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Erbach hat jetzt ein eigenes Wappen. Für einen Stadtteil mit knapp 14.000 Einwohnern ist das mehr als nur ein neues Zeichen auf Papier. Es ist der Versuch, einem großen und sehr vielfältigen Stadtteil ein gemeinsames Symbol zu geben – eines, das Geschichte, Gegenwart und Selbstverständnis miteinander verbindet.

Vorgestellt wurde das neue Ortswappen im Rahmen einer Presse-Informationsveranstaltung. Mit dabei waren Vertreter der Stadtverwaltung, Mitglieder des Ortsrates und Beteiligte der Arbeitsgruppe, die sich in den vergangenen Monaten mit der Gestaltung beschäftigt hatte. Die Stadt Homburg ist Stifterin des Wappens, die Führungsberechtigung liegt beim Ortsvorsteher.

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Der Hintergrund reicht zurück bis zur Kommunalwahl 2024. Seitdem hat Erbach erstmals seit langer Zeit wieder einen eigenen Ortsrat. Früher war der Stadtteil Teil des großen Ortsrates Homburg-Mitte, später gab es Ortsvertrauensleute. Mit dem neuen Ortsrat entstand nun auch der Wunsch, sich stärker mit Fragen von Identität, Geschichte und örtlichem Selbstverständnis zu beschäftigen.

Ortsvorsteher Markus Uhl verwies bei der Vorstellung darauf, dass der Ortsrat nach dem Kommunalselbstverwaltungsgesetz auch Aufgaben der Heimat- und Brauchtumspflege im Gemeindebezirk habe. Genau daraus sei die Idee entstanden, ein eigenes Erbacher Ortswappen zu entwickeln. Erbach sei ein großer Wohnstadtteil, ein Stadtteil mit vielen Arbeitsplätzen, mit sozialen Herausforderungen, mit viel Grün, Vereinen und ehrenamtlichem Engagement. Gerade deshalb sei die Frage wichtig gewesen, was diesen Ortsteil eigentlich verbindet.

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Die Suche begann mit einem Blick in die Geschichte. Im Stadtarchiv wurden alte Siegel und Unterlagen gesichtet. Verwendbar waren diese historischen Vorlagen aber nur bedingt. Teilweise zeigten sie Symboliken, die heute nicht mehr passend oder nicht mehr nutzbar wären. Deshalb entschied sich der Ortsrat dafür, kein altes Zeichen zu übernehmen, sondern ein neues Wappen entwickeln zu lassen.

Unterstützt wurde der Prozess von einem Heraldiker, also einem Fachmann für Wappenkunde. Schnell war klar, dass das Wappen den Ortsnamen Erbach erklären sollte. Historisch wird der Name mit dem Eberbach verbunden – also jenem Bach, an dem der Eber den Bach gequert haben soll. Deshalb wurde der Eber zu einem zentralen Element des neuen Wappens.

Auch der Bach selbst musste eine Rolle spielen. Er steht nicht nur für den Namen, sondern auch für den Bezug zum Ort. Ergänzt wird die Bildsprache durch ein Zahnrad. Es erinnert an die Industrialisierung, die Erbach ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark geprägt hat. Aus einem kleinen Ort mit wenigen Häusern entwickelte sich ein Stadtteil, in dem Arbeitsplätze, Industrie und Gewerbe bis heute eine große Bedeutung haben.

Gerade dieses Zahnrad ist ein bewusst modernes Symbol. In der Diskussion sei auch über klassischere Zeichen wie Schornsteine oder andere Industrie-Motive gesprochen worden. Am Ende fiel die Entscheidung aber auf das Zahnrad, weil es Industrie, Arbeit und Entwicklung darstellt, ohne zu sehr in eine vergangene Bildsprache zurückzufallen.

Auch über die Farben wurde ausführlich diskutiert. Erbach ist Teil der Stadt Homburg, deren Farben Grün und Weiß beziehungsweise Grün und Silber sind. Eine gewisse Anlehnung daran sollte auch im neuen Wappen erkennbar bleiben. Besonders intensiv wurde offenbar über die Farbe des Baches gesprochen. Am Ende durfte der Bach blau bleiben. Der „Deutsche Herold“, der die deutsche Ortswappenrolle führt, akzeptierte diese Gestaltung.

Damit ist das Erbacher Wappen nun in der deutschen Ortswappenrolle eingetragen. Es ist kein Dienstwappen und ersetzt selbstverständlich nicht das offizielle Wappen der Kreisstadt Homburg. Dieses bleibt weiterhin der Lindenbaum. Das Erbacher Wappen hat dennoch einen offiziellen Charakter für den Ortsteil und kann künftig vom Ortsrat sowie unter bestimmten Voraussetzungen auch von Vereinen, Verbänden und gemeinnützigen Organisationen verwendet werden. Nicht erlaubt ist eine Nutzung zu gewerblichen Werbezwecken oder für religiös beziehungsweise politisch motivierte Zwecke.

Aus Sicht der Stadtverwaltung ist das neue Wappen ein begrüßenswertes Zeichen. Gerade weil Erbach als größter Homburger Stadtteil nun wieder einen eigenen Ortsrat habe, passe es gut, dass sich dieser früh mit Fragen von Brauchtum und örtlicher Identifikation beschäftige. Andere Ortsteile, besonders ehemalige selbstständige Gemeinden, verfügen bereits über eigene Wappen. Für Erbach entsteht nun ebenfalls ein Symbol, das nach außen sichtbar machen kann, wofür der Stadtteil steht.

Das neue Wappen erzählt damit in knapper Form eine ganze Ortsgeschichte: Der Eber verweist auf den Namen, der Bach auf die Herkunft, das Zahnrad auf die industrielle Entwicklung. Zusammen ergibt sich ein Zeichen, das nicht nostalgisch wirken will, sondern Erbach als gewachsenen, arbeitenden und lebendigen Stadtteil zeigt.

Geplant ist nun unter anderem, das Wappen auch sichtbar am Gebäude anzubringen. Für den Ortsrat ist es damit nicht nur ein abgeschlossenes Gestaltungsprojekt, sondern ein Baustein für mehr Bewusstsein für den eigenen Stadtteil. Vielleicht führt das neue Zeichen künftig auch dazu, dass sich mehr Menschen fragen, warum in Erbach ein Eber im Wappen steht – und sich dabei ganz nebenbei ein Stück näher mit der Geschichte ihres Stadtteils beschäftigen.

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