Das Hambacher Schloss. - Foto: Stefan Müller

Knapp 200 Jahre nachdem ein unbequemer Beamter in Homburg den Grundstein für eine der bedeutendsten demokratischen Bewegungen Deutschlands legte, lässt die Siebenpfeiffer-Stiftung diese Geschichte wieder lebendig werden. Am Donnerstag, 28. Mai, startet um 18 Uhr eine inszenierte Kostümführung durch die Homburger Innenstadt – kostenlos und offen für alle, die den Spuren der Freiheitsbewegung folgen wollen.

Der historische Anlass reicht zurück in den Herbst 1830. Damals brachte Philipp Jakob Siebenpfeiffer, seines Zeichens königlich-bayerischer Landkommissär und damit so etwas wie der Landrat von Homburg, die erste Ausgabe seiner Zeitschrift „Rheinbayern“ heraus. Darin griff er König Ludwig I. mit unmissverständlichen Worten an – und wurde prompt von seinem Amt suspendiert. Statt sich einschüchtern zu lassen, verstärkte Siebenpfeiffer sein publizistisches Wirken und entfachte damit eine politische Dynamik, die schließlich im Hambacher Fest gipfelte: Am 27. Mai 1832 zogen rund 30.000 Menschen nach Neustadt, um für Demokratie und Freiheit zu demonstrieren.

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Fast exakt auf diesen Jahrestag fällt nun die Auftaktführung der Stiftung. Doch wer einen klassischen Stadtrundgang erwartet, wird überrascht. Monika Link schlüpft in die Rolle der Regina Wirth, Ehefrau des oppositionellen Zeitungsmachers Johann Georg August Wirth, und erzählt in zeitgenössischer Kleidung aus deren Perspektive. Was hat die Frau eines Mannes erlebt, der die meiste Zeit hinter Gittern verbrachte, weil er für die Pressefreiheit kämpfte? Aus dieser persönlichen Sicht entfaltet sich die große Geschichte ganz unmittelbar.

Die Route führt zu den zentralen Schauplätzen jener stürmischen Jahre. Unter anderem geht es zum einstigen Standort von Siebenpfeiffers Wohnung und dem Landkommissariat, zum Gasthaus Cappel, in dem das erste der zahlreichen politischen Festbankette stattfand, sowie zu dem Gebäude, in dem Wirth mit seiner Familie lebte und arbeitete. Endpunkt ist der Freiheitsbrunnen am Rondell, dessen Relief an die Aufstellung eines Freiheitsbaums erinnert – eines der kraftvollsten Symbole der damaligen Bewegung.

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Treffpunkt für die etwa anderthalb Stunden dauernde Begehung ist das Siebenpfeiffer-Haus in der Kirchenstraße 8. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme kostenlos. Wer den Termin verpasst, bekommt weitere Gelegenheiten: Bis Dezember plant die Stiftung regelmäßig solche Rundgänge durch die Homburger Innenstadt. Die Reihe versteht sich als Beitrag dazu, die demokratische Tradition der Stadt sichtbar zu halten – gerade mit Blick auf das nahende 200-jährige Jubiläum der Ereignisse, die dem Hambacher Fest den Weg bereiteten.

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