Rund 300 Fachleute aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft haben sich am 14. April 2026 im Bundesministerium für Verkehr in Berlin versammelt, um über die Zukunft der Straßenverkehrssicherheit in Deutschland zu beraten. Die dritte Nationale Verkehrssicherheitskonferenz stand unter dem Leitgedanken „830.000 Kilometer Verantwortung – Gemeinsam für sichere Straßen“ und richtete den Blick auf jene Bereiche, in denen das Unfallrisiko nach wie vor besonders hoch ist: Landstraßen, Rad- und Fußverkehr sowie besonders gefährdete Personengruppen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder machte bei der Eröffnung deutlich, dass das Ziel trotz bereits erreichter Fortschritte unverändert ambitioniert bleibt. „Im Straßenverkehr orientieren wir uns weiter am Zielbild der Vision Zero“, sagte Schnieder. Zugleich betonte er, dass Verkehrssicherheit kein Projekt einzelner Institutionen sein könne: „Bei dieser ambitionierten und anspruchsvollen Aufgabe brauchen wir viele Mitstreiter, die Verantwortung übernehmen. Verkehrssicherheitsarbeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Der Bund werde seine Präventionsarbeit künftig gezielter dort ansetzen, wo die größten Risiken bestehen.
Schnieder verknüpfte das Thema Sicherheit eng mit der Infrastrukturpolitik der laufenden Legislaturperiode. Der Ausbau und Erhalt von Straße und Schiene habe absolute Priorität, erklärte der Minister. „Das stärkt auch die Verkehrssicherheit, denn auf intakten gut ausgebauten Straßen ist man sicherer unterwegs.“ Damit setzte er einen Rahmen, der die Konferenz über rein verhaltensorientierte Ansätze hinaus auf bauliche und planerische Maßnahmen ausweitete.
Drei thematische Schwerpunkte prägten die Fachforen des Tages. Der erste Block widmete sich der Sicherheit auf Landstraßen – von der Absicherung von Hindernissen im Seitenraum über Maßnahmen zur Erhöhung der Motorradsicherheit bis hin zur Planung sicherer Querungen für den Radverkehr. Ein zweiter Themenstrang nahm die unterschiedlichen Perspektiven der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer in den Blick. Im Kern ging es um die Frage, wie eine moderne Stadt allen Menschen gleichberechtigte und sichere Mobilität ermöglichen kann – unabhängig von Alter, körperlichen Voraussetzungen oder gewähltem Verkehrsmittel. Das dritte Forum drehte sich um Zielkonflikte und Flächenkonkurrenz: Fußgänger, Radfahrer, motorisierter Verkehr und öffentlicher Nahverkehr beanspruchen denselben begrenzten Raum, während Klima- und Umweltschutzvorgaben zusätzliche Rahmenbedingungen setzen. Die Teilnehmenden diskutierten, wie tragfähige Kompromisse zwischen diesen konkurrierenden Ansprüchen aussehen können.
Ein Keynotegespräch zur Bedeutung von Notfalleinsätzen und persönlichem Engagement bei der Rettung von Unfallopfern ergänzte das Programm um eine sehr unmittelbare, menschliche Perspektive. Im Abschlussplenum ging es dann darum, wie Vernetzung und moderne Technik konkret zur Erhöhung der Sicherheit beitragen können – illustriert anhand von Praxisbeispielen, die den Bogen von der Theorie in den Alltag auf der Straße schlugen.
Begleitend zur Konferenz konnten sich die Teilnehmenden in einer Ausstellung über bestehende Regelwerke, Leitfäden und Präventionsangebote informieren. Moderne Unfallaufnahme- und Kontrollfahrzeuge waren ebenso zu sehen wie Projekte weiterer Akteure der Verkehrssicherheitsarbeit. Das Mobilitätsforum Bund nutzte die Gelegenheit, sein Fortbildungsangebot vorzustellen, das unter dem Motto „Wissen, das wirkt – Zukunftsfähige Weiterbildung in der Verkehrssicherheitsarbeit“ Ländern und Kommunen helfen soll, Fachkräfte gezielt zu schulen und besser zu vernetzen.
Den Abschluss des Tages bildete eine Abendveranstaltung unter dem Titel „Gemeinsam stärker mit #mehrAchtung: Netzwerke für eine wirksame Verkehrssicherheitsarbeit“. Sie bot Raum für informellen Austausch und den Aufbau neuer Kooperationen – ein Signal, dass die Arbeit an sicheren Straßen nicht mit dem Ende einer Konferenz endet, sondern dauerhaft in Netzwerken verankert werden soll.


















