Update, 3. November, 17:14 Uhr: Markus Mendler hat seine Kandidatur für den Aufsichtsrat zurückgezogen. Der FC 08 Homburg bestätigte den Schritt gegenüber Homburg1. Als Grund nannte der Verein private Angelegenheiten, Näheres soll intern bleiben. Damit stehen am Mittwoch nur noch 13 Kandidaten für die neun Sitze zur Wahl. Hinweis der Redaktion: Der Originalbericht wurde an den entsprechenden Stellen korrigiert.
Originalbericht:
Morgen Abend haben die Mitglieder des FC 08 Homburg etwas in der Hand, das im Vereinsalltag selten ist: eine echte Wahl. Im Schlossberg Hotel stehen 13 Kandidaten für neun Sitze im Aufsichtsrat zur Wahl, acht Amtsinhaber wollen weitermachen. Wer abstimmt, entscheidet auch mit darüber, wie klar der Verein künftig sagt, wohin er will.
Sportlich pendelt der FCH seit Jahren zwischen Mittelfeld und erweitertem Spitzenfeld der Regionalliga. Mehrfach reichte es sogar für Rang vier. Nur war der Abstand zur Spitze meist so groß, dass die Grün-Weißen nie ernsthaft um die Meisterschaft mitspielten. Nach dem Wiederaufstieg 2018 blieb der nächste Entwicklungsschritt aus. Der FCH ist ein etablierter Regionalligist, aber keiner, der sich dauerhaft als Aufstiegskandidat positioniert hätte. Bei einem Teil der Anhänger sorgt das für Frust.
Dabei ist die Regionalliga Südwest hart, die finanziellen Möglichkeiten der Vereine liegen weit auseinander, und ein Aufstieg lässt sich weder planen noch garantieren. Ob Platz vier oder acht: Die Tabelle sagt allein wenig darüber, wie gut ein Verein arbeitet. Spannender ist, wohin sich der Club entwickelt hat und wohin er will. Denn ein Fußballverein ist mehr als seine erste Mannschaft. Welche sportliche und gesellschaftliche Rolle will der FCH in der Region spielen? Wie greifen Nachwuchsarbeit, Finanzen, Vereinsleben und die Bindung zu Fans und Mitgliedern ineinander? Und welche Identität prägt den Club, egal wer an der Seitenlinie steht?
Gearbeitet wird beim FCH, daran besteht kein Zweifel. Gerade wirtschaftlich schloss der Verein zuletzt wiederholt mit positiven Jahresergebnissen ab, die Nachwuchsarbeit wird weiterentwickelt und die Sanierung des Waldstadions ist angelaufen. Was öffentlich fehlt, ist das Dach darüber: Ein öffentlich erkennbares, übergreifendes Leitbild oder eine langfristige Strategie, an der sich die Vereinsentwicklung messen ließe, ist bislang nicht auszumachen. Nachvollziehbare (sportliche) Kriterien oder eine übergeordnete Fußballphilosophie, etwa für die Wahl des Cheftrainers oder bei der Kaderplanung, sind für Mitglieder und Fans ebenfalls nicht erkennbar.
Im Umfeld sorgt das immer wieder für Gespräche. Nicht jeder erwartet den Aufstieg in die 3. Liga, schon gar nicht unter den aktuellen sportlichen und wirtschaftlichen Bedingungen. Aber viele wünschen sich ein klareres Bild davon, wohin die Reise geht und woran man erkennt, dass der Verein vorankommt. Die Frage zielt weniger auf einzelne Ergebnisse als auf Orientierung.
Was der Aufsichtsrat entscheidet
Genau deshalb lohnt der Blick auf die Wahl. Der Aufsichtsrat ist beim FCH kein repräsentativer Kreis verdienter Mitglieder und Unterstützer. Die Satzung gibt ihm erhebliche Befugnisse: Er bestellt und überwacht den Vorstand, genehmigt den jährlichen Finanzplan und stellt mit seiner Zustimmung den Jahresabschluss fest. Einzelinvestitionen über 25.000 Euro, die nicht im genehmigten Finanzplan enthalten sind, brauchen seine Zustimmung mit Zweidrittelmehrheit. Und bei Verträgen mit Cheftrainer, Co-Trainer und Geschäftsführer, ob Abschluss oder vorzeitige Beendigung, muss er einbezogen werden.
