Beim Rundgang in den AQuiS-Werkstätten: Dietmar Schönberger (Leiter des Jobcenters), Sarah Klein (Kultur-Sachgebiets-Leiterin der Gemeinde Kirkel), Martin Thiele (AQuiS-Anleiter) Anja Lange (AQuiS-Prokuristin) Foto: Thorsten Wolf

Rund 6.000 Grundschulkinder aus der Region werden in den Wochen vor den Sommerferien 2026 auf die Kirkeler Burg strömen, um im dortigen Handwerkerdorf mittelalterliche Gewerke mit den eigenen Händen auszuprobieren. Der Burgsommer für Schulen gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Veranstaltungen der Gemeinde Kirkel – und hinter dem scheinbar mühelosen Erlebnis für die Kinder steckt ein aufwendiges Zusammenspiel dreier Partner, das weit vor dem ersten Hammerschlag an der Schmiede beginnt.

Die Organisation liegt bei der Gemeinde Kirkel, genauer bei Kultur-Sachgebiets-Leiterin Sarah Klein, die Planung, Durchführung und Finanzierung verantwortet. Doch damit an Schmiede, Lederei, Steinmetzwerkstatt und den zahlreichen weiteren Stationen alles bereitsteht, braucht es Unmengen an Material – und genau hier kommt die Gesellschaft für Arbeit und Qualifizierung, kurz AQuiS, ins Spiel. In den Werkstätten der gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft in Kirkel-Neuhäusel wird seit Wochen zugeschnitten, geklopft und gewickelt. Holzbrettchen werden passgenau gesägt, Rohlinge für das bei den Kindern besonders beliebte Schwertschmieden vorbereitet, Stoffe, Lederstücke und Bretter auf Maß gebracht. Für die Steinmetzwerkstatt klopfen die Mitarbeitenden Steine auf Format, für die Webwerkstatt wickeln sie kistenweise Wolle. Klein brachte den Stellenwert dieser Vorarbeit auf eine knappe Formel: „Burgsommer für Schulen minus AQuiS macht Null!“

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Die AQuiS ist dabei weit mehr als eine Zulieferwerkstatt. Als arbeitsmarktpolitisches Instrument des Jobcenters im Saarpfalz-Kreis bietet sie Menschen, die derzeit keine Stelle auf dem regulären Arbeitsmarkt finden, eine sinnvolle Beschäftigung. Prokuristin Anja Lange beschrieb den Auftrag so: „Wir leisten Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger des Saarpfalz-Kreises, um die Eingliederung in das Erwerbsleben voranzutreiben.“ Jobcenter-Leiter Dietmar Schönberger ergänzte, es gehe darum, „Menschen mit ihren Talenten hier die Möglichkeit zu geben, sinnvolle Dinge zu tun“. Gerade das Projekt AQuiS zeige, „welche tollen Ergebnisse da rauskommen“. Finanziert wird die Gesellschaft aus Mitteln des Jobcenters und des Europäischen Sozialfonds.

Damit zwischen Gemeinde und AQuiS alles reibungslos ineinandergreift, koordiniert AQuiS-Anleiter Martin Thiele die praktische Zusammenarbeit. Ein Rundgang durch die Werkstätten machte deutlich, wie viel Handarbeit nötig ist, bevor die Grundschulkinder überhaupt einen Fuß auf das Burggelände setzen. Zwar werde ein Teil des Materials für die einzelnen Gewerke zugekauft, erklärte Klein, doch ein erheblicher Anteil entstehe eben erst in den AQuiS-Werkstätten – zugeschnitten, vorgeformt und einsatzbereit für Kinderhände.

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Der dritte unverzichtbare Partner im Bunde ist der Förderkreis der Kirkeler Burg. Er kümmert sich um die Burganlage selbst und sorgt dafür, dass die historische Kulisse in einem Zustand ist, der den wochenlangen Ansturm tausender Kinder überhaupt möglich macht. „Der Förderkreis Kirkeler Burg leistet enorm viel Vorarbeit, was die Burganlage angeht“, betonte Klein. Erst das Zusammenspiel aller drei Akteure – Gemeinde, AQuiS und Förderkreis – mache den Burgsommer zu dem, was er Jahr für Jahr ist: ein Publikumsmagnet, der Grundschulklassen aus der gesamten Region anzieht und Kindern einen greifbaren Zugang zu mittelalterlichem Handwerk ermöglicht.

Wenn in den kommenden Wochen also wieder Hunderte Schulklassen den Weg hinauf zur Kirkeler Burg nehmen, steckt hinter jedem vorgeschnittenen Lederstück und jedem bereitliegenden Schwert-Rohling nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ein Stück gelebter Arbeitsmarktpolitik – und ein Netzwerk, das seit Jahren beweist, dass gemeinsames Anpacken mehr bewirkt als jeder Einzelne für sich.

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