Der Wille ist da, doch oft fehlt der Mut zum Handeln: Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland wäre bereit, im Notfall einzugreifen und einen Menschen wiederzubeleben. Was vielen jedoch fehlt, ist die Sicherheit, im entscheidenden Moment auch das Richtige zu tun. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle „Monitor Reanimation“ der ADAC Stiftung, dessen Zahlen pünktlich zur bundesweiten „Woche der Wiederbelebung“ vorliegen.
Diese Aktionswoche, die vom 21. bis 27. September zum 15. Mal seit 2012 stattfindet, hat ein klares Ziel: Fachorganisationen der Notfallmedizin wollen Ängste abbauen und Menschen ermutigen, bei einem plötzlichen Herzstillstand als Ersthelfende einzuspringen. Der Anlass ist ernst. Jährlich erleiden rund 130.000 Menschen außerhalb einer Klinik einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Bis der Rettungsdienst eintrifft, sind es meist Angehörige, Freunde oder Nachbarn, in deren Händen ein Menschenleben liegt.
Knapp zwei Drittel der Befragten würden nach eigenen Angaben sofort mit einer Reanimation beginnen. Viele treibt allerdings die Sorge um, durch falsches Handeln zusätzlichen Schaden anzurichten. Genau an diesem Punkt könnte die telefonische Anleitung durch die Rettungsleitstelle den Ausschlag geben. Wird diese Unterstützung in Aussicht gestellt, steigt die Bereitschaft der Befragten sprunghaft von 64 auf 83 Prozent. Flächendeckend angeboten wird sie in Deutschland bislang jedoch nicht, weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausfallen.
„Die Ergebnisse machen Mut“, sagt Christina Tillmann, Vorständin der ADAC Stiftung. „Immer mehr Menschen in Deutschland trauen sich zu, im Notfall zu reanimieren. Immer mehr wollen ihre Kenntnisse auffrischen. Wir setzen uns dafür ein, möglichst viele Menschen handlungssicher zu machen, damit Überleben nicht vom Zufall abhängt.“ Tatsächlich wächst die Lernbereitschaft: 44 Prozent möchten wieder einen Erste-Hilfe-Kurs belegen, drei Viertel davon spätestens im kommenden Jahr. Der Anteil derer, die dazu „sehr gerne“ bereit sind, kletterte binnen eines Jahres von 20 auf 27 Prozent.
Besonderes Augenmerk legt die Studie auf die Generation Ü60. Sie gilt statistisch als am stärksten gefährdet, einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu erleiden, und wird dadurch überdurchschnittlich häufig selbst zur potenziellen Ersthelferin oder zum Ersthelfer. Doch gerade hier klaffen Lücken: Nur 27 Prozent dieser Altersgruppe haben in den vergangenen zehn Jahren ein Reanimationstraining absolviert, und lediglich 23 Prozent geben an zu wissen, wann überhaupt reanimiert werden muss. Eine Verankerung des Themas im Schulunterricht ab Klasse 7 befürworten 82 Prozent aller Befragten – umgesetzt haben das bislang nur sechs Bundesländer.
Hoffnung setzen Fachleute zudem auf app-basierte Ersthelfer-Netzwerke. Geht ein Notruf in einer Leitstelle ein, wird nicht nur der Rettungsdienst losgeschickt, sondern parallel per App eine registrierte Person in unmittelbarer Nähe alarmiert. Nach Angaben der Betreiber ist so im Schnitt bereits nach 4 Minuten jemand vor Ort – deutlich schneller als die durchschnittlich 7 Minuten bis zum Eintreffen professioneller Kräfte, im ländlichen Raum sogar erheblich länger. Bekannt ist das Konzept bislang kaum: Nicht einmal jeder Fünfte kennt es. Bei rund 185.000 bundesweiten Registrierungen dürfte das Potenzial dieser Netzwerke noch lange nicht ausgeschöpft sein.




















