Europas größter Verein wächst weiter – und muss seine Mitglieder dennoch zur Kasse bitten. Auf der Hauptversammlung in Speyer haben rund 240 Delegierte des ADAC nicht nur einen neuen Mitgliederrekord verkündet, sondern auch eine spürbare Beitragserhöhung beschlossen. Erstmals seit mehr als sechs Jahren werden die Preise zum 1. Januar 2027 angehoben.
Die Bilanz, die ADAC-Präsident Christian Reinicke vorlegte, liest sich zunächst beeindruckend: Rund 490.000 neue Mitglieder kamen im vergangenen Jahr hinzu, sodass der Club Ende 2025 auf 22,7 Millionen Mitglieder zählte. Für Reinicke ist dieser Zuwachs ein klares Signal. Gerade in unsicheren Zeiten suchten die Menschen nach Verlässlichkeit, betonte er vor den Delegierten – und versprach, dass es trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage keine Abstriche bei Leistung und Qualität geben werde.
Die schiere Größenordnung der Kernleistung des Clubs verdeutlicht die Zahlen aus dem Pannenhilfe-Alltag: Alle neun Sekunden wurde im vergangenen Jahr irgendwo in Deutschland ein Gelber Engel gerufen, in der Summe mehr als 3,7 Millionen Mal. Auch für das laufende Jahr 2026 rechnet der Verein mit einer ähnlich hohen Nachfrage.
Doch genau diese flächendeckende Hilfe hat ihren Preis – und der ist deutlich gestiegen. Energie, Personal, Ersatzteile, Abschleppfahrten und Werkstattleistungen verteuerten sich erheblich. Das Resultat: Der ADAC schloss das Geschäftsjahr 2025 mit einem Minus von 17 Millionen Euro ab. Um diesen Trend zu stoppen, ohne an der Servicequalität zu rütteln, beschlossen die Delegierten die Beitragsanpassung. Je nach Mitgliedschaftsmodell zahlen Einzelmitglieder ab 2027 zwischen 10 und 35 Euro mehr pro Jahr. Im Gegenzug sollen Leistungen ausgebaut und etwa die Obergrenzen beim Abschleppen angehoben werden.
Parallel arbeitet der Club daran, sich breiter aufzustellen. Über die klassische Mobilität hinaus rücken Themen wie Vorsorge, Gesundheit und Dienstleistungen rund ums Zuhause in den Fokus. Ein Beispiel dafür, dass diese Strategie aufgehen kann, ist der bereits etablierte ADAC Schlüsselnotdienst.
Personell wurde in Speyer ebenfalls eine wichtige Weiche gestellt. Neuer Verkehrspräsident ist Prof. Dr. Peter König, Professor für Fahrzeugtechnik an der Hochschule Trier. Der 57-Jährige engagiert sich seit Jahren im Regionalclub Mittelrhein als ehrenamtlicher Vorstand für Verkehr und Technik. Sein Profil: ausgewiesener Fachmann für Verkehrssicherheit, Verfechter bezahlbarer Mobilität und überzeugter Anhänger der Technologieoffenheit.
Reinicke fasste den Anspruch des Verbandes in Speyer in ein klares Bekenntnis: „In einer Welt voller Umbrüche und Unsicherheiten bleibt der ADAC das, was seine Mitglieder von ihm erwarten: ein verlässlicher Partner, ein unabhängiger Ratgeber und ein Sicherheitsanker – für immer mehr Menschen und auch über den Bereich der Mobilität hinaus.“ Die Delegierten quittierten die Worte mit kräftigem Applaus – und damit auch die Botschaft, dass Wachstum und Stabilität für den Club zusammengehören.





















