Bild: Bill Titze

Einen Sektempfang gab es dieses Mal zwar keinen, aber immerhin: Der traditionelle Brezelempfang im Homburger Rathaus konnte in diesem Jahr endlich wieder stattfinden. Dazu hatte die saarländische Bäckerinnung nicht nur leckere Neujahrsbrezeln mitgebracht, sondern auch ernste Worte zu den aktuellen Entwicklungen in der Branche.

Beim Bäcker gibt es nicht nur zumeist ausgezeichnete Backwaren. Nein, Bäckereien dienen auch oft als gesellschaftlicher Treffpunkt, wo man Bekannten über den Weg läuft, ein Schwätzchen hält und sich über den neuesten Klatsch und Tratsch im Dorf oder im Stadtteil austauscht. „In den Orten, wo die Bäckereien schließen, leidet direkt das gemeinschaftliche Leben darunter“, fasste Bürgermeister Michael Forster beim diesjährigen Brezelempfang die übergreifende Bedeutung von Bäckereien zusammen.

Tatsächlich sind es nicht nur die kleinen Ortschaften, aus denen die inhabergeführten Bäckereien immer mehr verschwinden. Auch in Homburg gibt es nicht mehr allzu viele davon. Problem wie in so vielen Handwerksbranchen: der Fachkräftemangel. Oft ist es für die Bäcker nicht einfach, Nachfolger für ihren Betrieb zu finden. Im vergangenen Jahr gab es im Saarland vier Bäckereien ohne Nachfolge. Rund 150 Bäckereien gibt es im Land noch.

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Immerhin ist die Zahl der Auszubildenden im Vergleich zum Jahr 2020 stabil geblieben. Weiterhin gibt es 52 Bäcker-Auszubildende, auch bei den Verkäufern ist die Zahl mit rund 100 Azubis auf ähnlichem Stand geblieben. Keine akute Gefahr also im Moment für die Bäckerzunft im Saarland. Dafür gibt es aber andere drängende Probleme, wie der Innungsmeister der Saarländischen Bäckerinnung, Jörg Kleinbauer, beim Brezelempfang ausführte.

„Wegen Corona läuft derzeit alles mit angezogener Handbremse. Wir kommen damit zwar zurecht, aber gerade bei den vielen verschiedenen Regelungen blickt keiner mehr durch.“ Gerade für diejenigen Betriebe, bei denen es noch die Möglichkeit gibt, einen Kaffee zu trinken, sei die Lage schwierig. Und das sind nicht wenige, schließlich ist man laut Kleinbauer bei den Bäckereien gerade voll dabei, sich an neue Entwicklungen anzupassen.

Erschwert wird das jedoch nicht nur durch Corona und den Fachkräftemangel. Auch die steigenden Rohstoffpreise seien ein großes Problem. „Wir hatten im letzten Jahr drei Mehlpreiserhöhungen. Das habe ich noch nie erlebt“, so der Innungsmeister. Dennoch unterstreicht Kleinbauer, dass man „kaum irgendwo so viel Essen für so wenig Geld bekommt, wie in den Bäckereien.“

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Voll des Lobes für die Zunft waren die politischen Vertreter beim Empfang. „Sie sind Menschen, die eine sehr wertvolle Dienstleistung in unserer Gemeinschaft erbringen, schließlich ist Brot ein Grundnahrungsmittel“, erklärte Landrat Theophil Gallo. Und auch Bürgermeister Forster freute sich über die Gelegenheit, den Brezelempfang in diesem Jahr wieder ausrichten zu können, nachdem dieser 2021 aufgrund der Pandemie abgesagt werden musste. „Der Empfang findet zum nun schon zum 56. Mal statt und ist eine schöne Tradition. Er zeigt, wie eng die Beziehungen zum Bäckerhandwerk in Homburg ist.“

Als Beispiel für dieses besondere Verhältnis führte Forster den traditionellen Brotmarkt an, der 2023 wieder stattfinden soll. Bereits in diesem Sommer steht ein anderer Höhepunkt auf dem Programm. Zusammen mit der Kreissparkasse Saarpfalz organisiert die Saarländische Bäckerinnung wieder die beliebte Veranstaltung „Brot und Wein“, bei der es in der Innenstadt allerhand zu genießen gibt. „Da freuen wir uns schon richtig drauf, das ist für uns wie Straßenwahlkampf“, so Innungsmeister Kleinbauer mit einem Lachen. Schließlich könnte ja der ein oder andere für das Bäckerhandwerk gewonnen werden. Insgesamt sieht Kleinbauer die Zukunft der Bäckerbranche denn auch nicht allzu schwarz: „Aussterben werden wir nicht.“

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