Operativ führt der Vorstand, sportlich verantworten Trainer und Mannschaft. Den Aufsichtsrat für Tabellenplätze, Transfers oder einzelne Niederlagen verantwortlich zu machen, wäre deshalb falsch. Er bestimmt aber mit, unter welchen personellen, wirtschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen der Verein arbeitet. Als von den Mitgliedern gewähltes Gremium wäre er die Instanz, die Leitplanken für den Verein und dem Vorstand formulieren kann.
Vertraulichkeit gehört dazu: Bei Personalfragen, Verhandlungen und Finanzen darf ein Aufsichtsrat nicht alles öffentlich beraten, und dass die Mitglieder selten nach außen in Erscheinung treten, ist nicht unbedingt ein Zeichen mangelnder Arbeit. Die Geschäftsberichte des Gremiums beschränkten sich in der Vergangenheit allerdings häufig auf einen allgemeinen Überblick. Was das Gremium vom Vorstand erwartet, welche Ziele es verfolgt und woran es den Weg misst, wurde dabei nicht kommuniziert. Dafür muss niemand Interna preisgeben. Eine solche Orientierung muss auch nicht jedes Jahr neu erfunden werden, sollte aber über den nächsten Spieltag hinausreichen.
Wer zur Wahl steht
Bei der Mitgliederversammlung am Mittwoch, 4. November, wird das neunköpfige Gremium turnusmäßig für vier Jahre neu gewählt. 13 Kandidaten wurden fristgerecht vorgeschlagen, acht der neun bisherigen Aufsichtsräte treten erneut an. Nur der bisherige Vorsitzende Dieter Knicker steht nicht mehr zur Wahl. Dazu kommen sechs weitere Bewerber, darunter mit Uwe Freiler und Markus Mendler zwei frühere Homburger Fußballprofis. Die Kandidaten bringen berufliche Erfahrung aus Wirtschaft, Recht, Unternehmensberatung, Steuerwesen und weiteren Bereichen mit.
Kontinuität ist damit genauso möglich wie ein spürbarer Wechsel. Neue Gesichter bedeuten nicht automatisch neue Ideen, eine Wiederwahl nicht zwangsläufig ein „Weiter so“. Entscheidend ist, mit welchen Vorstellungen die neun Gewählten zusammenarbeiten. Aus ihrer Mitte bestimmen sie anschließend einen neuen Vorsitzenden und mindestens einen Stellvertreter. Laut Satzung ist die Arbeit ehrenamtlich, und das Gremium kann bis zu vier weitere Mitglieder ohne Stimmrecht aufnehmen.
Berichte, Ehrungen, Wahl
Bevor gewählt wird, stehen der Geschäftsbericht des bisherigen Aufsichtsrats samt Entlastung, Ehrungen langjähriger und verdienter Mitglieder und der Geschäftsbericht des Vorstands auf dem Programm. Fristgerechte Anträge von Mitgliedern liegen nicht vor. Die ursprünglich geplanten Satzungsänderungen werden diesmal nicht abgestimmt, sondern in einer späteren Versammlung gesondert behandelt.
Ob der FCH künftig stärker auf Nachwuchs, regionale Verwurzelung, eine neue sportliche Ausrichtung oder anderes setzt, entscheidet sich nicht an einem Abend. Aber sie bestimmt, wer in den kommenden vier Jahren die Vereinsführung kontrolliert, wichtige Entscheidungen begleitet und die Entwicklung des FCH mitprägt. Die Mitglieder haben es am Mittwoch in der Hand.
Diese 13 Kandidaten stehen zur Wahl
Thomas Breit – Leiter Qualitätsmanagement
Uwe Freiler – Ehemaliger Fußballprofi und FCH-Spieler, selbstständiger Handelsvertreter
Gunther Kawolus – Geschäftsführer Schilder Kawolus
Jörg Kühn – Rechtsanwalt
David Lindemann – Chef der Staatskanzlei des Saarlandes
Axel Müller – Unternehmensberater
Berthold Müller – Immobilienmakler
Jörg Panter – Unternehmensberater und Business Coach
Prof. Dr. Jochen Pilhofer – Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Professor für Betriebswirtschaftslehre
Gerd Schweitzer – Unternehmensberater
Altay Tsitak – Angestellter
Christian Weber – Geschäftsführender Gesellschafter der Karlsberg Brauerei KG Weber
Daniel Wlochowitz – Steuerberater und Geschäftsführer
Transparenzhinweis: Der Autor ist Mitglied des FC 08 Homburg und wirkt für den Verein am YouTube-Kanal, als Kommentator der Spielübertragungen bei LEAGUES sowie als Moderator des Halbzeitkicks mit.




















