Die Zahlen des Bauhauptgewerbes für den August lesen sich zunächst wie eine Erfolgsmeldung: Der Umsatz legte real um 4,9 Prozent zu, der Auftragseingang kletterte sogar um satte 17,3 Prozent nach oben. Auch die Beschäftigtenzahl lag mit einem Plus von 1,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Doch wer genauer hinschaut, erkennt eine Branche, die zweigeteilt unterwegs ist.
Denn hinter dem kräftigen Aufwärtstrend stecken vor allem wenige Großaufträge in einzelnen Bundesländern. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, ordnet die Entwicklung nüchtern ein. „Mit einem richtigen Aufschwung in der Breite, der die mittelständische Bauwirtschaft mitnimmt, haben wir es leider nicht zu tun“, stellt er klar. Getragen werde das Wachstum maßgeblich vom Tiefbau, der um 43 Prozent zulegte – der Wirtschaftstiefbau allein steigerte sich um 64 Prozent oder rund 1,37 Milliarden Euro.
Ein gutes Beispiel für die trügerische Statistik liefert der Wohnungsbau. Dort schnellten die Aufträge um 27,9 Prozent nach oben, in Bayern sogar um 62,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Grund dafür ist jedoch ein einzelner Großauftrag der Bundeswehr für Unterkunftsgebäude. Ohne diesen Posten hätte das Plus bei mageren 1,6 Prozent gelegen.
Und es wird nicht bei einem Ausreißer bleiben. Die Bundeswehr hat laut Pakleppa Rahmenverträge für rund 300 Unterkunfts- und Funktionsgebäude vergeben. „Die Wohnungsbauaufträge werden immer wieder ausschlagen, ohne dass sich an der Wohnungskrise im Land etwas ändert“, warnt er. Die Statistik mag also Bewegung signalisieren, während das eigentliche Problem fehlender bezahlbarer Wohnungen unverändert bleibt.
Zum Reizthema entwickelt sich für den Verband die Vergabepraxis. Zunehmend würden Mittel aus dem Sondervermögen in derart großen Losen ausgeschrieben, dass sich nur noch wenige große Unternehmen überhaupt beteiligen könnten. Dabei hätte gerade der Mittelstand freie Kapazitäten: Im Hochbau seien die Geräte im Schnitt nur zu 45 Prozent ausgelastet. Hier klafft eine Lücke zwischen den vorhandenen Ressourcen und den tatsächlich erreichbaren Aufträgen.
Beim Umsatz zeigt sich ein ähnliches Muster. Das größte Plus lieferte der Wirtschaftsbau mit nominal 16,5 Prozent, angetrieben vom Wirtschaftstiefbau und dessen Infrastrukturprojekten. Der öffentliche Bau steigerte sich nominal um 6,7 Prozent. Der Wohnungsbau dagegen kam mit lediglich 1,6 Prozent kaum vom Fleck.
Zusätzlich belasten steigende Materialpreise die Betriebe. Im September lagen die Erzeugerpreise für Betonstahl um 7,0 Prozent über dem Vorjahr, Asphaltmischgut verteuerte sich um 7,8 Prozent und Bitumen sogar um 20,8 Prozent. Für viele Unternehmen bedeutet das: Selbst dort, wo Aufträge fließen, bleibt vom Wachstum unterm Strich weniger übrig als die großen Prozentzahlen vermuten lassen.





















