Foto: Thomas Bastuck

Rund 300 Gäste erhoben sich zum spontanen Applaus, als Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer in der St. Ingberter Stadthalle ein unmissverständliches Bekenntnis zur Offenheit der Kunstszene formulierte. Es war einer jener Momente, die über den eigentlichen Anlass hinausreichten – und doch gehörte er untrennbar zur feierlichen Verleihung des Albert-Weisgerber-Preises für Bildende Kunst 2026 an den saarländischen Maler und Zeichner Armin Rohr am 12. Mai.

Der Albert-Weisgerber-Preis gilt neben dem Kunstpreis des Saarlandes als eine der bedeutendsten kulturellen Auszeichnungen des Landes. Dass er in diesem Jahr an den 1961 geborenen, in Saarbrücken lebenden Künstler ging, begründete die Fachjury mit dessen „herausragendem Kunstschaffen, das sich durch hohe Qualität und Unverwechselbarkeit“ auszeichne. Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg hat Rohr ein Werk geschaffen, das sich zwischen expressiver Abstraktion und figurativer Erzählung bewegt – farbmächtig, gestisch und dabei immer wieder bewusst rätselhaft.

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Bevor die eigentliche Ehrung begann, stimmte das Duo „les éclats du son“ mit experimentellen Klangkompositionen auf den Abend ein, während Rohrs Arbeiten großformatig auf die Leinwand der Stadthalle projiziert wurden. Oberbürgermeister Meyer nutzte seine anschließende Würdigung nicht nur, um das Schaffen des Preisträgers zu beleuchten, sondern stellte grundsätzliche Fragen nach der gesellschaftlichen Rolle von Kunst und Kultur. „Kunst und Kultur sind essenziell für den Kern unserer Gesellschaft, indem sie Menschen verbinden, Zusammenhalt stiften und Mut machen, Neues zu wagen und neue Wege zu gehen“, sagte Meyer. Kunst sei stets auch ein Instrument der Völkerverständigung: „Wo sich Künstlerinnen und Künstler – egal, wo sie herkommen – austauschen, entsteht nicht nur Kunst, sondern da verstehen sich auch Völker. Wir schließen niemanden aus.“ In diesem Zusammenhang bezog er klar Position, dass auch israelische Künstlerinnen und Künstler in Deutschland willkommen seien. „Wenn wir den Kontakt innerhalb der Kunstszene einschränken, werden wir alle künstlerisch ärmer – und unmenschlicher!“, so Meyer – Worte, die das Publikum mit spontanem Beifall quittierte.

Foto: Thomas Bastuck

Die Laudatio übernahm die Kunsthistorikerin Dr. Petra Wilhelmy, die Rohrs Arbeitsweise treffend auf den Punkt brachte: „Armin Rohr hat einen scharfen Blick und hält Sinneseindrücke fest, er fängt sozusagen Augenblicke ein.“ Bei seinen Kolleginnen und Kollegen genieße er großen Respekt, obwohl er mit seiner Kunst nicht selten polarisiere. Gewagte, oft schräge und bunte Kombinationen seien sein Markenzeichen. Wilhelmy erinnerte an einen Ausspruch des Künstlers – „Ich könnte mein Leben mit dem Betrachten von Bildern verbringen“ – und sah darin den Beweis, wie untrennbar Rohrs Existenz mit der Malerei verwoben sei. Die Verleihung des Albert-Weisgerber-Preises nannte sie „eine angemessene Würdigung seines jahrzehntelangen Schaffens“.

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Sichtlich bewegt trat Armin Rohr nach einer weiteren Musikeinlage mit Flügel und Percussion ans Mikrofon. „Dieser Preis bedeutet mir sehr viel und ist eine große Ehre für mich“, sagte er. Schon immer habe er eine große Demut gegenüber den Werken Albert Weisgerbers empfunden. „Dass meine Arbeiten nun für würdig befunden wurden, diese bedeutende Auszeichnung zu erhalten, ehrt mich sehr. Ich danke Ihnen allen, dass Sie heute Abend gekommen sind, um mit mir zu feiern.“

Rohrs künstlerischer Weg begann mit einem Designstudium an der damaligen Fachhochschule für Design in Saarbrücken, wo ihn vor allem die Grundlehre bei Oskar Holweck prägte. Zunächst arbeitete er für Agenturen in Stuttgart und Saarbrücken, doch bereits während des Studiums hatte sich seine intensive Hinwendung zur Farbe und zur Malerei abgezeichnet. Mitte der 1990er Jahre nahm er ein Studium der Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar auf, wurde Meisterschüler bei Bodo Baumgarten und widmete sich fortan ganz dem freien künstlerischen Schaffen. Heute ist er unter anderem als Dozent an der Abendschule der HBKsaar tätig.

Sein bisheriges Werk hat ihm bereits mehrere Auszeichnungen eingebracht, darunter den Saar-Lor-Lux-Kunstpreis der Stadt Ottweiler 1997, den Kulturpreis für Kunst des Stadtverbandes Saarbrücken 2002 sowie ein Arbeitsstipendium des Saarländischen Kultusministeriums im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf in Brandenburg 2012. Mit dem Albert-Weisgerber-Preis reiht sich nun die wohl gewichtigste Ehrung in diese Liste ein – eine Anerkennung, die weit über den festlichen Abend in der St. Ingberter Stadthalle hinauswirkt.

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