Wenn am 14. September in Baden-Württemberg mehr als 100.000 Erstklässlerinnen und Erstklässler zum ersten Mal ihre Schulranzen schultern, beginnt für viele von ihnen zugleich eine ganz neue Herausforderung: der tägliche Weg durch den Straßenverkehr. Genau hier sieht der ADAC Nordbaden erheblichen Handlungsbedarf und rät Eltern, diesen Weg schon vor dem ersten Schultag mehrfach gemeinsam mit ihren Kindern zu gehen.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes untermauern die Dringlichkeit. Laut der Unfallstatistik 2025 für Kinder und Jugendliche stieg die Zahl der verunglückten Kinder gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent. Besonders gefährdet sind die 6- bis 14-Jährigen an Wochentagen zwischen 7 und 8 Uhr – also exakt in jenem Zeitfenster, in dem sich der Berufsverkehr und der Weg zur Schule überschneiden.
Deshalb empfiehlt der Automobilclub, den Schulweg möglichst zu genau der Uhrzeit zu üben, zu der das Kind später tatsächlich unterwegs sein wird. Eltern sollten dabei auf Ampeln, Zebrastreifen, Schülerlotsen und andere sichere Querungsstellen aufmerksam machen und gezielt besprechen, wo besondere Vorsicht geboten ist. Nicht die kürzeste Strecke sei die beste, sondern jene mit den wenigsten Gefahrenquellen. Als besonders wirkungsvoll gilt ein Rollentausch, bei dem das Kind die Eltern führt und selbst erklärt, worauf es an den kritischen Stellen achten muss.
Grundsätzlich plädiert der ADAC dafür, Kinder zu Fuß gehen zu lassen, sobald sie den Weg sicher beherrschen. Das bringe Bewegung in den Alltag und fördere die Selbstständigkeit im Straßenverkehr. Fahrten mit dem sogenannten Elterntaxi bis unmittelbar vor das Schultor hingegen führten häufig zu gefährlichen Situationen und Verkehrschaos. Wer sein Kind zunächst nicht allein losschicken möchte, kann auf einen „Laufbus“ setzen: Mehrere Kinder treffen sich an festen Punkten und gehen gemeinsam zur Schule, in der Anfangszeit begleitet von Erwachsenen.
Dass Kinder im Verkehr besonderen Schutz brauchen, hat handfeste Gründe. Sie schätzen Situationen schlechter ein als Erwachsene, lassen sich leichter ablenken und benötigen mehr Zeit, um eine Straße zu überqueren. Hinzu kommt ihr eingeschränktes Sichtfeld, das seitlich herannahende Fahrzeuge oft zu spät erkennen lässt. Auch Geräusche und deren Richtung können sie schwerer einordnen. Umso mehr appelliert der Club an alle Autofahrer, im Umfeld von Schulen aufmerksam und rücksichtsvoll zu fahren.
Unterstützung bietet der ADAC Nordbaden auch direkt in den Schulen. Zu den kostenlosen Verkehrserziehungsprogrammen zählen „Achtung Auto“ und „Aufgepasst mit ADACUS“, beide im Auftrag der ADAC Stiftung, sowie „Der Tote Winkel“. Ergänzend liegt in der Geschäftsstelle in der Karlsruher Steinhäuserstraße 22 ein Schulweg-Ratgeber bereit, der auf Wunsch auch per Post verschickt wird oder online zum Download steht. Fragen zu den Angeboten beantwortet Verkehrspädagogin Saskia Schmitt unter der Telefonnummer 0721 810 41 65.



















