarländern sowie allen Gästen von Außerhalb fröhliche Faschingstage. Bleiben Sie dennoch wachsam, wenn Ihnen offene Getränke angeboten werden und achten Sie auch auf Freundinnen, Freunde und Bekannte. Getreu dem Kampagnen-Motto sind wir gemeinsam stark gegen K.O.-Tropfen!“, betont die Frauenstaatssekretärin Bettina Altesleben. Die Aktion soll deutlich machen, dass ausgelassenes Feiern und Aufmerksamkeit füreinander zusammengehören.
K.O.-Tropfen gelten als besonders heimtückisch, weil sie in Mischgetränken kaum zu schmecken oder zu riechen sind. Die Substanzen machen manipulierbar und wehrlos und werden mitunter gezielt eingesetzt, um Sexualstraftaten zu begehen. Häufig betroffen sind junge Menschen, vor allem Mädchen und junge Frauen. Die Mittel werden unbemerkt ins Glas gegeben – von Fremden, aber auch von Personen aus dem privaten oder beruflichen Umfeld. Viele Betroffene können sich später nur bruchstückhaft erinnern, was geschehen ist.
Nach Angaben des Ministeriums ist die Unsicherheit groß: Ein erheblicher Teil der Menschen, die K.O.-Tropfen ausgesetzt waren, nimmt aus Scham oder Zweifel keine Hilfe in Anspruch. Erinnerungslücken führen dazu, dass Betroffene selbst an ihren Erlebnissen zweifeln, oft wird ihnen zudem ein zu hoher Alkoholkonsum unterstellt. „Es ist erschreckend, wie viele Menschen mit K.O.-Tropfen schon Erfahrung gemacht haben. Deshalb wird die LAG ‚Kommunale Frauenbeauftragte‘ weiter zu diesem Thema präsent sein, um zu sensibilisieren“, so Margret Schmidt, eine der Sprecherinnen der LAG „Kommunale Frauenbeauftragte“.
Während der Faschingstage sind Aktionsteams der LAG in mehreren saarländischen Städten und Gemeinden unterwegs. Sie verteilen Informationsmaterial und suchen das Gespräch mit Feiernden. Am Donnerstag, 12.02.2026, steht die Landeshauptstadt Saarbrücken auf dem Programm, dort beginnt die Aktion ab 14.30 Uhr im Innenhof des Rathauses. Am Freitag, 13.02.2026, folgen Einsätze in Saarlouis in der Altstadt ab 13 Uhr sowie in Püttlingen bei der Ü60-Party in der Stadthalle ab 20 Uhr. Am Samstag, 14.02.2026, informieren die Teams beim Faschingsumzug in Merzig ab 15.11 Uhr. In Homburg ist die Kampagne am Rosenmontag, 16.02.2026, präsent – ab 11.11 Uhr bei der Rosenmontagsparty auf dem Marktplatz.
Besteht der Verdacht, dass jemand K.O.-Tropfen verabreicht bekommen hat, ist ärztliche Hilfe notwendig. Hinweise auf eine mögliche Intoxikation sind unter anderem ein enthemmtes Verhalten, Verwirrtheit, Wahrnehmungsschwierigkeiten oder Willenlosigkeit. Bei einer Überdosierung oder in Verbindung mit Alkohol drohen schwere gesundheitliche Folgen bis hin zum Tod. Die Substanzen sind bis zu 12 Stunden im Urin und bis zu 6 Stunden im Blut nachweisbar.
Opfern sexueller Gewalt wird dringend zu einer medizinischen Untersuchung geraten. Wer unmittelbar nach einer Tat noch unsicher ist, ob eine Anzeige erstattet werden soll, kann das Angebot der vertraulichen Spurensicherung nutzen. Weitere Informationen dazu sind unter www.spuren-sichern.de zu finden.
Die Informationskampagne rund um die Faschingstage soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die Gefahren von K.O.-Tropfen zu schärfen, Betroffene zu ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, und das Thema im öffentlichen Raum sichtbar zu machen – gerade dort, wo gefeiert wird.


















