Über Jahrzehnte hinweg gehörte die geplante Ortsumgehung der B 423 bei Schwarzenbach und Schwarzenacker zu den prägendsten und zugleich emotionalsten verkehrspolitischen Streitpunkten in Homburg. Kaum ein Infrastrukturprojekt wurde vor Ort so kontrovers diskutiert. Nun ist ein entscheidender Schritt gefallen: Das saarländische Umweltministerium hat das Planfeststellungsverfahren für die sogenannte „B 423 neu“ eingestellt. Damit ist die bisherige Planung eines der umstrittensten Verkehrsprojekte der vergangenen Jahre vorerst beendet.
Das saarländische Umweltministerium begründete die Entscheidung zur Einstellung des Planfeststellungsverfahrens mit einer Vielzahl von Faktoren. Neue Bauvorhaben müssten heute unter anderen Maßstäben bewertet werden als noch vor Jahrzehnten. Maßgeblich seien dabei sowohl die Auswirkungen auf die Menschen vor Ort als auch auf Umwelt und Natur. Vor diesem Hintergrund könne es erforderlich sein, bestehende Planungen anzupassen oder vorerst zurückzustellen, um langfristig tragfähige Lösungen zu ermöglichen.
Ursprünglich sollte die Ortsumgehung die Durchgangsverkehre in Schwarzenbach und Schwarzenacker entlasten. In früheren Jahren hatte der Stadtrat das Projekt unterstützt. Gleichzeitig wuchs in Teilen der Bevölkerung der Widerstand. Während Befürworter auf eine spürbare Verkehrsberuhigung hofften, kritisierten Gegner vor allem die Eingriffe in Natur und Landschaft. Die Auseinandersetzung verlagerte sich dabei zunehmend aus den politischen Gremien in den öffentlichen Raum: Bürgerversammlungen, Bürgerinitiativen und zahlreiche Eingaben prägten über Jahre hinweg die Debatte in den betroffenen Stadtteilen.
Als zentrales Argument für die Einstellung des Verfahrens nennt das Ministerium die außergewöhnlich hohe Beteiligung im Anhörungsverfahren. Demnach sei eine bislang einmalige Anzahl an Stellungnahmen und Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern, Behörden sowie Naturschutzverbänden eingegangen. Zudem wurden im betroffenen Gebiet streng geschützte Tierarten wie Wildkatze, Biber, Fischotter und Schwarzstorch nachgewiesen. Diese Erkenntnisse hätten die Rahmenbedingungen der Planung grundlegend verändert.
Darüber hinaus verweist das Ministerium auf verkehrliche Entwicklungen, die zum Zeitpunkt der ursprünglichen Planung noch keine Rolle spielten. So werde die geplante Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Homburg und Zweibrücken voraussichtlich Auswirkungen auf die Verkehrsströme in der Region haben. Auch städtebauliche Projekte wie das geplante neue Stadtviertel „Coeur“ auf dem ehemaligen DSD-Gelände seien in die Neubewertung eingeflossen. Die jahrelange Unsicherheit über den möglichen Verlauf der Umgehungsstraße habe dort dazu geführt, dass Flächen freigehalten und aufwendige Provisorien eingeplant werden mussten – verbunden mit zusätzlichem Aufwand und Mehrkosten.
Unabhängig davon bleibt das Projekt formell weiterhin bestehen. Die Ortsumgehung Schwarzenbach–Schwarzenacker ist nach wie vor im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans geführt. Entscheidungen über mögliche neue Planungen sollen jedoch nur in enger Abstimmung mit der Stadt Homburg getroffen werden. In politischen Kreisen gilt es derzeit als wenig wahrscheinlich, dass dort erneut auf eine Umgehungsstraße gesetzt wird. Stellungnahmen der Stadt Homburg sowie weiterer beteiligter Stellen lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht vor und werden ergänzt, sobald sie vorliegen.
Unterstützung für die Entscheidung kam von Bündnis 90/Die Grünen im Saarpfalz-Kreis. Der Kreisverband begrüßte das Ende der Planungen ausdrücklich. Co-Kreisvorsitzende Lisa Becker erklärte: „Seit vielen Jahren engagieren sich unsere Mitglieder gemeinsam mit der örtlichen Bürgerinitiative und Naturschutzverbänden gegen dieses Projekt – für Schutz von Natur und Landschaft, für mehr Lebensqualität und für eine Entwicklung, die Mensch und Umwelt gleichermaßen gerecht wird. Wir sind sehr froh über die Entscheidung des Umweltministeriums und unser Dank gilt allen, die unermüdlich für den Schutz unseres Lebensraums eingetreten sind.“
Aus Sicht der Grünen hätte die geplante Trasse durch die Mastau und das Erbacher Bruch erhebliche Eingriffe in ein wertvolles Naherholungsgebiet bedeutet. Immer wieder sei auf eine aus ihrer Sicht geringe verkehrliche Entlastung, hohe Kosten und die Zerstörung naturnaher Flächen hingewiesen worden. Becker sieht in der Entscheidung auch ein Signal für zukünftige Beteiligungsprozesse: „Diese Entscheidung zeigt, dass sich die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern zum Wohle unserer Umwelt lohnt und gehört wird.“
Zugleich formulierten die Grünen klare Erwartungen an Stadt und Landkreis. Gefordert werden moderne Mobilitätskonzepte, Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr sowie Lärmschutzmaßnahmen. Ob und wie es nun verkehrspolitisch weitergeht, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass mit der Entscheidung des Umweltministeriums eine Debatte endet, die Homburg über viele Jahre hinweg beschäftigt, polarisiert und geprägt hat – auch wenn die grundlegenden Fragen zur Verkehrsentwicklung in der Region damit noch nicht abschließend beantwortet sind.




















