Symbolbild
Anzeige

Der digitale Umbau des deutschen Gesundheitswesens nimmt Fahrt auf – doch aus Sicht der Pharmabranche entscheidet sich der Erfolg nicht am Gesetzestext, sondern in der konkreten Umsetzung. Anlässlich der Anhörung zum Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen hat sich Pharma Deutschland am Dienstag deutlich positioniert: Der Verband begrüßt die Stoßrichtung, warnt aber zugleich vor neuen Hürden, die den eigentlichen Nutzen zunichtemachen könnten.

„Das Gesetz ist ein erster Schritt“, sagt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. Damit es von Beginn an gelinge, müsse man verhindern, dass „neue Zugangshürden, ungleiche Spielregeln und Doppelstrukturen seinen Nutzen begrenzen“. Ihr Credo ist klar formuliert: Digitalisierung solle Patienten den Weg zur Behandlung erleichtern, ärztliche Entscheidungen stützen und Forschung ermöglichen – nicht neue Hindernisse errichten.

Anzeige

Inhaltlich stehen gleich mehrere Vorhaben im Mittelpunkt. Die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte, eine bessere Nutzung von Gesundheitsdaten und die Anbindung an den Europäischen Gesundheitsdatenraum gelten dem Verband als tragfähiges Fundament für Versorgung, Prävention und Forschung. Der entscheidende Punkt bleibt für Pharma Deutschland jedoch, dass dieser Nutzen am Ende tatsächlich bei den Patienten ankommt.

Konkret fordert der Verband, neue Spielräume für Krankenkassen bei der Datennutzung mit klaren Verantwortlichkeiten, fairen Wettbewerbsbedingungen sowie einheitlichen Sicherheits- und Qualitätsstandards zu verknüpfen. Vergleichbare digitale Angebote sollten nach denselben Regeln spielen. Vor allem aber dürften ärztliche Therapieentscheidungen durch die neuen Strukturen nicht unterlaufen werden.

Ein weiterer Knackpunkt betrifft die digitalen Gesundheitsanwendungen, die sogenannten DiGA. Die Gesundheits-ID, so die Mahnung des Verbands, dürfe bei der digitalen Einlösung einer Verordnung nicht selbst zum Stolperstein werden. Zugleich solle die begleitende Erfolgsmessung den tatsächlichen Versorgungseffekt wissenschaftlich fundiert erfassen – und nicht an der Realität der Praxis vorbeigehen.

Anzeige

Auch bei der Forschung pocht Pharma Deutschland auf Praxistauglichkeit. Nötig seien klare technische Standards, die Einbindung der Arztpraxen und eine ausdrückliche rechtliche Grundlage für qualitätsgesicherte synthetische Datensätze. Statt paralleler Strukturen und zusätzlicher Bürokratie brauche es aufeinander abgestimmte Forschungskennziffern. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 400 Mitgliedsunternehmen mit etwa 80.000 Beschäftigten und stellt einen Großteil der in Apotheken verkauften Arzneimittel bereit.

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein