Für die saarländischen Kommunen fällt die jüngste Steuerschätzung erfreulich aus, für den Landeshaushalt dagegen bleibt die Lage angespannt. Dieses geteilte Bild zeichnet die Oktober-Prognose, die den Städten und Gemeinden deutlich mehr Spielraum verspricht, während das Land weiterhin mit spürbaren Mindereinnahmen rechnen muss. Die wirtschaftlichen Aussichten haben sich zwar gegenüber dem Frühjahr verbessert, gemessen am geltenden Doppelhaushalt 2026/2027 reicht das jedoch nicht aus, um Entwarnung zu geben.
Finanzminister Jakob von Weizsäcker ordnet die Zahlen vorsichtig optimistisch ein. „Die deutsche Wirtschaft hat sich besser behauptet als im Frühjahr befürchtet. Vor allem die Exporte entwickeln sich dynamischer als erwartet“, erklärt er. Doch von einer echten Trendwende mag er nicht sprechen: „Im Moment zeichnet sich noch keine breite Erholung ab. Denn die wirtschaftliche Erholung in Deutschland steht noch auf einer schmalen Basis, zumal Investitionen und Konsum weiter schwächeln.“ Für das Land heiße das unterm Strich: weniger schlecht als erwartet, aber weiterhin fordernd.
Im Detail zeigt sich dieser Zwiespalt in den Zahlen. Gegenüber der Schätzung vom Mai 2026 werden für das laufende Jahr nochmals rund 23 Millionen Euro weniger steuerabhängige Einnahmen erwartet. Ab 2027 kehrt sich der Trend: Dann fällt die Prognose um etwa 24 Millionen Euro günstiger aus, für die Folgejahre bis 2030 ergeben sich Verbesserungen von rund 38, 67 und 72 Millionen Euro. Entscheidend für den Doppelhaushalt ist allerdings der Vergleich mit der Schätzung vom Oktober 2025, auf deren Basis der Etat beschlossen wurde. Hier summieren sich die Mindereinnahmen für 2026 auf knapp 120 Millionen Euro und für 2027 auf rund 24 Millionen Euro.
Verantwortlich für die verhaltene Einnahmeentwicklung des Landes sind vor allem die Grunderwerbsteuer und die Körperschaftsteuer. Hinzu kommt ein paradoxer Effekt: Weil die saarländischen Kommunen bei der Gewerbesteuer stärker zulegen als Gemeinden in anderen Bundesländern, sinken die Ausgleichszahlungen aus dem bundesstaatlichen Finanzausgleich an den Landeshaushalt. Was den Städten nützt, schmälert also die Landeskasse.
Für die Kommunen bleibt dennoch ein kräftiges Plus. Nach Abzug der Gewerbesteuerumlage dürfen die Städte und Gemeinden 2026 mit Steuereinnahmen von rund 1,48 Milliarden Euro rechnen, etwa 57 Millionen Euro mehr als noch im Mai veranschlagt. Für den Zeitraum 2026 bis 2030 addieren sich die zusätzlichen Erwartungen auf rund 327 Millionen Euro. Treiber ist die Gewerbesteuer, die teils von einer besseren Gewinnentwicklung, teils aber auch von Nachzahlungen für zurückliegende Jahre profitiert. Wie dauerhaft dieser Aufwärtstrend trägt, muss sich erst noch zeigen.
Getragen wird die Entwicklung von einer optimistischeren Bundesprognose. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumserwartung für 2026 von 0,5 auf 1,3 Prozent und für 2027 von 0,9 auf 1,1 Prozent angehoben, vor allem wegen der robusteren Exporte. Privater Konsum und Investitionen bleiben hingegen schwach, und auch am Arbeitsmarkt ist bislang keine Erholung erkennbar. Von Weizsäcker will diese zaghafte Bewegung verstetigen: „Wir wollen, dass aus der vorsichtigen Erholung ein nachhaltiger Aufschwung wird.“ Dafür investiere das Land weiter gezielt in Bildung, Wissenschaft und Infrastruktur, treibe die Digitalisierung voran und mache die Verwaltung leistungsfähiger. Die Ergebnisse fließen nun über einen Ergänzungsantrag in die weitere Beratung des Nachtragshaushalts 2026/2027 ein.




















