Mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche im Saarland gelten statistisch als überdurchschnittlich oder sogar hochbegabt. Wie Schulen diese verborgenen Stärken erkennen, fördern und dabei zugleich die mentale Gesundheit der Schülerinnen und Schüler im Blick behalten, stand im Zentrum einer Netzwerktagung, die unter dem Titel „Potenziale entfalten – mentale Gesundheit stärken“ im Saarbrücker Saarrondo stattfand.
Zusammen kamen Lehrkräfte und Schulleitungen der 14 saarländischen Schulen, die an der Bund-Länder-Initiative „Leistung macht Schule“ (LemaS) teilnehmen. Gemeinsam mit dem Bildungscampus Saarland, der Karg-Stiftung und weiteren Partnern tauschten sie Erfahrungen aus und diskutierten, wie sich die Begabungsförderung künftig weiterentwickeln lässt.
Für Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot gehören individuelle Förderung und seelisches Wohlbefinden eng zusammen. „Jedes Kind bringt eigene Stärken, Talente und Fähigkeiten mit. Unsere Aufgabe ist es, diese Potenziale zu erkennen und allen Kindern die Chance zu geben, sie bestmöglich zu entfalten – unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Sprache oder ihren individuellen Voraussetzungen“, betonte sie. Bildungsgerechtigkeit, individuelle Förderung und mentale Gesundheit seien für sie untrennbar verbunden, denn junge Menschen entfalteten ihre Fähigkeiten vor allem dann, wenn sie sich wohlfühlten und Vertrauen in sich selbst entwickelten.

Welche konkreten Ergebnisse die bisherige Arbeit gebracht hat, zeigte sich auf einem gemeinsamen Marktplatz. Dort präsentierten die beteiligten Schulen ihre erprobten Lernkonzepte und veranschaulichten anhand praktischer Beispiele, wie Begabungsförderung im Schulalltag tatsächlich funktioniert. In den vergangenen Jahren hat die Initiative so wichtige Impulse für eine stärkenorientierte Schul- und Unterrichtsentwicklung gesetzt.
Einen eigenen Schwerpunkt widmete die Tagung dem Zusammenspiel von Leistung und seelischer Stabilität. Erfolgreiches Lernen gelingt nur, wenn Kinder sich sicher und wertgeschätzt fühlen – und wenn auch Lehrkräfte gute Rahmenbedingungen vorfinden, um einzelne Schülerinnen und Schüler individuell zu begleiten. In Fachvorträgen und Arbeitsphasen beschäftigten sich die Teilnehmenden deshalb mit Chancengerechtigkeit, dem Abbau von Barrieren sowie dem Umgang mit Stress und wachsender Komplexität.
Mit dem Auslaufen der Bund-Länder-Kooperation im Jahr 2027 steht die Begabungsförderung im Saarland vor einem Übergang. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen langfristig gesichert und schrittweise für alle Bildungseinrichtungen des Landes nutzbar gemacht werden. Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei der Bildungscampus Saarland mit seiner Beratungsstelle (Hoch-)Begabung.
„Statistisch gelten etwa zwei Prozent aller Kinder als hochbegabt, rund 15 Prozent als überdurchschnittlich begabt“, erläuterte Dr. Anika Limburg, Direktorin des Bildungscampus Saarland. Damit sich deren Potenziale entfalten könnten, brauche es Lehrkräfte, die besondere Begabungen erkennen, gezielt fördern und an die Kinder glauben. Als bundesweit aktiver Partner bringt die Karg-Stiftung dabei langjährige Expertise ein.
Deren Vorstand Dr. Ingmar Ahl machte den Anspruch deutlich: „Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, was die Förderung seiner individuellen Begabungen bedeutet und auch hohe Leistung niemals ausschließt.“ Ob ein Talent erkannt werde, dürfe nicht davon abhängen, welche Schule ein Kind besuche oder wie engagiert einzelne Lehrkräfte seien. Deshalb setze sich die Stiftung dafür ein, Begabungsförderung fest im Bildungssystem zu verankern – im Saarland gehe man diesen Weg nun gemeinsam voran.


















