Mehr fachliche Tiefe durch drei Leistungskurse, ein aufgewertetes Fach Informatik und verbindlicher Politikunterricht ab Klasse 11: An der geplanten Oberstufenreform im Saarland lässt die FDP Saar durchaus gute Haare. Doch die Liberalen knüpfen ihr Lob an eine entscheidende Bedingung. Die zusätzliche Zeit, die das neue G9 mit sich bringt, dürfe kein verlorenes Jahr werden.
„G9 darf nicht einfach ein Jahr länger dauern“, stellt die Landesvorsitzende Angelika Hießerich-Peter klar. Die gewonnene Zeit müsse in sichere Grundlagen, fachliche Vertiefung und echte Studierfähigkeit fließen. Positiv bewertet die Partei auch den Ausbau des Geschichtsunterrichts sowie zusätzliche Vertiefungsstunden in den Kern- und Naturwissenschaften. Einen blinden Fleck sieht Hießerich-Peter jedoch bei der wirtschaftlichen und finanziellen Bildung, die in der allgemeinbildenden Oberstufe weiterhin keinen klaren Platz finde.
Der eigentliche Streitpunkt liegt allerdings an anderer Stelle. Es geht um die neuen Leistungsformate, etwa Facharbeiten und besondere Lernleistungen. Solche Arbeiten entstehen über Monate hinweg außerhalb der Schule und unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Zwar könne künstliche Intelligenz dabei sinnvoll unterstützen, doch ohne lückenlose Dokumentation und persönliche Überprüfung lasse sich kaum noch nachweisen, welcher Anteil tatsächlich von der Schülerin oder dem Schüler selbst stamme.
„Neue Formate sind nur dann ein Fortschritt, wenn Eigenleistung zweifelsfrei erkennbar bleibt“, betont die Landesvorsitzende. Eine zu Hause angefertigte Arbeit dürfe nicht allein deshalb zur Abiturnote beitragen, weil sie sprachlich und formal überzeuge. Die FDP fordert deshalb eine verpflichtende Prozessdokumentation, die Offenlegung sämtlicher Hilfsmittel und KI-Anwendungen sowie ein Kolloquium mit zwei Prüfern.
Mindestens ebenso dringend sei eine klare Ansage zur Notenwirkung. Bislang bleibt offen, wann die Einbringung bindend wird, wie stark die Formate gewichtet werden und ob sich ein schwaches Ergebnis nachträglich zurückziehen lässt. Genau hier warnen die Liberalen vor einem Konstruktionsfehler: Ein Angebot, das Noten nur verbessern, aber niemals verschlechtern könne, liefe auf ein staatliches Bonusmodell hinaus und würde die Vergleichbarkeit der Abschlüsse aushöhlen. Anmeldung und Einbringung müssten daher verbindlich sein, bevor das Ergebnis bekannt ist, und zwar landesweit einheitlich.
Am Ende steht eine Rechnung, die nach Ansicht der FDP bislang nicht aufgeht. Praktika, Betreuung, Korrekturen und Kolloquien verursachen zusätzlichen Aufwand, der Gesamtumfang aber bleibt bei 101 Wochenstunden, ohne dass das Ministerium eine Entlastung benennt. „Wer neue Aufgaben bestellt, muss auch Lehrerzeit bereitstellen“, mahnt Hießerich-Peter. Gute Ideen dürften nicht als zusätzliche Last im Kollegium hängenbleiben. Vor dem Inkrafttreten der Reform müsse das Land den konkreten Zeitbedarf ausweisen und ihn durch Anrechnungs- und Entlastungsregelungen für die Lehrkräfte abdecken.




















