Knapp sechs Monate vor der Landtagswahl hat sich das Stimmungsbild im Saarland deutlich verschoben. Im neuen Saarlandtrend, den infratest dimap im Auftrag des Saarländischen Rundfunks (SR) erhoben hat, kommt die SPD auf 33 Prozent. Die CDU fällt auf 20 Prozent, ihren schlechtesten Wert in dieser Umfragereihe, und liegt damit erstmals hinter der AfD. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger baut ihren Vorsprung aus.
Der Saarlandtrend wird im Auftrag des SR von infratest dimap durchgeführt, die Ergebnisse hat der SR am Mittwoch veröffentlicht. Gewählt wird am 18. April 2027, das Saarland macht dabei gemeinsam mit Schleswig-Holstein den Auftakt ins Wahljahr. Die Umfrage zeigt, wie sich die Lage seit dem letzten Saarlandtrend im Dezember 2025 verändert hat.
Für die CDU ist es der niedrigste Wert, der im Saarlandtrend je gemessen wurde. Im September 2024 lag sie noch bei 31 Prozent und war stärkste Kraft. Die AfD, die bei der Landtagswahl 2022 auf 5,7 Prozent kam, wäre trotz eines Minus von zwei Punkten zweitstärkste Kraft. Der Abstand zwischen AfD und CDU beträgt nur einen Prozentpunkt und liegt damit innerhalb der Schwankungsbreite der Umfrage.
Die Grünen, die 2022 knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten, würden mit neun Prozent in den Landtag einziehen, die Linke mit sechs Prozent ebenfalls. FDP und BSW blieben mit je drei Prozent darunter.
Rehlinger mit klarem Vorsprung
Auch bei den Personen liegt die Ministerpräsidentin nach den SR-Zahlen vorn. 62 Prozent der Befragten sind mit ihrer Arbeit zufrieden, sechs Punkte mehr als im Dezember. 31 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden. Der Rückhalt steigt mit dem Alter: Bei den 50- bis 64-Jährigen sind es 66 Prozent, ab 65 Jahren 70 Prozent. Bei den unter 35-Jährigen sind es 49 Prozent.
CDU-Spitzenkandidat Stephan Toscani kommt auf 29 Prozent Zufriedenheit (minus fünf), 42 Prozent sind unzufrieden. Auch bei ihm ist der Rückhalt unter Älteren (37 Prozent ab 65) deutlich größer als bei Jüngeren (17 Prozent bis 34). AfD-Landeschef Carsten Becker erreicht zehn Prozent, zwei Drittel der Befragten kennen ihn nicht oder wollen sich kein Urteil erlauben.
Bei einer hypothetischen Direktwahl würden 54 Prozent Rehlinger wählen, 15 Prozent Toscani und sechs Prozent Becker. Hypothetisch deshalb, weil der Ministerpräsident im Saarland nicht direkt von den Bürgern, sondern vom Landtag gewählt wird.
Koalitionen und „Brandmauer“
Eine Alleinregierung der SPD würde nach der Umfrage nicht reichen. Möglich wäre eine Große Koalition aus SPD und CDU. SPD und Grüne allein kämen nicht auf eine Mehrheit, ein Bündnis aus SPD, Linken und Grünen schon.
Zur Zusammenarbeit mit der AfD: 54 Prozent der Befragten finden es richtig, dass einige Parteien sie ausschließen, 41 Prozent sehen das anders. Die CDU schließt zusätzlich eine Kooperation mit der Linken aus. Das halten 57 Prozent für falsch, 33 Prozent unterstützen diesen Kurs. Unter CDU-Anhängern ist das Bild umgekehrt: 52 Prozent befürworten den Kurs ihrer Partei, 37 Prozent lehnen ihn ab.
SPD: „Guter Ausgangswert“
Zum Saarlandtrend hat die SPD ein Pressestatement veröffentlicht. Generalsekretär Esra Limbacher sagt darin: „Die Saar-SPD hat eine stabile eigene Stärke. Dieser Saarlandtrend ist für die SPD ein guter Ausgangswert für die kommenden Monate.“ Nach seiner Darstellung sei es der beste Umfragewert einer Bundesregierungspartei bundesweit nach der CSU, und Rehlinger sei in aktuellen Umfragen die beliebteste Ministerpräsidentin im Bund. Zugleich betont Limbacher: „Jede Umfrage ist jedoch eine Momentaufnahme.“ Die SPD wolle im Wahlkampf 2027 „intensiv um jede Stimme werben“.
Zur AfD sagt er, es sei „ein gutes Zeichen, dass die AfD auch wieder kleiner werden kann, auch wenn jeder Prozentpunkt an dieser Stelle zu viel ist“. Der CDU wirft er vor, sie rede „nur das Land schlecht, ohne eigene Ideen zu haben“.
CDU: „Können nicht zufrieden sein“
CDU-Generalsekretär Frank Wagner räumt in seinem Statement das schlechte Abschneiden offen ein: „Mit diesen Zahlen können wir nicht zufrieden sein.“ Der negative Bundestrend gehe auch an den Saar-Christdemokraten nicht spurlos vorbei, man nehme den Rückstand ernst. „Umfragen sind keine Wahlergebnisse, sondern Momentaufnahmen. Was zählt, ist das Ergebnis am Wahltag“, so Wagner. Ziel bleibe, stärkste Kraft zu werden und die nächste Landesregierung zu führen.
Das Regierungsprogramm will die Partei in rund zweieinhalb Wochen beim Landesparteitag verabschieden, mit Vorschlägen für eine „Wirtschaftswende“, einen „Neustart in der Bildung“ und „einen Staat, der wieder funktioniert“.
Außerdem macht Wagner eine Richtungsfrage auf: Rehlinger schließe in Berlin ein rot-rot-grünes Bündnis nicht aus, und wer das dort nicht tue, werde es nach seiner Einschätzung auch im Saarland tun, „wenn es dem Machterhalt dient“. Die CDU werde weder mit der AfD noch mit der Linken zusammenarbeiten. „Wer verhindern will, dass Linke oder AfD in die Landesregierung kommen, wählt am besten CDU.“
Er verweist auf die Sorgen der Menschen: Nach dem Saarlandtrend beurteilten über 80 Prozent die wirtschaftliche Lage negativ, Wirtschaft, Arbeitsplätze und Bildung stünden ganz oben auf der Liste der drängendsten Probleme. Nach vier Jahren SPD-Alleinregierung seien viele dieser Probleme weiter ungelöst. Bei wirtschaftlicher Entwicklung und Arbeitsplätzen liege das Saarland nach Wagners Darstellung im Bundesvergleich auf dem letzten Platz, in der Bildung gingen die Leistungen zurück. Er nennt außerdem den „SPD-NVG-Skandal in Neunkirchen“. Dass die CDU Wahlen auch gegen SPD-Amtsinhaber gewinnen könne, habe sie bei Bürgermeisterwahlen im ganzen Land gezeigt.
Grüne: „Kontinuierlicher Aufwärtstrend“
Bei den Grünen überwiegt die Zufriedenheit. Spitzenkandidatin Anne Lahoda erklärt: „Wir sind mit dem Ergebnis des Saarlandtrends sehr zufrieden. Wir konnten unsere Umfragewerte erneut steigern und sehen uns in einem kontinuierlichen Aufwärtstrend.“ Jetzt gehe es darum, „ein möglichst starkes Ergebnis zu erzielen“. Inhaltlich nennt sie eine nachhaltige Wirtschaftspolitik, sichere Arbeitsplätze und gute Bildung. Besonders freue die Partei die Kompetenzzuschreibung bei Umwelt und Energie.
Zur AfD sagt Lahoda: „Die AfD verliert zwei Prozentpunkte und liegt mit 21 Prozent trotzdem auf Platz zwei. Das ist alarmierend.“ Zugleich hält sie es für ein gutes Zeichen, dass nach der Umfrage eine Mehrheit den Ausschluss einer Zusammenarbeit mit der AfD richtig findet.
Linke: „Ergebnis ist zugleich Arbeitsauftrag“
Die Linke Saar sieht im Saarlandtrend eine Bestätigung ihrer Arbeit. Nach aktuellem Stand wäre ein erneuter Einzug in den Landtag sicher, so die Partei in ihrer Mitteilung zur Umfrage. Zugleich verstehe sie das Ergebnis als Auftrag, die politische Arbeit zu intensivieren und die Verankerung vor Ort auszubauen. In der Umfrage kommt die Linke auf sechs Prozent und damit knapp über die Fünf-Prozent-Hürde.
Florian Spaniol erklärt: „Es ist gut und wichtig, dass wir nach aktuellem Stand wieder sicher im Landtag vertreten wären. Angesichts der enormen Kampagne, die aktuell gegen Die Linke wegen Rotrotgrün in Berlin gefahren wird, ist das durchaus beachtlich.“ Das Ergebnis sei für die Partei aber kein Grund, sich zurückzulehnen: „Wir werden noch präsenter vor Ort sein, den direkten Austausch mit den Menschen noch verstärken und zeigen, dass wir konkrete Antworten auf die Alltagssorgen der großen Mehrheit haben.“
Inhaltlich setzt die Linke auf „ein bezahlbares Leben, sinkende Wohn- und Heizkosten sowie Schulen und Kitas, die nicht kaputtgespart werden, sondern alle mitnehmen“. Das seien die Fragen, die den Alltag der Menschen unmittelbar betreffen. Spaniol: „Wir sind die konsequente soziale Stimme im Saarland.“ Dafür wolle man das politische Angebot in den kommenden Monaten „noch stärker zu den Menschen an die Haustüren bringen“.
So wurde erhoben
Auftraggeber der Umfrage ist der Saarländische Rundfunk, durchgeführt hat sie infratest dimap. Befragt wurden vom 26. Oktober bis 1. November 1.269 Wahlberechtigte im Saarland, 675 per Telefon und 594 online. Die Schwankungsbreite liegt bei zwei Prozentpunkten bei einem Anteilswert von zehn Prozent und bei drei Punkten bei einem Wert von 50 Prozent. Eine Umfrage ist keine Prognose für den Wahltag, sie zeigt die Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung.
Quelle: Saarlandtrend von infratest dimap im Auftrag des Saarländischen Rundfunks (SR), veröffentlicht auf sr.de



















