Michael Braun und Christine Lambert von den Psychosozialen Projekten Saarpfalz stellten vielfältige Angebote vor. Bild: Bill Titze

Selten standen Gesundheitsfragen gesamtgesellschaftlich so im Fokus wie in diesen Tagen. Da passt es gut, dass der Aktionstag „Homburg lebt gesund“ nach der Absage im vergangenen Jahr nun wieder stattfinden konnte. An den zahlreichen Infoständen auf dem Christian-Weber-Platz konnten sich die Bürger über alles Mögliche rund um das Thema beraten lassen. Dabei spielten natürlich auch die Auswirkungen der Pandemie eine große Rolle.

Ein sonnenüberfluteter Christian-Weber-Platz, Tanz, Musik und die Möglichkeit, einmal eine Feuerwehrdrehleiter auszuprobieren – im Grunde deutete am Samstag auf den ersten Blick nicht viel darauf hin, dass es um ein wirklich ernstes Thema geht. Und doch musste man gar nicht unbedingt an einen der vielen bunten Infostände treten, um einmal mehr zu begreifen, wie die Gesundheit unser aller Leben beeinflussen kann.

Denn anders als in vergangenen Jahren war der Aktionstag „Homburg lebt gesund“, der von der Stadt organisiert wird, sichtbar eingegrenzt. Rot-weißes Flatterband war um den Platz gespannt, am Eingang musste man die Kontaktdaten angeben. Dazu kamen schließlich noch die grünen Chips, mit denen die Zahl der Gäste überwacht wurde. Das alles natürlich aufgrund der zahlreichen Regelungen rund um die Corona-Pandemie.

Die Tanzgruppe „Souvenir“ sorgte bei strahlendem Sonnenschein für gute Stimmung. Bild: Bill Titze

„Leider haben wir dieses Jahr nur einen kleinen Ausschnitt aller Möglichkeiten, da uns die Pandemie einschränkt“, so Organisatorin Christine Becker, Zweite Beigeordnete der Stadt. „Aber wir sind guter Hoffnung, dass es ab jetzt jedes Jahr wieder mehr werden kann.“ Die Auswirkungen der Pandemie auf solche Veranstaltungen sind das Eine. Viel gravierender sind natürlich die Effekte auf die Menschen an sich. Wobei beides auf gewisse Art miteinander zusammenhängt.

Stichwort Einsamkeit. „Der Leidensdruck bei den Menschen ist hoch“, sagt Michael Braun, Leiter des Tageszentrum für psychische Erkrankungen der Psychosozialen Projekte Saarpfalz, die sich mit einem vielfältigen Angebot um rund 400 psychisch Erkrankte kümmern. „Betroffene Menschen mussten sehr stark leiden, weil viele Anlaufstellen nicht mehr da waren.“ Das galt bis zu einem gewissen Grad auch für die Angebote der psychosozialen Projekte, denen durch Kontaktbeschränkungen und Hygienekonzepte ebenfalls Grenzen in der Betreuung gesetzt waren.

Frank Lessel und Karina Klar-Reinert von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland setzten während der Pandemie auf Online-Angebote. Bild: Bill Titze

Ähnlich ging es auch der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland, wie deren Pressesprecher Frank Lessel im HOMBURG1-Gespräch verrät. Auch hier sei der Bedarf nach Betreuung gewachsen. Und hier auch hier erschwerten die Kontaktbeschränkungen physische Treffen. Doch die Stelle wurde kreativ und so kann Lessel der Pandemie sogar etwas Positives abgewinnen. „Wir haben Online-Gesprächsrunden angeboten. Das hatte zur Folge, dass Menschen dazugekommen sind, die vorher aufgrund der Hemmschwelle gar nicht in eine Präsensgruppe gekommen wären.“ So hätten sogar Menschen aus dem europäischen Ausland an Sitzungen teilgenommen. „Es hat also nicht mehr der Ort gezählt, sondern das Thema und das hat uns schon gefreut.“

Die psychische Gesundheit in der Corona-Pandemie ist das eine, aber wie sieht es eigentlich mit dem körperlichen Wohlbefinden aus? Schließlich mussten auch Sportvereine oder Fitnessstudios ihr Angebot stark einschränken. Betroffen war auch das Homburger Studio „Lady Fitness“, das lange Zeit seine Pforten schließen musste. Dessen Mitarbeiterin Angela Morreale weiß ebenfalls von spürbaren Konsequenzen der Pandemie zu berichten. „Das hat man bei unseren Kundinnen schon gemerkt. Als sie nach der Schließung wieder zu uns gekommen sind, waren sie körperlich sehr unfit und mussten sich wieder hochschaffen.“ Online-Kurse, wie sie regelmäßig vom „Lady Fitness“ angeboten wurden, haben also offenbar nicht bei jedem den gleichen Effekt wie das Training vor Ort.

Angela Morreale vom Homburger Fitnessstudio „Lady Fitness“ beobachtete Auswirkungen der Corona-Beschränkungen auf die körperliche Gesundheit ihrer Kundinnen. Bild: Bill Titze

Zumindest in Ansätzen konnte man das Training auf dem Christian-Weber-Platz nachholen. Neben den Infoständen standen nämlich auch Sportangebote zur Verfügung. Abgerundet wurde das Programm durch die Rope-Skipper des TV Kübelberg und die Tanzgruppe „Souvenir“ die ordentlich Beifall für ihren stimmungsvollen Auftritt einheimste. Bürgermeister Michael Forster meinte mit Sicherheit auch solche Momente, als er zur Eröffnung sagte: „Es ist wichtig, dass wir solche Veranstaltungen wieder stattfinden lassen, damit die Leute auch sehen, dass es wieder weiter geht mit dem gesellschaftlichen Leben.“ Je nach Lage im kommenden Jahr vielleicht sogar wieder ohne Absperrungen und Angabe von Kontaktdaten.

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