Wenn die Integrierte Leitstelle Saar ausfällt, steht im Ernstfall die gesamte nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr des Bundeslandes still. Damit genau das nicht passiert, entsteht in Bexbach eine Notleitstelle, die als vollwertige Redundanz einspringen kann. Bei der Grundsteinlegung am 31. März 2026 machte Innenminister Reinhold Jost deutlich, welchen Stellenwert das Projekt hat: „Mit der neuen Notleitstelle stärken wir die Sicherheitsinfrastruktur nachhaltig. Eine jederzeit voll funktionsfähige Leitstelle ist das Rückgrat der Gefahrenabwehr und des Bevölkerungsschutzes in unserem Land und gewährleistet die schnelle Hilfe in Notsituationen. Denn im Ernstfall zählt jede Sekunde!“
Das Innenministerium stellt für das Vorhaben eine Bedarfszuweisung von insgesamt 1,6 Millionen Euro bereit. Bauherr ist der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung. Die Arbeiten haben bereits begonnen, die Fertigstellung ist für 2027 geplant. Der neue Standort in Bexbach soll bei technischen Störungen, außergewöhnlichen Einsatzlagen oder einem kompletten Ausfall des Zentralstandorts auf dem Winterberg den Betrieb nahtlos übernehmen – mit vollständiger technischer Ausstattung, sowohl baulich als auch in der Leitstellentechnik.
Die Integrierte Leitstelle Saar nimmt im saarländischen Sicherheitsgefüge eine Schlüsselrolle ein. Sie koordiniert nicht nur die Entgegennahme von Notrufen und die Zuweisung von Einsatzkräften, sondern liefert auch ein umfassendes Lagebild für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr. In Krisenzeiten unterstützt sie das Innenministerium und die Landesregierung bei der situativen Bewertung der Lage. Feuerwehren, Rettungsdienste und weitere Behörden sind auf ihre reibungslose Funktion angewiesen. Eine ortsferne Ausweichleitstelle, die jederzeit einspringen kann, gilt deshalb als unverzichtbar. „Durch die Implementierung einer Redundanzleitstelle sind wir besser gerüstet, um auch in Krisenzeiten schnell und effizient zu handeln“, betonte Jost.
Das Projekt in Bexbach reiht sich in eine breit angelegte Strategie der Landesregierung ein, den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz im Saarland systematisch auszubauen. Jost verwies auf die Lehren der vergangenen Jahre – von der Corona-Pandemie über schwere Hochwasserereignisse bis hin zu wachsenden Bedrohungen für kritische Infrastrukturen. „Sicherheit wird nicht mehr sektoral gedacht, sondern als durchgängige Kette – von der alltäglichen Gefahrenabwehr bis zur nationalen Krisenvorsorge“, sagte der Minister. Was früher getrennt nebeneinandergestanden habe – Brandschutz, Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Zivile Verteidigung und internationale Kooperation – sei heute ein integriertes System.

Die Zahlen untermauern diesen Anspruch. Zwischen 2022 und 2025 flossen gut 10,5 Millionen Euro als Bedarfszuweisungen in den Neubau, die Modernisierung und die Sanierung von Feuerwehrhäusern im gesamten Land. Hinzu kamen rund 1,15 Millionen Euro für weitere Fördermaßnahmen, etwa für die Notfallseelsorge oder die DLRG. Das landesweite Sirenenprogramm wurde massiv erweitert: Über 535 festinstallierte Sirenen gibt es mittlerweile im Saarland, mehr als 260 davon sind neue elektronische Anlagen, von denen rund 70 Prozent eine veraltete Vorgängeranlage ersetzt haben. Neben den Bundesmitteln hat das Land zwei eigene Förderprogramme mit einem Volumen von zwei Millionen Euro aufgelegt. Von den insgesamt verfügbaren Fördermitteln in Höhe von rund 3,2 Millionen Euro wurden bislang etwa 2,4 Millionen Euro abgerufen.
Besonders deutlich zeigt sich der Investitionswille im Katastrophenschutz. Nach dem Pfingsthochwasser 2024 stellte das Land über zwölf Millionen Euro für Infrastruktur und Ausstattung bereit. Die Landesplanung sieht unter anderem die Beschaffung von jeweils sechs Abrollbehältern für Notstrom und für mobile Deichsysteme sowie zwei Abrollbehältern für Hochleistungs-Wasserfördersysteme vor. Bereits im vergangenen Jahr wurden sechs Wechselladerfahrzeuge, sechs Wechselmodulträgerfahrzeuge mit Logistik- und Transportmodulen sowie ein Kommandowagen in Auftrag gegeben.
Auch strukturell hat sich einiges getan. Im Innenministerium wurde eigens eine neue Abteilung F für Bevölkerungsschutz eingerichtet, das Personal im Ministerium und an der Landesfeuerwehrschule aufgestockt. Der Neubau und die Ausstattung der Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule für rund 53 Millionen Euro sollen dauerhaft die Qualifikation von Einsatz- und Führungskräften sichern und Ausbildung, Einsatzpraxis und Führungsarbeit enger verzahnen. Die Notleitstelle in Bexbach fügt sich als weiterer Baustein in dieses Gesamtkonzept ein – mit dem klaren Ziel, dass im Saarland auch unter extremen Bedingungen jeder Notruf ankommt.


















