Was geschah mit Menschen, die der Nationalsozialismus als „lebensunwert“ brandmarkte? Dieser Frage stellen sich bald Schülerinnen und Schüler im gesamten Saarland. Die Arbeitskammer des Saarlandes und das Ministerium für Bildung und Kultur zeigen vom 25. November bis 2. Dezember 2026 den Dokumentarfilm „Spuren nach Grafeneck“ in allen sechs Landkreisen – kostenfrei und mit anschließendem Gespräch.
Das Angebot richtet sich an Jugendliche ab der 9. Jahrgangsstufe. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Krankenmorden und mit der Frage, wie unsere Gesellschaft bis heute mit Menschen mit Behinderungen umgeht. Nach jeder Vorführung können die Jugendlichen mit den Regisseurinnen ins Gespräch kommen und eigene Gedanken einbringen.
Für Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer, ist das Erinnern dabei kein Blick zurück um seiner selbst willen. „Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist kein Selbstzweck. Sie fordert uns auf, auch heute genau hinzusehen, wo Menschen ausgegrenzt, abgewertet oder in ihrer Würde verletzt werden“, erklärt er. Demokratie und ein respektvolles Miteinander, so Otto, müssten immer wieder neu gelebt und verteidigt werden.
Ähnlich argumentiert Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot. Die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen zeige auf erschütternde Weise, wohin Ausgrenzung und die Abwertung menschlichen Lebens führen könnten. Wer sich mit diesen Verbrechen beschäftige, übernehme zugleich Verantwortung für die Gegenwart – denn Vorurteile, Diskriminierung und gesellschaftliche Barrieren seien längst nicht überwunden.
Der Film der beiden saarländischen Regisseurinnen Yvonne Lachmann und Nora Mazurek verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise. Er begleitet das inklusive Ensemble des Reutlinger Theaters „Die Tonne“ bei der Entwicklung eines Theaterstücks. Dessen Darstellerinnen und Darsteller nähern sich der Geschichte von Grafeneck an, jener Tötungsanstalt, in der die Nationalsozialisten allein im Jahr 1940 insgesamt 10.654 Menschen ermordeten.
Zugleich öffnet die Dokumentation den Blick auf das Heute. Sie fragt, wie Menschen mit Behinderungen gesellschaftliche Anerkennung erfahren, mit welchen Erwartungen sie konfrontiert sind und was die Beschäftigung mit der NS-Geschichte für ihr eigenes Leben bedeutet. Die anschließenden Filmgespräche geben den Schulklassen Raum, über historische Verantwortung, Inklusion und Zusammenhalt zu diskutieren.
Die Vorführungen beginnen jeweils um 9 Uhr, der Film dauert rund 90 Minuten. Los geht es am 25. November im Capitol Movie World in Saarlouis, wo Oberbürgermeister Marc Speicher ein Grußwort spricht. Weitere Stationen sind das Neue Theater St. Wendel (26. November), das Union Theater Illingen (27. November), das Regina Kino in St. Ingbert (30. November) und das Odeon Kinocenter in Merzig (1. Dezember).
Den Abschluss bildet am 2. Dezember das Kino 8 ½ in Saarbrücken. Dort begrüßt Ministerin Streichert-Clivot das Publikum persönlich, und mit Anne-Kathrin Killguss nimmt zusätzlich eine Schauspielerin und Protagonistin des Films am Gespräch teil. Interessierte Schulklassen ab der neunten Klasse können sich ab sofort anmelden. Weil die Plätze in den Kinos begrenzt sind, ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.




















