Rund 600 Stolpersteine erinnern im Saarland an Menschen, die während der NS-Herrschaft verfolgt, vertrieben, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden. Seit dem 2. November 2026 lassen sich ihre Lebensgeschichten über eine App abrufen. Das Saarland ist damit nach Schleswig-Holstein das zweite Bundesland, dessen sämtliche Stolpersteine in der Anwendung „Stolpersteine Digital“ erfasst sind.
Das Prinzip ist denkbar unkompliziert. Wer unterwegs auf einen der messingfarbenen Gedenksteine stößt, richtet die Handykamera darauf und erhält Informationen über die Person, an die der Stein erinnert. Ergänzend verweist die App auf weiterführende Literatur sowie auf die jeweiligen Arbeitsgemeinschaften und Initiativen vor Ort.
Besonders ist eine Gedenkfunktion, die auf Augmented Reality setzt. Nutzerinnen und Nutzer können eine virtuelle Kerze direkt am Stolperstein platzieren und diese mit einer persönlichen Botschaft und dem eigenen Namen versehen. So entsteht ein digitaler Ort des Innehaltens, unmittelbar dort, wo die Menschen einst zu Hause waren.
Initiiert wurde das bundesweite Projekt der Zentralen für politische Bildung von Dr. Christian Meyer-Heidemann, dem Landesbeauftragten für politische Bildung in Schleswig-Holstein. „Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal im Zusammenhang mit den Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus“, betonte er zum Start im Saarland. Mit der Ausweitung halte man die Erinnerung an die Lebens- und Leidensgeschichten der vielen Opfer in ganz Deutschland wach. Seinen Dank richtete er an die Bundeszentrale für politische Bildung für die finanzielle Förderung, an die saarländische Landeszentrale sowie an die ehrenamtlichen Initiativen im Land.
Dass alle seit 2007 verlegten Stolpersteine innerhalb von nur einem halben Jahr erfasst werden konnten, bezeichnete Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot als Kraftakt, der ohne ehrenamtliches Engagement nicht möglich gewesen wäre. „Hinter jedem Stolperstein steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, mit Hoffnungen und Träumen. Diese Menschen waren unsere Nachbarinnen und Nachbarn“, sagte sie. Die Steine gäben ihren Namen und Schicksalen wieder einen Platz im Alltag. Getragen werde diese Erinnerungsarbeit von Schulen, Geschichtswerkstätten, Historischen Vereinen und Jugendeinrichtungen, oft in enger Abstimmung mit Lokalhistorikern und Archiven.
Gerade für junge Menschen sieht die Ministerin in der App einen neuen Zugang zur Geschichte des eigenen Wohnorts. Daraus könnten Fragen, Gespräche und die Bereitschaft entstehen, selbst Verantwortung zu übernehmen. „Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben“, mahnte Streichert-Clivot. Unsere Demokratie lebe davon, dass die Würde jedes Menschen geschützt werde, und zwar jeden Tag.
Die App „Stolpersteine Digital“ steht kostenlos im App Store sowie im Google Play Store zum Download bereit.




















