Foto: Beate Ruffing

Farbenfrohe Bilder einer mittelamerikanischen Künstlerkolonie und zehn Roll-ups über den Kampf nicaraguanischer Frauen für ein selbstbestimmtes Leben: Die Galerie der Kreisverwaltung zeigt bis zum 15. November eine Doppelausstellung, die Kunst und Gesellschaftspolitik auf ungewöhnliche Weise verbindet. Getragen wird das Projekt von der Fairtrade-Stadt Homburg, dem Fairtrade-Saarpfalz-Kreis und der Fairtrade-Initiative Saarland.

Im Zentrum stehen die Werke von Malerinnen und Malern des Archipels Solentiname im Nicaragua-See. Ihre Geschichte reicht zurück zu Ernesto Cardenal (1925 bis 2020), dem Dichter, Befreiungstheologen und späteren Kulturminister, der die Menschen vor Ort einst zum Malen ermunterte. Für die Bewohner der Inseln, die in großer Armut lebten, eröffnete sich damit neben der kargen Landwirtschaft eine zweite Erwerbsquelle. Sie hielten ihren Alltag im Stil der naiven Malerei fest.

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Kunsthistorikerin Dr. Jutta Schwan vom Kulturmanagement des Saarpfalz-Kreises führte bei der Eröffnung durch die Werke und stellte auch eine für viele Gäste überraschende Verbindung her: die tiefe Freundschaft zwischen Cardenal und dem Schauspieler und Moderator Dietmar Schönherr (1926 bis 2014), dessen Engagement für das Land kaum bekannt war. Zu sehen sind kraftvolle Arbeiten von Elba Jiménez und Rodolfo Arellano aus der Ursprungsgruppe sowie Bilder bekannter Künstler wie Adán Gonzales, Johnny Garcia, Ligia Sandino und Paul Morales. Ein Werk von Marvin Campos zeigt den Uhrturm von Diriamba, dem Wahrzeichen jener Stadt im Westen Nicaraguas, mit der die Fairtrade-Initiative Saarbrücken eine Partnerschaft pflegt.

Foto: Dr. Jutta Schwan

„Im Laufe der letzten sechs Jahrzehnte entwickelte sich die vordergründig so naive Kunst gleichzeitig zum Symbol für den Kampf Nicaraguas gegen die Unterdrückung und der Hoffnung auf eine bessere Welt“, betonte Schwan. Landrat Frank John stimmte die Gäste mit dem Lied „Todo Cambia“ von Mercedes Sosa ein, das die Sängerin im April 1983 auf der Plaza de la Revolución in Managua vortrug. Die Ausstellung, so John, verbinde Kunst mit gesellschaftspolitischen Fragen und zeige, wie Solidarität über Grenzen hinweg durch fairen Handel möglich werde.

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Der zweite Teil rückt die Frauen Nicaraguas und ihren Einsatz für bessere Lebensbedingungen in den Mittelpunkt. Ingrid von Osterhausen von der Fairtrade-Initiative Saarbrücken stellte den vor über 30 Jahren gegründeten Diriamba-Verein sowie die Fundación Entre Mujeres (FEM) vor. Diese 1995 im Norden des Landes entstandene Organisation setzt sich für ein Leben ohne Gewalt ein und stärkt Frauen durch Bildung, Gesundheitsangebote, Beratung und politische Bewusstseinsbildung.

Wirtschaftliche Unabhängigkeit schaffen acht Kooperativen mit insgesamt 362 Frauen, die sich unter dem Namen Las Diosas, „Die Göttinnen“, zusammengeschlossen haben. Sie produzieren unter anderem Kaffee, Honig, Hibiskustee, Gemüse und Marmelade; der Kaffee wird auch international vertrieben. Dass Konsum und Solidarität zusammengehören, machte der Eine-Welt-Laden Homburg bei der Eröffnung mit dem Verkauf nicaraguanischen Kaffees greifbar. Unterstützung kam zudem von der Gemeinde Kirkel, der Fairen Kita in Alschbach und dem Arbeitskreis Eine Welt der Pfarrei Heilige Familie in Lautzkirchen.

Die Doppelausstellung ist bis zum 15. November zu den Öffnungszeiten der Kreisverwaltung zu sehen. Wegen der eingeschränkten Zugangsmöglichkeiten wird um Anmeldung im Büro des Landrats bei Eleonora Lupp gebeten, per E-Mail an anmeldung@saarpfalz-kreis.de oder telefonisch unter 06841 104-8266.

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