So viele Berufstätige wie nie zuvor haben sich im vergangenen Jahr wegen einer Grippe krankschreiben lassen. Darauf macht die KKH Kaufmännische Krankenkasse aufmerksam und ruft angesichts der beginnenden Grippesaison dazu auf, den Impfschutz nicht aufzuschieben. Besonders Menschen in Berufen mit vielen Kontakten trifft die Influenza immer wieder mit voller Wucht.
Die Zahlen der Kasse sprechen eine deutliche Sprache. Im vergangenen Jahr registrierte die KKH 13 Krankschreibungen und 93 Fehltage je 1.000 Mitglieder – beides Höchstwerte seit Beginn der Erhebung im Jahr 2019. Gegenüber damals, als lediglich sieben Fälle und 61 Fehltage gezählt wurden, bedeutet das einen Anstieg um rund 73 beziehungsweise gut 52 Prozent. Bundesweit summierte sich das bei den berufstätigen Versicherten auf etwa 8.100 Krankschreibungen und rund 58.100 ausgefallene Arbeitstage.
Wen es besonders erwischt, zeigt die Analyse ebenfalls. Vor allem Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung, in der Alten- und Krankenpflege, in der Kinderbetreuung, in der Lagerwirtschaft und im Verkauf waren betroffen. „Deshalb raten wir insbesondere Beschäftigten mit vielen persönlichen Begegnungen oder engem Kontakt zu besonders gefährdeten Menschen zu einer Grippeschutzimpfung“, betont KKH-Ärztin Dr. Nele Tempelhof. Als besonders schutzbedürftig gelten zudem Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen, Menschen über 60 Jahre, Schwangere sowie chronisch Kranke etwa mit Diabetes, Asthma oder Herzleiden.
Einen Aspekt dürften viele dabei übersehen. Die Impfung schützt nicht allein vor einem schweren Verlauf der Grippe selbst, sondern kann auch das Risiko für Herzinfarkte und andere Komplikationen des Herz-Kreislauf-Systems senken. „Das ist wissenschaftlich inzwischen gut belegt“, erläutert Dr. Tempelhof. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind trotz aller medizinischen Fortschritte nach wie vor die häufigste Todesursache.
Der Zusammenhang ist dabei durchaus einleuchtend. Bei einer Grippeinfektion reagiert das Immunsystem mit starken Entzündungen, die nicht nur die Atemwege, sondern auch Herz und Gefäße belasten. Ablagerungen können sich lösen, Blutgerinnsel entstehen – klassische Auslöser für Infarkte und Schlaganfälle. Neben den bekannten Säulen der Vorsorge wie Blutdrucksenkung, Lipidkontrolle und Diabetesmanagement komme die Impfung daher als eine Art vierte Säule der Herzinfarkt-Prävention ins Spiel, so die Ärztin.
Den besten Zeitpunkt für die Impfung sieht die KKH im Oktober oder November, da der Körper bis zu zwei Wochen braucht, um ausreichend Antikörper zu bilden. Doch auch wer sich später entscheidet, profitiert noch, denn die eigentliche Krankheitswelle rollt meist erst um den Jahreswechsel heran. Weil sich die Erreger ständig verändern, braucht es jedes Jahr einen neu angepassten Impfstoff.
Die Kosten der Influenza-Impfung übernimmt die KKH für alle Versicherten ab dem siebten Lebensmonat, unabhängig vom individuellen Risiko. Geimpft wird beim Hausarzt, beim Arbeitsmediziner, im Gesundheitsamt oder in Apotheken. Während eines fieberhaften Infekts rät Dr. Tempelhof allerdings ab und empfiehlt bei Vorerkrankungen oder Unsicherheiten vorab eine ärztliche Beratung.


















